Vorsicht, Faker!

Redaktion Von Redaktion

Wer sich im Internet bewegt, muß immer wieder damit rechnen, Betrügern auf den Leim zu gehen - auch und vor allem auf Chatplattformen. Die Zahl der Opfer ist nicht abzuschätzen. dbna hat mit einem Betroffenen gesprochen.

Chatplattformen und Communities für Schwule sind gut besucht. Abertausende tummeln sich dort und suchen neue Kontakte für Freundschaften, für Partnerschaften oder auch nur für eine Nacht. Die meisten meinen es (auf ihre Art) ehrlich, doch es gibt genügend schwarze Schafe. Falschspieler, die sogenannten Faker, die nur Lügen und Märchen erzählen, haben im Internet leichtes Spiel. Und oftmals beherrschen sie dieses so gut, dass sogar manch misstrauischer Mensch darauf hineinfällt.

So ist es auch Kai-Uwe* passiert, ein Opfer von vielen. Bei ihm habe alles normal angefangen, so wie eigentlich immer, sagt er. Man kam ins Gespräch, verstand sich auf Anhieb gut und fing dann auch sehr bald an zu telefonieren. "Eigentlich hätte ich schon hier misstrauisch werden müssen. Es war zu harmonisch, zu perfekt und es ging zu schnell", gesteht Kai-Uwe heute selbstkritisch ein. Verführt von den Gesprächen, die aus seiner Sicht intellektuell wie auch rhetorisch reizvoll waren, und ebenso geblendet von den Bildern auf dem Profil, die einen hübschen und athletischen Mittzwanziger zeigten, strebte er von sich aus schnell ein Date an. Man verabredete sich also für eine CSD-Party. Kurz gesagt: dieses Date platzte und Kai-Uwe war wegen der missratenen Kommunikation reichlich verärgert.

Am nächsten Tag klärte sich dann am Telefon alles scheinbar simpel auf, also verabredete man sich zur Parade noch am gleichen Tag. In der Hoffnung, den gut aussehenden und wortgewandten Kerl endlich zu sehen, ging Kai-Uwe bester Laune zum CSD. Als der verabredete Zeitpunkt dann deutlich überschritten und niemand zu sehen war, der dem Date auch nur ähnlich sah, stieg erneute Wut in ihm auf. Während er an einem Stand aushalf, versuchte er, die Verabredung auf dem Handy zu erreichen. "Ich wurde aber weggedrückt. Gleichzeitig quatschte mich ein fremder Typ am Stand an, sogar mit Namen. Ich wunderte mich zwar etwas, war aber zu sehr darauf fixiert, mein Date in der Menge irgendwie auszumachen", erzählt Kai-Uwe weiter.

Durch gewisse Details im Gespräch kam langsam ein gewisser Verdacht bei Kai-Uwe auf. Jedoch: Der Mann gegenüber war sicher schon Anfang drießig und entsprach äußerlich rein gar nicht der Person auf den Fotos. Um von diesem auch etwas aufdringlichem Kerl wegzukommen und die Gedanken zu ordnen, begab er sich unter einem Vorwand an einen anderen Stand. "Dort habe ich dann relativ schnell in Gedanken das Puzzle zusammengesetzt. Dieser Typ am Stand war mein Date und ein Faker", empört sich Kai-Uwe immer noch sichtlich erregt. Mittels eines Probeanrufes und der Hilfe eines Freundes konnte der Verdacht letztendlich absolut bestätigt werden.

Faker sind eben nicht leicht zu erkennen und zu enttarnen. In der Anonymität des Netzes können sie sich eine Identität aufbauen, die bei entsprechendem Intellekt selten Misstrauen erweckt. Die Motive der Faker sind dabei auch recht unterschiedlich. Während einige nur versuchen bestimmte Mängel auszubügeln, wollen andere sich eine Scheinwelt aufbauen, wiederum andere handeln aus Langweile und ein paar nutzen Fake-Accounts, um Informationen welcher Art auch immer zu sammeln. Dazu kommen sicherlich auch manche, die aus Boshaftigkeit und eigener Belustigung andere hereinlegen. Auch noch dunklere Antriebe können dahinter stecken.

Aber ab welchem Punkt kann jemand definitiv als Faker bezeichnet werden? Fängt das nicht schon bei einer falschen Altersangabe an oder doch erst, wenn die gesamte Person nicht-existent ist? Sicher ist: der Faker handelt definitiv mit dem Wissen um die gefälschten Angaben.
Vor allem für junge Schwule stellt sich hier die Frage: Ist Misstrauen bei Internet-Bekanntschaften immer zwingend notwendig? Ruiniert das aber nicht schon einen natürlichen Umgang, um Vertrauen aufzubauen?

Bei Kai-Uwe zum Beispiel ergaben schnell eingeholte Informationen schließlich, dass sogar der angegebene Name falsch war. Per SMS wurde ihm das ganze später auch gestanden, nachdem er diesen Falschspieler auf dem restlichen CSD konsequent schnitt. Am Abend kam dann noch ein Anruf. "Er wollte sich entschuldigen, das wäre alles nicht so gemeint gewesen. Es täte ihm leid und ich sollte ihm noch eine Chance geben. Das konnte er aber knicken." Den Ärger über diese Frechheit sieht man Kai-Uwe an. Letzendlich aber ärgere er sich am meisten über sich selbst, dass er auf so jemanden hereingefallen sei. Er hätte es doch merken müssen, meint er.

Ein gesundes Misstrauen bei neuen Chatbekanntschaften ist immer angebracht, Vertrauen muss erst verdient werden. Die Angaben des Anderen sollten daher mit den Informationen, die er sonst über sich im Chat preisgibt, abgeglichen werden. Widersprüche sollten direkt angesprochen werden. Gibt es Bilder von Chatpartner, passen sie zu den Profilangaben, sind sie vielleicht geklaut? Diese Fragen sollte man sich stellen. Emotionale Distanz bis zum ersten Treffen ist wichtig, auch um unnötige Schäden von sich selbst abzuwenden. Noch wichtiger ist dabei eine Sicherheitsmaßnahme, die Kai-Uwe beachtet hat: ein erstes Treffen mit einer neuen Chatbekanntschaften sollte immer nur in der Öffentlichkeit stattfinden und am besten werden noch Freunde über das Treffen, den Ort, die Zeit und den Hintergrund informiert.

Und wenn man dann trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch auf einen Faker hereingefallen ist, ohne das noch Schlimmeres passierte, gilt dann nur noch eins: Anzeige des Fakers beim jeweiligen Betreiber zum Schutz anderer.

*Name von der Redaktion geändert

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Weitere Quellen: Bilder: fotolia.de, photocase.com