Wächter über die Menschenrechte

Redaktion Von Redaktion

Der globale Kampf für Rechte von Schwulen und Lesben ist hart. Anvorderster Front kämpft die Menschenrechtsorganisation amnestyinternational. Denn in vielen Ländern ist Homosexualität noch immerillegal, in einigen wird sie mit dem Tod bestraft.

Jeder weiß, dass Schwule und Lesben in Deutschland in einer relativ geschützten Umgebung leben können - trotz kleiner Diskriminierungen im Alltag. Aber kannst du dir vorstellen, dass du wegen deiner Sexualität völlig isoliert von der Gesellschaft bist, Familie und Polizei dir nach dem Leben trachten?

In vielen Ländern sind solche Zustände auch leider im 21. Jahrhundert noch Alltag. In mindestens 70 Staaten ist Homosexualität immer noch illegal, in mehreren arabischen Staaten sowie in Afghanistan und einigen Provinzen Nigerias steht sie sogar unter Todesstrafe. Auch in Deutschland wurden während der Zeit des Nazi-Regimes viele Schwule und Lesben in Konzentrationslagern umgebracht.

Die Charta der Menschenrechte

Dass solche Zustände nicht tragbar sind, haben heute viele Staaten erkannt. Am 10. Dezember 1948 wurde die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" unterzeichnet, ein Dokument, das Regeln aufsetzt, aber nur unverbindlich. Ob sich ein Staat an die Vereinbarung hält oder nicht, muss er selbst entscheiden.

Trotz ihrer Unverbindlichkeit war die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ein Durchbruch. So wurde beispielsweise erstmals in Artikel 2 festgeschrieben:

"Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen."

Artikel 3 untermauert die Aussage folgendermaßen:
"Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und die Sicherheit der Person."

Als die Vereinbarung im Jahr 1948 unterschrieben wurde, galt Homosexualität noch als Krankheit. "Sexuelle Identifikation" fand also keinen Weg in die Charta. Nichtdestotrotz: Die Idee der unveräußerlichen Menschenrechte war geboren und indirekt profitierten auch Schwule und Lesben davon, zumindest in den Industriestaaten. So wurde Homosexualität bereits 1942 in der Schweiz legalisiert, 1957 folgte die DDR, 1969 die Bundesrepublik und 1971 Österreich.

Ganz anders ist die Situation in den meisten Ländern Afrikas. Oftmals werden gleichgeschlechtliche Handlungen auch heute noch schwer bestraft. Homosexuelle werden ausgepeitscht und gefoltert, viele werden in psychiatrischen Anstalten untergebracht, um die vermeintliche "Fehleinstellung" auszumerzen. In Mauretanien, im Sudan sowie in einigen Provinzen Nigerias werden Schwule und Lesben auch heute noch hingerichtet. Grund dafür ist nicht zuletzt die Scharia, das religiös legitimierte Gesetz des Islam. Auch in einigen Ländern Asiens ist sie fest im Staatsapparat verankert. So droht auch in Afghanistan, Iran, Jemen, Saudi-Arabien, Sudan und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Hinrichtung, wenn man als Homosexeller "enttarnt" wurde.

Wächter über die Menschenrechte: amnesty international

Die Betroffenen sind ob der Macht der Staaten hilflos. Ungerechtfertigte Handlungen von Regierungen brachten den britischen Rechtsanwalt Peter Benenson auf die Idee, die nichtstaatliche Organisation amnesty international (ai) zu gründen. Als Geburtsstunde der bekannten Menschenrechtsorganisation gilt der 28. Mai 1961. Benenson prangerte in einem Zeitungsartikel die Vielzahl der weltweiten Verbrechen gegen Menschen an, die wegen einer nicht-religions- oder regierungskonformen Meinung unterdrückt und bestraft werden. Schon drei Monate nach Veröffentlichung dieses Artikels konnte amnesty international bereits mit einer deutschen Sektion aufwarten, inzwischen ist das Netzwerk der Menschenrechtler weltweit expandiert.

Aufmerksamkeit widmet ai heute nicht zuletzt den Rechten von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender. 1995 gründete sich in Deutschland eine "Aktionsgruppe Homosexualität", um auf die mangelhafte Rechtslage sowie die Diskriminierung und Verfolgung nicht-heterosexueller Beziehungen aufmerksam zu machen und sich für eine Besserung einzusetzen. Die Arbeit hat gefruchtet. Schon 1997 wurde die Gruppe von der Dachorganisation offiziell anerkannt und immer mehr aktive Mitglieder in ganz Deutschland unterstützten die "Aktionsgruppe Homosexualität". Seit 2000 nennt sie sich offiziell MERSI, die Abkürzung steht für "Menschenrechte und sexuelle Identität". Gemeinsam mit anderen Gruppen von amnesty international sind sie ein wichtiger Wegbereiter für eine lebenswerte Zukunft aller Menschen auf dieser Welt.

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Weitere Quellen: ai, Bilder mit freundlicher Genehmigung von amnesty international