War Tom Cruise schwul?

Redaktion Von Redaktion

Tom Cruise, Katie Holmes und Baby Suri geben die amerikanische Vorzeigefamilie: weiß, erfolgreich, heterosexuell.  Da kann getrost mal vergessen werden, dass Cruise im Nebenberuf Vorkämpfer für die Psychosekte Scientology ist.

Tom Cruise, Katie Holmes und Baby Suri geben für die Yellow Press die amerikanische Vorzeigefamilie: weiß, erfolgreich, heterosexuell.  Da kann getrost mal vergessen werden, dass Schauspieler Cruise im Nebenberuf Vorkämpfer für die Psychosekte Scientology ist.
Oder lässt sich die Geschichte auch anders erzählen? Ist - oder besser war - Tom Cruise schwul und wurde durch seinen Glauben an die scientologische Ideologie geheilt? Die Sekte behauptet jedenfalls, das zu können. Und der amerikanische Pornodarsteller Chad Slater gab an, mit Tom Cruise geschlafen zu haben, woraufhin ihn dieser 2001 auf 100 Millionen Dollar Schadenersatz verklagte.  Was ist dran am schwulen Tom und seiner Wunderheilung?

6.000 Scientologen in Deutschland


Cruise trat 1986 Scientology bei. Die Organisation geht auf den US-amerikanischen Science-Fiction-Autor Lafayette Ron Hubbard zurück, der 1950 die "Dianetik" entwickelte, eine Art psychotherapeutisches Selbsthilfe-System und Grundstein der Scientology-Ideologie. Vier Jahre später wurde die "Scientology Church" in den Vereinigten Staaten gegründet. Dort ist sie als Glaubensgemeinschaft anerkannt, in Deutschland nicht. Auf etwa 6.000 Anhänger schätzt der deutsche Verfassungsschutz die Gemeinschaft hierzulande, die Scientologen sprechen von doppelt so vielen Mitgliedern.


Streben nach Befreiung des "Thetans"


Grundlage ihres Glaubens ist das Verständnis, der Mensch bestehe aus Körper, Verstand und dem "Thetan", dem eigentlichen und unsterblichen Kern des Menschen. Der Verstand vermittelt zwischen Thetan und Körper. Dabei unterscheiden die Scientologen den analytischen Verstand, der zum Nachdenken und Problemlösen gebraucht wird, und dem reaktiven Verstand, der körperlichen und seelischen Schmerz speichert. Im reaktiven Verstand sieht die Scientology-Lehre die Wurzel allen Übels, denn er hindert den Menschen an der Entfaltung des Thetans. Deshalb müssen Anwärter einen Reinigungsprozess durchlaufen, bevor sie den Clear-Status erreichen. Erst dann sind sie in den Augen von Scientology etwas wert. Danach folgt die Befreiung des Thetan aus der körperlichen Bindung. Wenn man erfolgreich ist, kann man "Operierender Thetan" werden und Materie, Energie, Raum und Zeit überwinden so wie Tom Cruise.


Mit Nötigung, Entwürdigung und Überwachung


Das klingt nach Erfolg, nach Freiheit und Gesundheit. Doch die Realität sieht anders aus. Um bei Scientology anerkannt zu werden und aufzusteigen, muss man teure Kurse, sogenannte Auditings und Schulen, absolvieren. Der Aussteiger Wilfried Handl, früher Scientology-Führer in Österreich, berichtet davon, dass Mitglieder zu Spenden genötigt wurden und worum es der Sekte geht: "Geld. Es ging immer um Geld. Denn am Geld wurde der Erfolg gemessen." Scientology ist eine hierarchische Organisation mit Verhaltenskodex und internem Geheimdienst. Der Verfassungsschutz bezeichnet sie gar als "totalitär".
Bei den Auditings und Reinigungskursen geht es darum, die Ideologie zu lernen, hart und entwürdigend zu arbeiten und sich für seine vermeintlichen Fehler züchtigen zu lassen, indem man in Rehabilitationsprojekten noch härter und entwürdigender arbeitet.


Bis alle Schwäche beseitigt sind


Fehler finden Scientologen bei jedem: Schmerz, Wut und Hass sind dabei noch weniger schlimme Schwächen. Homosexualität steht auf einer Stufe mit Sadismus und sexueller Freizügigkeit. Noch verachtenswerter sind Angst, Verzweiflung und Mitleid. Schwäche und Emotionen müssen nach der Vorstellung der Scientologen ausgemerzt werden, um den Thetan zu befreien. Nach der Ideologie, die auf Ron Hubbards Büchern beruht, kann man damit sogar Homosexualität heilen. Michael Pattison, ehemaliger Scientologe, verklagte die Organisation 1998 unter anderem deswegen, weil sie über die Fähigkeit gelogen habe, ihn von seinem Schwulsein befreien zu können. Als prominenten Geheilten hätten ihm Scientology-Vertreter oft den Schauspieler John Travolta genannt. Dieser ließ prompt durch seinen Anwalt erklären, er sei nicht schwul und glücklich mit einer Frau verheiratet. Über Tom Cruise gibt es ähnliche Gerüchte. Ihm wird auch eine Affäre zum Matchbox-Twenty-Sänger Rob Thomas nachgesagt. Das haben beide umgehend dementiert. Thomas war aber mehr darüber pikiert, mit Scientology in Verbindung gebracht zu werden, als als schwul zu gelten.


Doch unabhängig davon, mit wem Tom Cruise das Bett teilt, verdeckt die Glamour-Welt, dass er Anhänger einer "menschenverachtenden Psycho-Ideologie" ist, wie Bayerns Innenminister Günther Beckstein Scientology bezeichnet. Der Ausstieg aus der Sekte fällt besonders schwer. Wilfried Handl bestätigt, dass er sich vier Jahre nach seinem Ausstieg innerlich noch immer nicht völlig von Scientology gelöst habe. Er sei nur 60 Prozent Mensch und noch zu 40 Prozent Scientologe, sagte Handl 2005 der "Berliner Zeitung". Die Stiefkinder der Berliner Scientology-Leiterin, 14 und 25 Jahre alt, gehören zu den jüngsten Aussteigern. Sie flüchteten Ende Juli, nachdem sie in der sekteneigenen Schule in Dänemark zu Scientologen getrimmt werden sollten.

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Weitere Quellen: Quellen: Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau, www.wikipedia.orgBilder: Star Movie, fotolia.de