Warten auf das neue Leben

Redaktion Von Redaktion

Heute am 3. Juni ist der Tag der Organspende. Überall auf der Welt herrscht Organknappheit und Patienten müssen oft jahrelang auf einen Spender warten. Deswegen ist ein Organspendeausweis wichtig, doch kaum jemand hat ihn. dbna beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Heute ist wieder einer dieser Gedenktage. Solche Gedenktage sind ja meistens so eine Sache: Da sind die sinnloseren Widmungen, es gibt den Weltlachtag, das ist immer der erste Sonntag im Mai, den Welttoilettentag am 19. November, es gibt aber auch wichtige Daten, den Welt-Aids-Tag beispielsweise am 1. Dezember oder eben den 3. Juni, den Tag der Organspende.

Organspende ist ein wichtiges Thema. Allein in Deutschland warten beispielsweise 40.000 Menschen auf eine Spenderniere. Wenn sie nicht vorher sterben, warten sie sechs bis acht Jahre lang. Und wenn es um andere Organe geht, beispielsweise das Herz oder die Lunge, ist die Wahrscheinlichkeit, rechtzeitig Ersatz zu bekommen, noch geringer. Es gibt nicht genügend Organe in Deutschland, wir sind eines der größten Organimportländer.

Der nationale Ethikrat spricht sich deswegen dafür aus, das Transplantationsgesetz zu ändern, da die Organknappheit nach seiner Sicht eine bedrohliche Stufe erreicht hat. Es soll einfacher werden, Organe zu spenden, vielleicht ist "Organe loswerden" eine bessere Umschreibung. Denn nach den diskutierten Regeln dürfte jedem, der zu seinen Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen Organspende votiert hat, dann ein Organ entnommen werden. Es ist aber wahrscheinlich, dass diese Regelung am Widerstand der Ärzte scheitert.

Der Organspendeausweis

Diese Diskussion erhöht die Wichtigkeit des Organspendeausweises. Den hat wohl jeder schon einmal gesehen, aber ausgefüllt hat ihn kaum jemand und bei sich tragen ihn noch weniger. Dieser Ausweis gilt als Willenserklärung für den Todesfall.

Darin erklärt man, ob man nach dem Tod mit einer Organentnahme einverstanden ist oder ob man diese Entscheidung auf einen Dritten übertragen möchte. Wenn der Ausweis im Todesfall auffindbar ist und korrekt ausgefüllt wurde, kann sich der potentielle Organspender sicher sein, dass sein Wunsch erfüllt wird. Dabei kann man sich entscheiden, alle Organe für eine Spende freizugeben oder aber bestimmte Teile des Körpers außen vor zu lassen. So einen  Ausweis erhält man kostenlos bei Ärzten und Apotheken.

Es ist auch möglich, seinen Willen ganz formlos auf einem Blatt Papier festzuhalten. Wichtig sind lediglich das Datum, der Name und die Anschrift des Ausfüllenden, eine unmissverständliche Formulierung und eine Unterschrift.

Rechtliche Situation

Ein Organ darf nur dann gespendet werden, wenn es bis zur Entnahme durchblutet wurde, also der Spender noch über einen intakten Kreislauf verfügt. Dennoch aber muss vor der Entnahme des Organs der Tod des Spenders festgestellt worden sein.

Eine Ausnahme bildet nur die Lebendspende, bei der ein Lebender beispielsweise eine seiner zwei Nieren oder einen Teil der Lunge spenden kann. Dass das geht, liegt daran, dass diese Organe eine sehr hohe Regenerationsfähigkeit besitzen.

Für das Paradoxon, dass der Spender tot sein muss, aber das Organ durchblutet, wurde in Deutschland die Definition des so genannten Hirntodes eingeführt. Darunter versteht man den Ausfall der Gesamtfunktion des Gehirns, sodass die Herz- und Kreislauffunktion nur
noch durch künstliche Beatmung fortgeführt werden kann. Dabei müssen zwei Ärzte, die beide nichts mit der späteren Organentnahme zu tun haben, den Hirntod unabhängig voneinander feststellen.

Organhandel

Die allgemeine Knappheit an Organen hat zu einem florierenden illegalen Markt geführt. Dabei werden Organe gegen Belohnung gespendet, in dem Sinne also richtig verkauft. Das ist verboten, wird aber vor allem in der Dritten Welt praktiziert. Dabei werden durch Organhändler beispielsweise Nieren für bis zu 250. 000 Euro in die USA, nach Westeuropa oder Saudi-Arabien transferiert. Die eigentlichen Spender erhalten knapp 1. 000 Euro. In Deutschland wird illegaler Organhandel mit fünf Jahren Gefängnis bestraft.

China verwertet ganz offiziell Organe. Diese werden toten Strafgefangenen entnommen und für Organempfänger bereitgestellt. Bis zum April dieses Jahres war es in China legal, Organe zu verkaufen. Nach massiven Protesten wurde nun ein Gesetz verabschiedet, dass dies verbietet. Strafgefangenen aber werden weiterhin die Organe nach dem Tod entnommen. Die Begründung: Kriminelle könnten so den Schaden, den sie der Gesellschaft gebracht haben, wieder gut machen.

Beim illegalen Organhandel stehen meist massive medizinische Risiken dem schnellen Geld gegenüber. Denn die Spender bekommen normalerweise keinerlei medizinische Nachsorge. Auch der Empfänger muss mit massiven Schäden rechnen, wie beispielsweise Infektionen, da die Organe nicht ordnungsgemäß entnommen und transportiert worden sind.

Es ist in Deutschland und  weltweit Praxis, dass Gewebe und Organteile an so genannte Gewebehändler verkauft werden. In Deutschland gibt es eine zugelassene Firma, die Gewebe aufkauft, verarbeitet und dann wieder anbietet. So werden beispielsweise aus Kniescheiben Dübel hergestellt, die dann bei Knochenoperationen verwendet werden. So ein Dübel kostet dann um die 600 Euro.

Mehr als eine Million Menschen erhalten so in Europa ein Gewebetransplantat. Ein Verstorbener versorgt dabei bis zu sechzig weitere Patienten mit Körperersatzteilen.

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.com