Was vom Tage übrig blieb

Redaktion Von Redaktion

Ich schaue aus dem Fenster meines Schlafzimmers: ein tiefblauerNachthimmel über den schwarzen Bergrücken. Schwache Lichter in derDunkelheit der hereingebrochenen Nacht. Verdammt, wieso schafft dasWetter es so oft, genau zu meiner Stimmung zu passen?

Ich schaue aus dem Fenster meines Schlafzimmers. Ein faszinierenderAnblick: Der tiefblaue Nachthimmel über den schwarzen Bergrücken: erstgrün und dann gelb, ein letztes Licht in der Dunkelheit derhereingebrochenen Nacht. Wolkenberge rollen an dieser Kulisse vorbei,und ihre finsteren Kiele pflügen die letzen schwachen Strahlen derSpätsommersonne, die längst hinter dem Horizont verschwunden ist. DerWind erhebt sich und fängt an zu brüllen, als wolle ein Herbststurmkommen, und doch fängt es nicht an zu regnen. Verdammt, wieso schafftes das Wetter so oft, genau zu meiner Stimmung zu passen?

Aber von vorne: Mein Handy vibriert. Eine SMS: "Ich muss mit dir reden.Persönlich wäre mir das ja lieber, aber bevor du fährst sollten wir dastelefonisch klären. Bist du da?" Es ist von dem Mann, dessen Liebe ichzu gewinnen versuche. Von Martin. Seit Tagen habe ich nichts von ihmgehört: Meine Sonne war bereits am sinken. "Klar, ich bin zu Hause, rufan", schreib ich zurück.  Das tut er.

Wir hatten uns doch auf der Party so gut verstanden! Wir unterhieltenuns gut, hatten tollen Sex, waren auf einer Wellenlänge! Was war dennpassiert? Andererseits hatte ich bereits da bemerkt, dass er beimletzten Abschied irgendwie reservierter war. Aber war das nicht einfachdurch seinen Lernstress bedingt? Ein paar Wolken des Zweifels kamen undgingen, kamen wieder und blieben. Samstag verging. Sonntag eiltevorüber. Montag war viel zu schnell vorbei. Heute ist auch schon altgeworden.

Seine Stimme klingt eigentlich wie immer, als ich das Telefon abnehme. Ja, es geht mir gut. Nein, ich hatte heute nichts anderes vor. Und bei dir ist auch alles okay? Schon klar, dass du über Freitag reden willst.Da, die Sonne sinkt schnell, es wird finster. "Ich möchte dir einfachnur sagen, dass es nicht passt. Ich mag dich sehr gerne, aber mehr wirddas nicht." Es tut ihm hörbar leid. Noch ist Licht am Horizont.Gelblich-grünes Licht, vielleicht ein Versprechen, eine Hoffnung. Wirwerden kein Paar, aber vielleicht werden wir Freunde. Ein Stern strahltzwischen den Wolkenfetzen auf. Gute Nacht, und fahr vorsichtig! Welchschönen Worte, er meint es mit der Freundschaft ernst! Ich lege denHörer auf. Die Wolken pflügen tiefer, ihre Ausläufer berühren dieSpitze der nachtschwarzen Hügel. Der Horizont verdunkelt immer weiter,der Wind wird stärker. Die Schwärze erfasst mich, ich möchte schreien!Warum sollte es nicht einfach sein?

Und plötzlich: Friede. Ich bin immer noch allein, und ich bin immernoch traurig, einen Geliebten verloren zu haben. Aber ich habe einenFreund gewonnen. Das spüre ich. Als ich aus dem Schlafzimmer gehe undim Wohnzimmer auf den Nachthimmel im Osten schaue, sehe ich die Sterne.Sie blinken. Sie sind ferne Sonnen im unendlichen All. Und wenn auchunsere Sonne hinter mir versunken ist und ich allein im Dunkeln stand,senden sie ihre Nachricht an mich: Du bist nicht allein. Dieser Tag istgestorben. Die Hoffnung stirbt nicht.

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.de