Wehrpflicht, Musterung, Verweigerung

Redaktion Von Redaktion

Jeder junge Mann in Deutschland ist wehrpflichtig. Das heißt er kann entweder neun Monate zur Bundeswehr oder zum Zivildienst einberufen werden. Wie das vor sich geht und was du dabei beachten musst, hat dbna für dich recherchiert.

Wenn du zwischen 18 und 21 Jahre alt bist, wird irgendwann eine Einladung zur Musterung ins Haus flattern. Wer der nicht Folge leistet, dem drohen Bußgeld und eine "Vorführung" durch die Polizei. Aber das klingt alles schlimmer als es ist! Denn diejenigen, die das schon hinter sich haben, verbreiten gerne Horrorgeschichten. Wir wollen deine schlimmsten Ängste zerstreuen.

Wer muss ran?

Jeder junge Mann, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat, ist wehrpflichtig. Das bedeutet, dass er zum Dienst bei der Bundeswehr einberufen werden kann, der zur Zeit neun Monate lang dauert (unsere Väter mussten teilweise noch 18 Monate leisten). Es werden dafür aber nur noch 60.000 von 430.000 Männer eines Jahrgangs gebraucht. Und auch für die 60.000 gibt es noch eine wichtige Ausnahme, denn im Grundgesetz steht: "Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden." Das bedeutet, dass dir niemand ein Gewehr in die Hand geben darf, wenn du das nicht mit deinem Gewissen vereinbaren kannst.

Zivildienst der Ersatz

Wenn du den Kriegsdienst nicht mit deinem Gewissen vereinbaren kannst, bist du dazu verpflichtet, Ersatzdienst zu leisten. Und das ist im Normalfall der Zivildienst, den man in einer gemeinnützigen Einrichtung (im Krankenhaus, Altenheim und so weiter, aber zum Beispiel auch im Umweltschutz) ableisten muss. Aber bevor das genehmigt wird, musst du deine "Gewissensentscheidung" begründen in einem schriftlichen Antrag. So einen Antrag abzufassen ist nicht schwer. Für die Beratung von Kriegsdienstverweigerern gibt es Experten, deren Hilfe du kostenlos in Anspruch nehmen kannst. Zum Beispiel kannst du dich an die Zentralstelle KDV in Bockhorn bei Wilhelmshaven wenden. Das ist ein Verein, der sich die Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern zum Ziel gesetzt hat. Dort findest du Kontakt zu Experten, die dir weiterhelfen können auch telefonisch oder online. Und natürlich kostenlos.

Musterung ein Angstthema

Auch wenn du den Kriegsdienst verweigern möchtest, wirst du um die "Musterung" nicht herumkommen. Das ist eine allgemeine körperliche und psychologische Untersuchung, die dazu dient, festzustellen, ob du überhaupt für den Wehrdienst tauglich bist. 40 % fallen schon bei der Musterung raus untauglich. Nach den Ergebnissen der Musterung wird auch festgestellt, welche Aufgaben du bei der Bundeswehr übernehmen könntest - ob du beispielsweise für den Dienst im U-Boot zu groß bist und so weiter. Und ganz wichtig: Wenn du "ausgemustert" bist, brauchst du auch keinen Zivildienst zu leisten!

Aber was passiert nun bei der Musterung? Erst einmal wird man mit dir einige Gespräche führen und zum Beispiel aufnehmen, welche Fremdsprachen du sprichst, welche Sportarten du treibst und so weiter. Die schlimmsten Horrorgeschichten werden allerdings über die Untersuchung durch einen Truppenarzt erzählt. Aber keine Panik: Im Prinzip ist das nichts anderes als eine Untersuchung durch den Hausarzt. Fakt ist, dass du dich einmal kurz komplett ausziehen musst und der Arzt höchstwahrscheinlich deine Hoden und deine Leistengegend betastet. Das wird gemacht um festzustellen, ob du schon einmal einen Leistenbruch hattest. Im Prinzip kannst du dich dagegen weigern, allerdings wird man dann in diesem Punkt deine Wehrdiensttauglichkeit annehmen. Das heißt, dass du dann zum Beispiel aufgrund eines schlecht verheilten Leistenbruches nicht ausgemustert werden kannst. Bei der Untersuchung schaut niemand zu. Es ist zwar oft eine Sekretärin mit dabei, die ein Protokoll führt, aber das Ganze passiert in aller Regel hinter einem Wandschirm. Messung der Körpergröße und der Länge von Armen und Beinen zusammen mit einem Hör- und Sehtest machen die Sache dann komplett. Du merkst schon: So schlimm ist das alles nicht. Übrigens: Wenn du zum Zeitpunkt der Musterung noch nicht verweigert hast und auch nicht sagst, dass du verweigern willst, steigen die Chancen auf Ausmusterung. Das liegt daran, dass die Bundeswehr gar nicht alle jungen Männer aufnehmen kann, die zur Verfügung stehen.

Schwule und Wehrpflicht

"Die Bundeswehr diskriminiert nicht mehr," sagt Peter Tobiassen, der Geschäftsführer der Zentralstelle KDV, zu diesem Thema. Das bedeutet, dass die sexuelle Orientierung der Rekruten für die Bundeswehr keine Rolle mehr spielt. Nur wer nicht gemeinschaftsfähig sei werde ausgemustert, so Tobiassen. Die Zeiten, in denen Schwule keinen Wehrdienst leisten mussten, sind also vorbei.

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