"Wer bin ich, über Schwule zu urteilen"

Redaktion Von Redaktion
"Wer bin ich, über Schwule zu urteilen"
CC BY-NC-SA 2.0/Catholic Church (England and Wales)/Flickr

Papst Franziskus sprach sich gegen eine Diskriminierung von Schwulen und Lesben aus. Auf dem Rückflug von Brasilien, wo er am Weltjugendtag teilgenommen hatte, sagte er vor Journalisten auf die Frage nach einer "Schwulenlobby" im Vatikan: "Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, um über sie zu urteilen?".

Weiter sagte er, Homosexuelle sollten nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt, sondern in sie integriert werden. Die katholische Lehre verbiete eine Diskriminierung von Homosexuellen. Der Papst schränkte ein, dass es Sünde sei, seinen homosexuellen Neigungen nachzugehen.

Der 76-jährige Argentinier fügte hinzu, das Problem sei nicht, diese Orientierung zu haben. Das Problem sei Lobbyarbeit für sie: "Lobbys sind nicht gut, das bezieht sich auf politische Lobbys, Freimaurer-Lobbys und auch auf Schwulenlobbys".

Franziskus Vorgänger Benedikt XVI hatte sich wiederholt gegen Priester mit homosexuellen Neigungen ausgesprochen.

Christliche Homosexuelle: Papst braucht noch mehr Mut

Markus Gutfleisch, Sprecher der Gruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) begrüßte die Aussagen des Papstes: "Stagnation und kirchenpolitischer Rückschritt der letzten 35 Jahre brechen langsam auf." Der HuK-Sprecher stellt aber auch fest, dass das Kirchenoberhaupt immer noch Lesben, Schwule und Bisexuelle ausgrenzt, die ihre Sexualität in Verantwortung vor Gott leben.

Auch der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck zeigte sich erfreut: "Die Äußerungen des Papstes zur Homosexualität machen Hoffnung auf eine neue Haltung des Vatikan zu den Menschenrechten von Lesben und Schwulen."

Weiter gab Beck allerdings zu bedenken: "Die Sexuallehre der Kirche scheint seit dem 13. Jahrhundert ja in Granit gemeißelt und als Kardinal hatte der neue Papst in seiner Heimat Argentinien gegen die Bürgerrechte von Lesben und Schwulen gewettert."

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Weitere Quellen: CC BY-NC-SA 2.0/Catholic Church (England and Wales)/Flickr