Wie rassistisch ist die schwule Szene?

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Wie rassistisch ist die schwule Szene?
Wikimedia/Marcus Qwertyus

No Blacks, no Asians: Keine seltenen Sätze auf Datingplattformen. Der Ex-Footballspieler Michael Sam spricht in einem Interview über Rassismus, den er erlebt hat. Und auch die Kritik an den schwulen Medien wächst.

Auf Grindr geht es meist nur um spotane, schnelle Treffen. Um möglichst schnell das zu finden, was man sucht, schließen deshalb manche Nutzer schon von vornherein bestimmte Gruppen aus, von denen sie keine Nachrichten bekommen wollen: "No Blacks, no Asians" ist ein Satz, den man oft in Profilen liest.

Dass solche Aussagen rassistisch sind, ist den Nutzern wahrscheinlich gar nicht bewusst. Die sind halt einfach nicht ihr Beuteschema, würden sie sich wohl rausreden. Und böse gemeint sei das ja auch nicht. Und rassistisch erst recht nicht.

Michael Sam, der erste offen schwule NFL-Spieler

Rassismus ist zwar ein Thema, das wegen brennender Flüchtlingsheime wieder aktuell ist. Dann geht es um den wütenden rechten Mob, der "Deutschland den Deutschen" ruft. Doch rassistische Bemerkungen im Alltag, darüber wird weniger geredet. 

Der Ex-Profi-Footballer Michael Sam hat jetzt mit dem britischen Schwulenmagazin "Attitude" genau darüber geredet. Zur Erinnerung: Der 26-Jährige war vor zwei Jahren der erste offen schwule Mann, der in der National Football League (NFL) gespielt hat.

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"Schwarze waren sehr viel unterstützender"

In den letzten zwei Jahren stand er viel in der Öffentlichkeit. Doch in der Schwulenszene hat er nicht nur positive Erlebnisse gehab: "Menschen haben mir gesagt, ich sei nicht schwul genug, andere behaupteten, ich sei nicht schwarz genug. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was das eigentlich heißen soll. Schwule wollen von anderen akzeptiert werden, aber sie akzeptieren selbst nicht jemanden, nur weil ihnen seine Hautfarbe nicht passt?"

Michael Sam sagt, dass er in der schwarzen Community weniger Rassismus erfahren hat. "Ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen und von den Menschen, denen ich begegnet bin. Aber da waren die Schwarzen sehr viel unterstützender, um ehrlich zu sein."

Der Vorwurf: Schwule Medien unterstützen Whitewashing

Dieser Rassismus lässt sich sogar beweisen: Laut einer Studie, veröffentlicht 2014 im Buch "Male Sex Work And Society", sind schwarze Männer bei Dating-Portalen und Escort-Services am unbeliebtesten sind. Die Ausnahme: Sie treten als aggressive, dominante Männer auf. Und selbst dieses Klischee ist Rassismus.

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Etwa gleichzeitig hat sich die Diskussion auch auf Twitter übertragen. Dabei ging es aber vor allem um den Rassismus, den die schwulen Medien selbst produzieren. Der Songwriter Jesse Saint John twitterte: "Die 'schwulen Medien' müssen ihren Inhalt überdenken, wenn sogar ihre Werbekampagnen fortschrittlicher als sie selbst sind."

Der Konter: Michael Sam auf dem Mai-Cover - der über Rassismus spricht

Der schwule Rapper Mykki Blanco ist sofort darauf eingegangen: "Ich bin so froh, dass wir endlich darüber reden", antwortete er ihm in Großbuchstaben. Kurze Zeit später folgte eine Zusammenstellung der letzten zehn Cover von "Attitude", einer britischen Schwulenzeitschrift. Darauf: Nur weiße Männer.

Kurze Zeit später war der Hashtag #GayMediaSoWhite geboren. Ein schwarzer User beklagte schrieb darunter etwa: "Wenn es um uns geht, dreht sich das Ganze wahrscheinlich um sexuell übertragbare Krankheiten, Tragödien oder Homophobie." Und über Daniel Radcliffe oder Chris Hemsworth schrieb er: "Sogar weiße Heteros kommen vor uns aufs Cover."

Die "Attitude" konterte, indem sie ihr aktuelles Mai-Heft postete: Zufälligerweise mit Michael Sam darauf. Wie passend, dass der ehemalige Profisportler im Interview genau über diesen Rassismus spricht.

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