Wird es besser?

Redaktion Von Redaktion
Wird es besser?
CC BY-SA 3.0/Sweisscheese

Aufstand? Fehlanzeige! Nach dem Coming-out von Frank Ocean überrascht die als homophob und wenig liberal verschriene US-HipHop-Szene mit ihren Reaktionen – positiv!

Es mag noch nicht lange her sein, da wäre aus dem Coming out von Christopher "Lonny" Breaux, besser bekannt als Frank Ocean, wohl ein Märtyrer geworden. Mit viel Gegenliebe kann man nämlich als Schwuler in einer Szene, in der "faggot" (Schwuchtel) zum obligatorischen Alltagsvokabular und Fluchen gehört , nicht rechnen im Gegenteil.

Unglückliches Ende einer Liebe zu einem Mann

Doch allen Erwartungen zum Trotz sind die Reaktionen auf Frank Oceans Homosexualität überraschend positiv. Der 24-jährige Ocean besitzt schon seit langem eine treue Fangemeinde und dient Künstlern wie Jay-Z, Kanye West und Justin Bieber als Lieferant für brauchbares Liedgut. Bekannt gemacht hat er seine sexuelle Identität via Netz: In einem Video-Clip gestand er in poetischen Worten, dass seine letzte Liebe unglücklich endete und diese eben einem Mann gehörte.

Lobeshymnen und Ehrbezeugungen gingen seitdem über den Künstler hernieder. Vorne weg: Russell Simmons. Dieser ist ein Millionen schwerer Produzent, der gerade mit denjenigen Szenegrößen zusammengearbeitet hat, die für vieles, aber nicht für schwulenfreundliche Texte bekannt sind. "Dies ist ein großer Tag für den Hip-Hop", so Simmons. "Er wird darüber entscheiden, wer wir wirklich sind. Wie mitfühlend werden wir sein? Wie liebevoll können wir sein? Wie tolerant sind wir?"

Verwunderung bei Gesellschaftskritikern

Auch Künstler wie wie Jamie Foxx, Adele und Beyoncé bedankten sich für den "mutigen Schritt". Das sorgt in den USA gerade bei denen für Verwunderung, die sich in den letzten Jahren sehr kritisch im Bezug auf die Entwicklung ihrer Gesellschaft geäußert haben. Tatsächlich war es noch vor wenigen Jahren der Fall, dass der erfolgreiche Rapper Eminem Homophobie das Wort redete und entsprechende Klischees bediente.

Die New York Times hat für das Ausbleiben einer großen Kontroverse eine Erklärung: Die Vereinigten Staaten seien in jüngster Zeit in Sachen Homosexualität lockerer geworden. So wurde beim Militär die berühmt-berüchtigte Regel  "Dont ask, dont tell" (DADT) abgeschafft mit Segen des Kongresses (dbna berichtete). Auch US-Präsident Barack Obama spricht sich inzwischen anders noch als vor vier Jahren für gleichgeschlechtliche Ehen aus (dbna berichtete).

Von "geistiger Verirrung" hin zu einer "zu akzeptierenden Normalität"

Dabei spiegelt Obama nur eine grundsätzliche Stimmung wider. Statt wie vor zehn Jahren in Homosexualität "geistige Verirrung" zu erkennen, ist für viele Amerikaner heute eine "zu akzeptierende Normalität". Dafür steht auch die Aussage Kinky Friedmans, einem texanischen Schriftsteller und Sänger: "Die Schwulenehe geht völlig in Ordnung. Warum soll es denen nicht genau so miserabel ergehen wie uns Heteros."

Auch das Coming-out von CNN-Fernsehmoderator Anderson Cooper fiel dementsprechend aus, auch wenn es nur eine offizielle Bestätigung war: "Ich bin schwul, war es schon immer und fühle mich so glücklich, zufrieden und stolz, wie das nur möglich sein kann."

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Weitere Quellen: derwesten.de