Wort "schwul" heute "weitgehend wertneutral"

Andreas Graf Von Andreas Graf
Wort "schwul" heute "weitgehend wertneutral"
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Die Gesellschaft für deutsche Sprache ist der Frage nachgegangen, wie es um den Status des Wortes "schwul" heute bestellt ist: Ist es noch immer negativ konnotiert oder hat es einen Wertewandel erfahren?

Das Adjektiv schwul "drückend warm" oder "heiß" ist eine ältere Form von schwül und seit dem 17. Jahrhundert belegt. Seine heutige Bedeutung "homosexuell" erhielt es erst gegen 1900. In den Wörterbüchern tauchte es in diesem Sinne jedoch erst in den 1960er Jahren mit der zusätzlichen Markierung "derb" auf; es war damals abwertend gemeint und wurde auch so empfunden.

Konnotationswandel des Wortes

"Seit in den 70er und 80er Jahren Homosexuelle begannen, sich selbst im positiven Sinne als 'Schwule' zu bezeichnen, hat ein deutlicher Konnotationswandel des Wortes stattgefunden", so die Forscher.

"Es setzte sich mehr und mehr im öffentlichen Sprachgebrauch durch und wird in Bezug auf Homosexualität mittlerweile als weitgehend wertneutral verstanden." berichtete die Gesellschaft.

Dass die Wertneutralität dabei kontextabhängig sei, zeige allerdings die Bedeutung des Wortes in der Jugendsprache als "unattraktiv", "uninteressant", "unbefriedigend".

Neutralere Wahrnehmung

Eine wesentliche Rolle spielte für den Prozess des Bedeutungswandels der Status homosexueller Menschen in der Gesellschaft und in der Politik. "Die zunehmende Akzeptanz Schwuler und Lesben in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens und die Tatsache, dass sich auch Politiker öffentlich mit dem Wort schwul zu ihrer Homosexualität bekannten, trug zu dessen immer neutralerer Wahrnehmung bei.", so die Sprachwissenschaftler.

Selbst konservative Parteien wie die CDU, die zuvor von der Verwendung des Wortes "schwul" Abstand genommen hatten, scheuen sich nicht mehr, es zu gebrauchen, wie der Verband "Schwule und Lesben in der Union (LSU)" deutlich macht.

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