Würfelglück und Elfenzauber

Redaktion Von Redaktion

Sechs Jungs sitzen um einen Tisch auf der Terrasse von Florian, darauf liegen Blätter ausgebreitet, beschrieben mit allerlei Buchstaben und Zahlen. Einer wirft einen zwanzigseitigen Würfel. 12! Endlich geht der Dämon zu Boden!

"Als ihr die Augen öffnet, findet ihr euch auf einem Strand wieder, über und über mit allerlei Unrat bedeckt, der stinkt, als käme er direkt aus den Niederhöllen. Aber immerhin lebt ihr, offenbar war Efferd mit euch." Als die Helden sich mühsam wieder aufgestemmt haben, müssen sie voll Schreck erkennen, dass einer ihrer Gefährten nicht mit ihnen angeschwemmt wurde, auch die gesamte Mannschaft des Schiffs, mit dem sie nach Festum unterwegs gewesen sind, ist nicht zu sehen. Bald machen sie sich auf gen Norden, Richtung Weißtobrien. Wenn Athavariel noch lebt, hat er sicher auch diesen Weg gewählt.

Als das Praiosrund untergegangen ist, schlagen die Helden ihr Nachtlager auf. Von jenseits des allzu schwachen Feuerscheins ihres Lagerfeuers ertönt ein Scharren und Schmatzen, lautes Stöhnen mischt sich in die Dunkelheit, unruhig flackern Schatten durch die Finsternis.

Das schwarze Auge

Sechs Jungs von 18 bis 22 Jahren sitzen um einen Tisch auf der Terrasse von Florian, darauf liegen Blätter ausgebreitet, beschrieben mit allerlei Buchstaben und Zahlen. Einer nippt bedächtig an einem Glas Orangensaft. Die Sonne ist bereits untergegangen, nun müssen sie sich durch die Schwarzen Lande kämpfen.

Warum Florian so gerne DSA spielt? "Weil ich die Chance habe, jemand anderes zu sein. Und natürlich, weil ich dabei einen schönen Abend mit Freunden verbringen kann. Alle Regeln habe ich bis heute nicht durchschaut, und ich spiele schon seit 14 Jahren DSA. Es kommen auch immer neue dazu, aber das ist kein Problem."

DSA "Das schwarze Auge" , das ist der Name eines sogenannten Pen-&-Paper-Rollenspiels, des wohl bekanntesten im deutschsprachigen Raum. Aber wie spielt man so etwas überhaupt? "Nun, der Spielleiter erzählt die Geschichte, schildert der Gruppe die Umwelt und lässt die Umwelt auf die Reaktionen der Spieler reagieren. Eigentlich handelt es sich also um ein Gespräch zwischen Spielleiter und den einzelnen Spielern, unterbrochen von Würfelwürfen, wenn man zum Beispiel bestimmte Talente wie etwa Schwimmen oder Klettern einsetzt, oder auch im Kampf."

Dazu werden sowohl "normale" sechsseitige Würfel verwendet als auch zum Beispiel zehn- oder zwanzigseitige. Das hängt vom Regelsystem und von der Tätigkeit, die man ausführen möchte, ab. Während man also, um jemanden überhaupt mit dem Schwert zu treffen, mit dem "W20" (also einem zwanzigseitigen Würfel) unter einem bestimmten Wert würfeln muss, werden dann die angerichteten Schadenspunkte mithilfe eines "W6" (eines sechsseitigen Würfels) ermittelt.

Eine Frage des Charakters

Jeder der Spieler verkörpert einen "Charakter", ein Alter Ego, wenn man so will, und lässt diesen in der Spielwelt agieren. Gemeinsam bestreitet die Gruppe Abenteuer aller Art, von Mordaufklärungen im mondänen Vinsalt bis hin zu Expeditionen in den Dschungel von Südaventurien ist alles möglich. Was man dazu braucht? Der Name lässt es schon vermuten: hauptsächlich Stift und Papier. Und die Vorstellungskraft jedes Einzelnen.

Jeder der Spieler hat einen "Charakterbogen", einige Seiten Papier, auf denen verschiedene Werte stehen, für Klugheit oder Mut, für Magiekunde, Galanterie und Schwimmen und darüber, wie gut man mit dem rostigen Schwert, das man im Gepäck trägt, umgehen kann.

Die Geschichten der Gruppe um Florian tragen sich in Aventurien zu, einem Kontinent auf dem Planeten Dere. "Im Prinzip gibt es in Aventurien alles, was man sich in einer mittelalterlichen Welt vorstellen kann", erklärt Florian, "die Schwerkraft gilt für die Helden genauso wie für ihre irdischen Spieler. Die größten Unterschiede sind lediglich das Vorhandensein von Magie und Göttern und andere rollenspieltypische Elemente wie Orks, Drachen, Geister, Greifen, Elfen, "

Und was machen die Leute in dieser Welt? "Was sie eben tun. Ein Schuster schustert, eine Schmiedin schmiedet, ein Dieb stiehlt Aber die Spielercharaktere lassen meist ihren Alltag hinter sich und ziehen aus, Abenteuer zu erleben." Jeder Spieler erstellt sich seinen Charakter selbst im Rahmen der Regeln natürlich und überlegt sich vor allem eine Hintergrundgeschichte, überlegt sich, was sein Charakter im Leben erreichen will, was ihm wichtig ist, warum er mit der Gruppe durch Aventurien zieht.

Mitmachen

Den Volksglauben, dass nur Freaks sich mit Rollenspielen beschäftigen, kann Florian nicht bestätigen. Er selbst studiert Biologie in Innsbruck, einer seiner Freunde Medizin, ein anderer arbeitet in einem Handyshop. Florian meint, dass er "durch dieses Sprachrohr auch viel emotionalen Müll abladen kann."

Und anfangen kann jeder, der Interesse hat. Natürlich hat sich die Community in diversen Foren vernetzt, man kann sich aber auch einfach mit ein paar Freunden die grundlegenden Spielhilfen (Regelwerke) kaufen und sich ins Abenteuer stürzen. Und natürlich ist DSA nicht das einzige Pen-&-Paper-Rollenspiel. Neben anderen Fantasy-Spielen wie etwa Dungeons & Dragons gibt es auch welche, die im Weltraum spielen, sich um den Kampf zwischen Engeln und Dämonen drehen oder um Cowboys und Indianer im Wilden Westen. Und viele mehr.

Nach einigen ereignisreichen Tagen und Nächten erreichen die Helden schließlich Weißtobrien. Sie sind erfolgreich den Häschern des Portifex Maximus der Borbaradkirche entkommen und haben vielleicht sogar einen Funken zwölfgöttlicher Hoffnung in das Herz des einen oder anderen Bewohners der Piratenküste getragen. Und vor allem ihren Freund Athavariel wiedergefunden und ihn vor einem Schicksal in einem der Bordelle Mendenas bewahrt.


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Weitere Quellen: Roland Weißegger