YES!

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
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Die Iren haben abgestimmt: Die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe kommt. Irland ist das erste Land, in dem die Ehe-Öffnung vom Volk entschieden wurde. Die Liberalisierung ging ziemlich schnell: Erst seit 1993 war Homosexualität nicht mehr strafbar.

Irland ist der erste Staat der Welt, in dem die Öffnung der Ehe für Homosexuelle per Volksentscheid bestimmt wurde. Obwohl die Zustimmungen Umfragen zufolge von über 70 Prozent im Januar auf zuletzt nur noch 58 Prozent sank, konnten sich die Befürworter durchsetzen.

62 Prozent der Iren stimmten für die Gleichstellung. Die Ehe-Gegner räumten ihre Niederlage ein. Regierungsvertreter rechnen mit einer Wahlbeteiligung von etwa 65 Prozent. Gesundheitsminister Leo Varadkar, der sich erst im Januar als schwul geoutet hat, bezeichnete die Abstimmung als "soziale Revolution".

Schon davor gab es zivile Lebenspartnerschaften für Homosexuelle, die sogar Kinder adoptieren dürfen. Doch jetzt sind sie den Hetero-Ehen völlig gleichgestellt - das betrifft zum Beispiel die Bereiche Adoption, Leihmutterschaft oder Fortpflanzung mit Hilfe von Samenspenden.

Vertrauen in Kirche sinkt immer weiter

Die vier größten Parteien des Landes - Fine Gael, Labour, Fianna Fáil und Sinn Féin - haben die Kampagne unterstützt. Zahlreiche Prominente haben ebenso für die Ehe-Öffnung geworben. Nur konservative Gruppen und die katholische Kirche waren dagegen. Sie fürchteten sich um das Wohl der Kinder und die Tradition der Ehe. Doch die Kirche hat sich erstaunlich stark zurückgehalten, anders als bei anderen Referenden, etwa über die Abtreibung oder zur Scheidung.

Denn obwohl die grüne Insel als konservativ-katholisch gilt, hat die Kirche stark an Einfluss verloren. Vor allem Missbrauchsfälle, die nicht ordentlich aufgearbeitet wurden, haben die Gläubigen ihr Vertrauen verlieren lassen. So war das Referendum letztlich auch ein weiter Schritt zur stärkeren Trennung von Kirche und Staat. 

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Irland ist das erste Land, in dem die Gleichstellung per Volksentscheid kommt.

Irland ist das erste Land, in dem die Gleichstellung per Volksentscheid kommt.

Das 21. Land mit gleichberechtigter Homo-Ehe

In Irland ging die Gleichstellung von Schwulen und Lesben besonders schnell von statten: Bis 1993 war Homosexualität noch verboten. Seit Januar 2011 bestand die eingetragene Lebenspartnerschaft. Anfang des Jahres wurde beschlossen, dass auch homosexuelle Partnerschaften Kinder adoptieren dürfen. 

Überhaupt galt das Land lange als konservativ und katholisch geprägt. So waren Kondome bis 1978 komplett verboten, seit 1993 durften sie erstmals in normalen Läden verkauft werden. Erst seit November 1995 dürfen sich Verheiratete in Irland scheiden lassen. Da es sich - wie bei der Homo-Ehe jetzt - auch im eine Verfassungsänderung handelte, fand ein Referendum statt. Das Ergebnis war denkbar knapp: 50,3 Prozent waren für die Scheidung, 49,7 Prozent dagegen.

Irland ist das 21. Land, in dem eine völlig gleichberechtigte Ehe für Homosexuelle besteht. Die anderen Staaten sind Argentinien, Belgien, Brasilien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Island, Luxemburg, Kanada, Kolumbien, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien, Südafrika, Uruguay und auch Irlands Nachbar Großbritannien. Erst im März hat das Parlament in Slowenien entschieden, die gleichgeschlechtliche Ehe einzuführen.


Hinweis: Zuletzt aktualisiert am 27.05.2015 um 15:30 Uhr.

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