Zeit des (Er-)Wartens

Redaktion Von Redaktion

Groß war meine Freude, als ich einen Menschen traf, der einfach zumverlieben war: Groß, schön, intelligent und supersüß! Ich mochte ihn,aber mochte er mich auch? Es dauerte ewig, bis ich es herausfand. Dochumso glücklicher war ich, als ich es wusste.

Groß war meine Freude, als ich einen Menschen traf, der einfach zumverlieben war: Groß, schön, intelligent und supersüß! Nur wenigeStunden mit Martin brachten mich dazu, ihn für die kommende Woche zumir einzuladen. Und bald stand er auch vor meiner Tür, und es wurde einsehr romantischer Abend mit Kino, Kerzenschein und einer wunderschönenKuschelpartie. Zaghaft wagte ich den nächsten Vorstoß: Ich fragte ihn,ob er am kommenden Wochenende mit mir nach Köln kommt, zum tanzen. "Naklar, das wird sicher lustig", meinte er fröhlich, und mein Herz schlugnoch lauter. Sollte das etwa?

Fehlanzeige! Freitag bekam ich einen Anruf, in dem Martin mir höflich,aber bestimmt, absagte. Er sei einfach zu sehr von seiner schwierigenKlausur mitgenommen und habe Kopfschmerzen. Deshalb solle ich bessernicht mit ihm rechnen. Und während ich mich mit Freunden in der KölnerSzene herumtrieb, kurierte er zu Hause seinen Kopf aus. Immerhinschickte Martin dann aber noch eine SMS an mich: Nächsten Monat kommeer bestimmt mit, und außerdem habe er mich lieb. Danke für die Blumen aber ist das genug? Es wäre schön gewesen, ihn noch mal zu sehen, bevorer seine Eltern besucht. Denn ab Sonntag wollte er für drei Wochen andie Ostseeküste, wo er geboren wurde. Drei Wochen! Eine Ewigkeit. Aberwir würden sicher jeden Tag Kontakt haben, manchmal sogar telefonisch.So was meinte er zumindest am Tag seiner Abreise noch mal zu mir. Wäredas nicht geradezu perfekt? Könnten wir uns so nicht ein wenig besserkennen lernen? Sex würde keine Rolle spielen, sondern ausschließlichdie Sympathie. Der Gedanke gefiel mir.

Sonntagmittag war ich bei meiner Schwester Sarah zum Essen eingeladen.Wir redeten über alles, was es so zu reden gab: Neues aus der Familie,dem Freundeskreis. Übers Fernsehen und über Internet. In meinerBegeisterung erzählte ich ihr natürlich auch von Martin. Klar, dass sieihn kennen lernen wollte. Ein Typ der größer ist als ich würde für ihre165 cm zwar ein bizarres Bild ergeben, aber sie muss ihn ja auch nichtküssen können.

Die folgenden Wochen aber waren nicht ganz so wie erwartet: Jedesmalwenn Martin online war, schrieb ich ihn an. Nettes Geplänkel, ein paarNeuigkeiten von den wenigen gemeinsamen Bekannten, einenGute-Nacht-Gruß. Er antwortete zwar immer irgendwann, aber den Anfangmachte immer ich. Wir telefonierten auch zweimal, natürlich nur aufmeine Anregung hin. In der letzten Woche meldete er sich dann gar nichtmehr. Mir war die Lust vergangen, hinter ihm her zu rennen. Wer nichtwill, der will eben nicht. Trotzdem: War es nicht offensichtlich, dasser mich weniger mochte als ich ihn? Und wenn er weniger in uns sah alsich, welchen Sinn hatte es dann noch, ihm zu schreiben? Ein letzterVersuch kam von meiner Seite dann am Montag. Er war wieder zu Hause,das wusste ich. Und er hatte sich immer noch nicht gemeldet. Ichschrieb ihm eine Nachricht, dass es schade sei, nichts von ihm gehörtzu haben und wünschte dennoch eine gute Nacht. Würde er reagieren?

Dienstag Mittag saß ich dann wieder bei meiner Schwester und berichteteihr: Martin hat zurück geschrieben! Er meinte, es sei keine böseAbsicht gewesen, aber er habe Kopfschmerzen gehabt und wollte deshalbnicht anrufen. "Ist er eine Frau?" fragte Sarah mich und lachte. "Die sagen auchimmer, sie hätten Kopfschmerzen, wenn sie nichts von einem wollen! Wernicht mal zwei Minuten aufbringen kann um eine SMS zu schreiben, derhat wenig bis kein Interesse an dir." Ich lachte sie an: "Wenn er eineFrau ist, könnte ich ja Glück haben und es sind nur seine Tage.Immerhin ist es beinahe vier Wochen her, dass ich das mit denKopfschmerzen das letzte Mal gehört habe." "Na, dann möchte ich aber nicht wissen, wo er gerade blutet!" frotzelteSarah zurück. Aber hatte sie recht? Wollte Martin gar nicht versuchen,das zwischen uns zu vertiefen?

An diesem Abend schrieb ich ihm eine SMS. "Gute Nacht. Träum süß!" Under antwortete, dass er versucht habe, mich anzurufen. Und dass er dasam Mittwoch wieder tun werde. Und das tat er! Und am Donnerstag kameine SMS, wo ich denn sei, er wolle mit mir reden. Und heute besucht ermich! Keine Migräne, keine Blutungen, einfach nur ER! Also hat er dochnoch Interesse. Und ich hab ein Lächeln auf den Lippen.

Haben Männer ihre Tage? Gibt es periodische Phasen, in denen siemerkwürdig drauf sind und eine zeitlang schweigen? Und wenn das so ist,welche Männer betrifft das? Alle? Oder nur die Schwulen? Oder hat eswas mit der Mentalität des einzelnen zu tun, und nicht mit derSexualität einer Gruppe? Oder war es einfach ein Zufall, eineUnsicherheit? Waren die drei Wochen des Distanzkennenlernens zu langgewesen? Ob es Antworten auf diese Fragen gibt, weiß ich nicht, aberegal was morgen ist: Die kommende Nacht gehört Martin und mir. Siegehört uns.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!