«Zivi»-Stelle

Redaktion Von Redaktion

Angehende Zivildienstleistende sollten sich frühzeitig über ihre Dienststellen und deren möglichen Einsatzgebiete informieren.Viele erhoffen sich erste Berufserfahrungen, andere wiederum sagen er sei "verplemperte" Zeit. Was viele dabei vergessen: die Wahl der Stelle ist freiwillig ...

Angehende Zivildienstleistende sollten sich frühzeitig über ihre Dienststellen und deren möglichen Einsatzgebiete informieren.
Viele erhoffen sich erste Berufserfahrungen, andere wiederum sagen er sei "verplemperte" Zeit. Was viele dabei vergessen: die Wahl der Stelle ist freiwillig. Von dieser Chance sollte auch möglichst jeder profitieren.

Unser Redakteur Armin interviewte einen ehemaligen Zivi und dbna User Volker, 22 Jahre:


dbna: Was sich sicher viele Fragen, was macht man(n) denn alles als «Zivi» bzw. welche Stelle hast du besetzt ?

Volker: Ich war Disponent bei den Johannitern in Aalen in der Leitstelle, dort wird der ärztliche Notdienst für 16 Dienstbereiche (bis Crailsheim) koordiniert!

dbna: Hört sich interessant an, was war denn genau dein Aufgabenbereich?!

Volker: D.h. es mussten die Patientendaten aufgenommen werden und an den entsprechenden Diensthabenden Arzt weitergegeben werden. Des weitern waren wir Telefonzentrale für Alles was bei den Johannitern anruft, Essen auf Rädern, Schultouren und so weiter und es waren Hausnotruftelefone geschalten.

dbna: War es für dich eine eher "mühsame" oder "relaxte" Arbeit ?

Volker: Na ja relaxt war es vor allem Nachts, aber auch da konnte es ziemlich rund gehen und man hatte halt viel Verantwortung, weil man ja auch abwegen musste, was wie dringend ist, ob man z.B. sofort einen RTW mit Notarzt hinschicken muss oder ob ein "normaler" Hausarzt reicht und so weiter!

dbna: Richtig ... wie siehst du das klischeehafte Denken über: Zivi machen doch nur Schwule?

Volker: Ich glaube die Zeiten sind (leider :-) ) vorbei! Ich war der Einzige, der dort schwul war, das machen inzwischen genau so viele Heteros, weil es "praktischer" ist, und man meist zu Hause in der gewohnten Umgebung bleiben kann!

dbna: Worin siehst du Vorteile, die man als Zivildienstleistender haben kann?

Volker: Man ist in seiner Freiheit nicht so eingeschränkt, kann nach Feierabend tun und lassen was man will und es schreibt einem Niemand vor, wie man genau sein Bett zu machen hat! Na ja ich sehe es als eine sinnvollere Tätigkeit, man bekommt mehr Sold, kann wie gesagt in seiner gewohnten Umgebung bleiben, hat meistens bessere Arbeitszeiten und es herrscht ein anderer Umgangston. Außerdem kann man (meiner Meinung nach) mehr "Für's Leben lernen"

dbna: Wie gehen deine evtl. zu betreuenden Menschen mit dir um? Wirst du als schwuler Zivi akzeptiert?

Volker: Ich war nicht geoutet, hab es aber auch nicht veschwiegen. Kontakt zu betreuende Menschen gab es bei mir kaum. Außer ich hatte Rufbereitschaft für die Hausnotrufgeräte. Aber am Telefon bin ich mit den meisten Patienten gut klargekommen, auch mit den ganzen Mitarbeitern.

dbna: Volker, bringt der Zivildienst ein Stück mehr Lebenserfahrung?

Volker: Für mich war es das auf jeden Fall. Man muss auf der einen Seite ziemlich sensibel sein, wenn man mit den Leuten telefoniert, auf der anderen Seite muss man auch lernen, manches an sich abprallen zu lassen und in Selbstverantwortung zu handeln. Wir hatten als Disponent sehr viel Entscheidungsrechte und waren auch teilweise anderen Mitarbeitern und Fahrern gegenüber weisungsbefugt, d.h., das was man als Disponent angeordnet hat, musste so gemacht werden. Aber dafür musste man auch gerade stehen.

dbna: Was möchtest du dbna'lern mit auf den Weg geben?

Volker: Es kommt darauf an, was man aus dieser Zeit macht. Klar bekommt man nicht viel Geld, aber diese Zeit nimmt einem keiner ab. Ich war auch nicht davon begeistert, 1 Jahr für fast kein Geld zu arbeiten aber diese Situation kann man nicht ändern. Aber man kann versuchen, was davon mitzunehmen.

dbna: Volker, ich danke dir, das du ein paar Minuten Zeit hattest. Alles Gute und viel Erfolg im neuen Jahr.

Viele Verbände und Organisationen planen Kriegsdienstverweigerer oftmals über einen längeren Zeitraum ein. Vorsicht ist also geboten.

Ob du dich nun für Stellen in kirchlichen Einrichtungen, bei Roten Kreuz, in diakonischen Hilfswerken oder gar im Ausland bewirbst, ist dir selbst überlassen. Wichtig jedoch ist, dass du dich informierst.

So kann also nun der Zivildienst kommen ...

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