Zwischen Pasta und Moderne

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Barilla machte Schlagzeilen mit seiner Inakzeptanz Homosexueller. Doch was sind die Meinungen und Erfahrungen abseits von Barilla. Junge schwule und ein heterosexueller Italiener berichten aus ihrem Leben in Italien.

Erst vor Kurzem sprach sich der italienische Nudelhersteller Guido Barilla in einem Interview gegen eine Gleichstellung homosexueller Paare aus. Er sagte, dass "das Konzept der Heiligen Familie ein fundamentaler Wert" in seiner Firma sei und er hinter der "traditionellen"  Familie stehe (dbna berichtete). Steht Barilla mit seiner traditionellen Ansicht alleine da oder spiegelt er nur eine allgemeine Intoleranz des Landes? Und wie sind die Sichtweisen und Erfahrungen junger schwuler Italiener?

Wie die Italiener mit Homosexualität umgehen hängt zunächst sehr von den verschiedenen Gebieten Italiens ab berichtet Giacomo (19) aus Sardinien. Während im Süden Italiens die Einwohner noch sehr festgefahren sind und an ihren Traditionen klammern, sind die meisten Einwohner Mittelitaliens bereits etwas offener.  Im Norden findet man seiner Meinung nach die beste Form der Akzeptanz. Vor allem in Mailand geht man mit Homosexualität relativ offen um, sagt der Student Roberto (21), der selbst in Mailand wohnt. Sein bester Freund ist schwul und Roberto weiß, dass es für ihn einfacher ist, in einer großen Stadt wie Mailand zu leben als in den Provinzen Italiens. Das bestätigt auch Enzo (18) aus Rom, der meint, dass er mit seiner Homosexualität offen umgeht, es sei denn, er trifft auf die "typischen italienischen dummen Provinzler".

Einfluss des Vatikans auf die italienische Bevölkerung

Dass viele Italiener, hauptsächlich "Provinzler", Homosexualität nicht akzeptieren wollen, liegt auf der einen Seite an der fehlenden Aufklärung. Tatsächlich spielt auf der anderen Seite Tradition eine große Rolle. Vor allem der Vatikan scheint großen Einfluss auf viele Italiener zu haben.  Der Vatikan akzeptiert keine Homosexualität und die meisten Italiener unterstützen streng diesen Glauben, sagt Roberto.  Manuel (17) aus Arezzo meint, dass durch diesen strengen Glauben ältere Italiener beeinflusst sind und die Jugendlichen einfach dem folgen, was die Gesellschaft ihnen vorgibt. Ein Gesetz gegen Homophobie gibt es laut Enzo in Italien auch nicht.

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Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender und deren Freunde zeigen in Mailand Flagge für die Rechte Homosexueller in Italien.

Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender und deren Freunde zeigen in Mailand Flagge für die Rechte Homosexueller in Italien.

Gespaltene Erfahrungen beim Coming-Out

Trotzdem ist ein Outing nicht ausgeschlossen. Nicht nur Enzo, der ein positives Outing hinter sich hat, sondern auch Manuel hat bereits diesen Schritt gewagt und sich seinen Klassenkameraden anvertraut. Die Reaktion von ihnen war entspannt. Manuel erzählt jedoch weiter, dass seine Eltern einmal herausgefunden haben, dass er mit einem Jungen ausgegangen ist, worauf sie sehr bestürzt waren. Er musste ihnen versprechen heterosexuell zu werden. Seine Eltern brachten ihn zu einem Psychologen. Er ging sogar mit zwei Mädchen aus um seine Eltern glücklich zu machen.  

Die italienischen Menschen ändern sich jedoch bereits und bilden sich ihre eigene Meinung, nach Roberto, vor allem die jüngere Generation. Das allein reicht Manuels Ansicht nach aber nicht. Er meint, dass die hilfsreichste Methode sei, den Einfluss der Religion in der Regierung, Gesetzgebung und Gesellschaft abzuschalten. Solange sich Italiener weiterhin nur für die konservative Regierung entscheiden, wird es diese Veränderung nicht geben. "Religion here is like a cancer in its terminal stage: irremovable."

Kennenlernen anderer schwuler Jugendlicher

Roberto, Manuel und Enzo sind sich einig, dass es trotz allem relativ leicht ist, Kontakt zu anderen schwulen jungen Männern zu knüpfen. Am Einfachsten ist es durch Internetseiten wie gayspace.it oder gemeinsame Freunde, meint Manuel. Wenn man einen schwulen Freund hat, ist es sehr leicht weitere Schwule kennenzulernen, fügt Roberto hinzu. Enzo hat außerdem viele seiner schwulen Freunde in der Szene Roms, wie der Bar "Coming Out" kennengelernt.

Für mehr Toleranz und Akzeptanz in Italien muss etwas unternommen werden. Sollte man sich trotzdem entscheiden, als Schwuler in Italien glücklich leben zu wollen, dann in großen Städten wie Mailand oder Bologna. Manuel hat vor, vielleicht nach Deutschland zu ziehen, am ehesten Berlin oder Frankfurt.

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