Bist du schwul, oder was?

Redaktion Von Redaktion
Bist du schwul, oder was?
Verlag an der Rhur

Auch für Basti ist die Pubertät die Zeit der Selbstfindung. Ein Ereignis weckt schwere Selbstzweifel in ihm. Denn wieso rastet gerade er aus, wenn ihn einer "Schwuchtel" nennt? Fühlt er sich selbst betroffen? Und wenn ja, wieso? Wollte er denn nicht eigentlich was von Julia? Eine Geschichte mit interessanter Wendung...

Bastian von Berg, kurz Basti, ist eigentlich ein eher friedlicher Typ. Rappen ist sein absolutes Hobby und zusammen mit seinem 15-jährigen Kumpel Ferhat bildet er das Duo "FB"   er textet und der Sohn des türkischen Restaurantbesitzers Kaya bringt seine Stimme zum Besten.

Ferhat ist für Basti, der ein Jahr jünger ist, nicht nur der engste Kumpel, sondern hat mit seiner Art auch eine gewisse Vorbildfunktion.

Basti hat es allerdings nicht leicht: Seine Eltern leben getrennt und die Mutter, die sich und ihren Sohn als Frisörin gerade so über Wasser halten kann, wohnt mit ihrem Sohn in einer moderneren Hochhaussiedlung, genannt "das Demos". Während "Zeitungen [...] solche Gegenden einen sozialen Brennpunkt" nennen, sprechen Basti und seine Kumpels immer wieder mal eher liebevoll von ihrem "Ghetto".

Muss er cool sein?

Neben diesem Umfeld kommt noch Bastis Alter hinzu. Er ist mitten in der Pubertät, die für ihn gerade jetzt mit Selbstzweifeln versetzt ist. Als werdender Mann will muss? er cool sein, will nicht länger als Kind gelten.

Als Vural nicht nur Papierkügelchen durch die Gegend spuckt, sondern die kleine Ayse, die sich versuchte gegen die Kindereien Vurals zu wehren, auch noch bedroht, schaltet sich Basti ein um als von Vural als "Schwuchtel" bezeichnet zu werden. Da platzt Basti der Kragen. Mit Karacho geht er auf Vural los und streckt diesen mit einem Faustschlag nieder.

Daheim nachdem ihn seine Mutter von der Schule abholen durfte quälen ihn die Fragen. Er ist doch sonst nicht gewalttätig. Warum hat er das gemacht? Wieso wollte er sich gegen das "Schwuchtel" so wehren? Erinnerungen an zwei Situationen im Umgang mit Jungs steigen in ihm hoch. Er ist komplett verunsichert. Denn eigentlich findet er doch Julia total süß oder bildet er sich das nur ein?

Als am Nachmittag Ferhat, der wegen des Todes seiner Oma den Vormittag über bei seiner Familie war, ihn besucht, ist dieser am Ende. Doch welche Sorgen drücken ihn? Die nächste Herausforderung für Basti steht an: Er muss sich als echter Freund beweisen. Und die Überraschungen des Tages sind noch nicht zu Ende...

Verlag an der Rhur

Vom Zeitgeist geprägt

"Bist Du schwul, oder was?" ist ein Jugendbuch für 12- bis 16jährige von Frank G. Pohl. Der Pädagoge aus Köln, der selbst im Umgang mit seinen Schülern zu seiner Homosexualität steht, berührt mit seinem Buch viele Themen, denen Jugendliche heute begegnen. Es ist ganz vom Zeitgeist geprägt.

Das beschriebene soziale Umfeld entspricht genau dem, in dem heute viele Großstadtkinder aufwachsen: Soziale Brennpunkte, alleinerziehende Mütter, Hip Hop, ein sozial durchmischter Freundeskreis, Freunde und Klassenkameraden mit einem ganz anderen kulturellen Hintergrund, Berührungspunkte von Tradition und Moderne sowie nicht zu vergessen Homosexualität.

Das ist kein leichtes Leben, vor allem in dieser Zeit der Orientierung und Selbstfindung, und daher sehr leicht zu erschüttern. Basti meint zu verstehen, dass er in dieser Welt kämpfen muss, keine Schwäche zeigen darf, doch scheint er die Wahl seiner Mittel nicht gerade mit Bedacht zu treffen.

Die Geschichte steht nah am Leben, wozu sicherlich Pohls Beruf beigetragen hat. Sie liest sich schnell von der Hand und taucht dabei doch tief in die Gedanken und Gefühle Bastis ein. Einzig und allein die geschilderte Entwicklung eines Nebencharakters stimmt nicht mit den zeitlichen Zusammenhängen der geschilderten Geschichte überein.

Für 12 bis 14 Jahre alte Jugendliche ist das Buch durchaus geeignet, ist es doch wirklich kompakt und überschaubar ohne jede Redundanz geschrieben. Für den Rest der Zielgruppe mag das Buch vielleicht schon zu wenig komplex sein. Dennoch ist das Erstlingswerk Pohls vielversprechend und man darf auf weitere Veröffentlichungen gespannt sein.

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