Der Roman, auf dem der Film basiert

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer

Der Roman von Andreas Steinhöfel gilt noch nicht einmal 20 Jahre nach Erscheinen als Klassiker. Wer "Die Mitte der Welt" noch nicht gelesen hat, sollte das schnellstmöglich ändern. dbna verlost drei Exemplare in der Filmausgabe.

Märchen. So beschreibt Jannik Schümann den Roman "Die Mitte der Welt" im Interview mit dbna. Und wie Recht er hat, denn der Roman von Andreas Steinhöfel gleicht in der Tat einem Märchen. Der Autor hat eine eigene Welt erschaffen, die auf den ersten Blick klar in Gut und Böse unterteilt ist.

Böse, das sind alle Menschen in der Stadt. Und gut, das sind die Zwillinge Phil und Dianne und ihre Mutter Glass, die abseits der Stadt in einer verwunschenen Villa, genannt "Visible" leben. Die Familie wird von den Städtern kritisch beobachtet: Glass gilt als Frau, die mit der halben Stadt ins Bett geht. Vor ihren Kindern haben die aus der Stadt spätestens seit einem Kampf, den sie blutig gewonnen haben, Respekt oder sogar Angst.

Dass es um eine schwule Liebe geht, ist nebensächlich

Doch wie in einem echten Märchen ist nicht alles, was gut scheint, immer gut, und auch in der Stadt leben Menschen, die für die junge Familie sehr wichtig sind: Da ist die Rechtsanwältin Tereza, die mit ihren Ratschlägen Phil weiterhilft, und da ist Kat, Phils beste Freundin.

Wie für ein Märchen typisch hat auch "Die Mitte der Welt" einen Prinzen: Nicholas, der Phil den Kopf verdreht, seit er das Klassenzimmer betreten hat. Diese Verliebtheit, die in der Verfilmung deutlich mehr Platz einnimmt als im Roman, schildert Steinhöfel wunderbar leicht beschwingt. Die Gefühle, die Gedanken, die Ängste und Hoffnungen bringt er authentisch rüber, weshalb sich viele Jugendliche mit Phil identifizieren können.

Ein "neues Selbstverständnis schwuler Jugendlicher"

Dass es sich dabei um eine schwule Liebe handelt, behandelt der Roman so selbstverständlich, wie es sein sollte. Zuallererst ist es eine Geschichte ums erste Verliebtsein, um die Schmetterlinge im Bauch. Dass es sich um zwei Jungs handelt, die zusammen duschen gehen, ist nebensächlich.

Dafür dass das Buch 1998 erschienen ist, eine sehr moderne Haltung, weshalb "Die Mitte der Welt" auch heute kein Stück verstaubt daherkommt. Der Autor selbst nannte es damals einen "Versuch, einen Schritt weiter zu gehen in Richtung eines neuen Selbstverständnisses schwuler jugendlicher Romanfiguren".

Das Buch zieht seine Leser in den Bann

Neben diesem so selbstverständlichen Umgang mit Homosexualität ist es Andreas Steinhöfels Sprache, die den Roman zur Pflichtlektüre für (schwule) Jugendliche macht: Er ist ein genauer Beobachter, der seine kleine Welt ganz detailliert und voller liebevoller Details ausschmückt. Das Buch zieht den Leser in den Bann, es fesselt, wie es selten ist, was auch an den bildhaften Vergleichen und Metaphern liegt.

Wer "Die Mitte der Welt" noch nicht gelesen hat, sollte es unbedingt nachholen. Wer es in die Hand nimmt, nachdem er die Verfilmung (hier gehts zur Rezension) gesehen hat, wird noch viele weitere Geschichten erleben, die im Film von Regisseur Jakob M. Erwa keinen Platz finden konnten. Wer es schafft, die knapp 500 Seiten zu lesen, bevor es ins Kino geht, der wird überrascht sein, ob der Film die Bilder bestätigt, die man selbst beim Lesen hatte. 

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