Der Vogel ist ein Rabe

Redaktion Von Redaktion

Der 21 jährige Freiburger Benjamin Lebert feierte bereits 1999 ein fulminantes Romandebüt mit "Crazy". Nun endlich, August 2003, vier Jahre später, erschien "Der Vogel ist ein Rabe". Ein erfrischend unbefangener, bewegender und packend wirkender Roman.

Der 21 jährige Freiburger Benjamin Lebert feierte bereits 1999 ein fulminantes Romandebüt mit "Crazy". Damals gerade mal siebzehn wurde er zum Autorenphänomen der Literaturkritik hochstilisiert. Sein Buch wurde in unzähligen Schulen im Mittelstufen- Deutschunterricht behandelt und interpretiert. Lebert versuchte mit Crazy seine im Internat gewonnene Lebenserfahrung und dort erlebte Probleme durch das Aufschreiben zu reflektieren. Andere entdeckten später in dem Geschriebenen die literarische Qualität und veröffentlichten es. "Crazy", bewusst autobiographisch und auf eine unnachahmlich ehrliche und authentische Art geschrieben, überraschte auf ganzer Linie- nicht nur mit sensationell hohen Verkaufszahlen. Später wurde der Stoff dann auch in 33 Sprachen übersetzt und 2000 gar von Hans- Christian Schmid ("23", "Nach fünf im Urwald") fürs Kino entdeckt. Die erfolgreiche Verfilmung von "Crazy" mit den Jungstars Robert Stadlober und Tom Schilling in den Hauptrollen, verstärkte schließlich auch das allgemeine Medieninteresse an der Person des halbseitig gelähmten, jungen Shooting Stars Lebert.

Doch dieser leugnete auch weiterhin jeglichen Bezug zum "Star sein" und zur glitzernden Medienwelt (z.B. im Spiegel- Interview 08/03 mit den Worten "Ich glitzere eben nicht") und ließ sich mit der Veröffentlichung eines zweiten Romans viel Zeit. Nun endlich, August 2003, vier Jahre später, erschien "Der Vogel ist ein Rabe". Lebert wechselt hier von der Autobiographie zum literarischen Sujet. Dies ist ein bewundernswerter Schritt, der von schriftstellerischer Reife zeugt. Er macht seinen zweiten Roman fast noch interessanter als den Vorgänger. 

Inhalt: Auf einer Zugfahrt von München nach Berlin werden Paul und Henry, beide Anfang zwanzig, für die Dauer einer Nacht zu Weggefährten. Aufmerksam lauscht der Ich- Erzähler Paul den Worten Henrys, der in leuchtenden Farben von Freundschaft und Liebe erzählt- und von der Erfahrung beides verloren zu haben. Und während Henry immer freier und ungezwungener wird und seinen Erinnerungen ihren Lauf lässt, hört Paul nur zu und schweigt. Er erzählt nicht von der Sehnsucht, woanders und wer anders sein zu wollen, nicht von der Art, wie Menschen ihren Regenschirm aufspannen. Und nicht von Mandy. Aber mehr und mehr holt ihn, während er den Worten Henrys lauscht, seine eigene Geschichte ein.

Die 127 Seiten lassen sich schnell lesen, bieten aber auch gleichermaßen viel Stoff zum nachdenken und hinterher grübeln. Lebert beschreibt auf eine anschauliche, ehrliche Art und Weise die Unsicherheiten, Ängste, Sehnsüchte und Gedanken zweier Jungen auf der Suche. Dabei berührt Leberts Stoff auch die Düsternis der Einsamkeit, der Angst allein gelassen zu werden, und der Liebe, "Krankheit und Heilung in einem" (Spiegel- Interview). Der Roman wirkt erfrischend unbefangen, bewegend und packend.

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