Der Wunschbrunnen

Redaktion Von Redaktion

Der 16-jährige Cedric ist eben erst mit seinen Eltern raus in dieabsolute Provinz gezogen. Und dann sitzt er am zweiten Schultag in derneuen Heimat im Schulbus, dieser wunderschöne Junge steigt ein, undCedric ist von den Socken, begeistert, total verknallt...

Cedric ist eben erst mit seinen Eltern raus in die absolute Provinzgezogen. Dass er schwul ist, darüber weiß der 16-jährige schon seiteiniger Zeit Bescheid, und ein Problem hat er damit nicht. Schließlichist er auch ansonsten reichlich unnormal - er spielt Klavier, liebtSpätbarocke Musik und hat nicht gerade viele Freunde. Und dann sitzt eram zweiten Schultag in der neuen Heimat im Schulbus, dieserwunderschöne Junge steigt ein, und Cedric ist von den Socken,begeistert, total verknallt. Was nun folgt, kann man sich denken. Natürlich weiß er weder, ob derandere Junge, Sandro, schwul ist, geschweige denn ob seine Gefühleerwiedert werden. Dieser Sandro ist nämlich nicht nur hübsch undsportlich, sondern auch außerordentlich gut integriert in eine ganznormale, coole Clique. Will heißen: Selbst wenn er schwul ist,vielleicht sogar auf Cedric steht, gesteht er es sich wahrscheinlichnicht ein, aus Angst vor der Reaktion der anderen.

Und genauso kommt es: Als Cedric sich nach über einem halben JahrAnschmachten dazu durchringen kann, Sandro seine Liebe zu gestehen,lässt der sich zwar auf eine Beziehung ein - allerdings auf eine reinsexuelle (was vom Autor bestens und ausgiebigst von absurdestenUmschreibungen illustriert wird). Denn dass er sich wirklich verliebthat, das fällt Sandro verdammt schwer, sich einzugestehen...

Jeder junge Schwule, der in etwa in Cedrics Haut steckt - und das sindwahrscheinlich nicht wenige - dürfte von diesem Buch mitgerissen sein,weil es zum Träumen verführt, weil man sich in Cedric hineinversetzenkann, sich wiedererkennen, und dann miterlebt, wie doch alles, allesnicht nur gut sondern sogar noch viel besser wird. Und da stören einendie Sprache des Autors und die teils grotesken Dialoge auch nicht mehr.
Nur, mit Verlaub: Das Ende des Buches. Da hätte sich Michael Estevandoch was anderes einfallen lassen sollen - und sei es auch so etwas,wie das (im Buch von Sandro so sehr kritisierte) Ende "der Mitte derWelt" von Andreas Steinhöfel.

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