Ein schwuler König

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Ein schwuler König
rorem / 123RF Stockfoto - querverlag

Durch viele Zufälle wird Sascha Burger zum König von England. Der junge Schwule bringt nicht nur den Buckingham Palace, sondern das ganze Vereinigte Königreich durcheinander.

"God save the Queen" mit wie viel Überzeugung würde die Nationalhymne des Vereinigten Königreichs für einen homosexuellen Monarchen gesungen werden? Dieser Frage geht Roland Brodbeck in seinem Roman "Plötzlich Royal" nach. Um aber nicht Prinz William oder Harry schwul zu machen, musste erst einmal ein neuer Familienzweig her: Erfunden wurde ein Zwillingsbruder von Prince Charles, dessen Tochter Sara mit dem katholischen Geschäftsmann Burger aus der Schweiz verheiratet ist. Deren gemeinsame Kinder sind wiederum Zwillinge, nämlich Sascha und Carmen. Für diesen schweizerischen Teil der Adelsfamilie sind die Royals in England allerdings ziemlich weit entfernt, weil durch die katholische Heirat von Sara jeder Anspruch auf den Thron wegfiel.

Das ändert sich schlagartig, als ein altes Gesetz neu interpretiert wird: Der homosexuelle Sascha steht damit auf Platz drei der britischen Thronfolge. Damit die Geschichte schnell an Fahrt gewinnt, müssen natürlich zuerst noch Queen Elizabeth II. und deren erfundener erstgeborener Sohn George sterben. Beides geschieht relativ schnell damit ist der 29-jährige Student Sascha Burger der nächste König des Vereinigten Königreichs. Der Roman will in diesen Punkten gar nicht realistisch sein, eher ist er ein "Was wäre wenn?"-Szenario vor realen Hintergründen.

Die Probleme des schwulen Monarchen beginnen schon bei den Feierlichkeiten zur Thronbesteigung: Darf sein Partner Simon dabei sein? Erhält er den üblichen Ehrenadelstitel? Hier überzeugt der Roman mit vielen schlagfertigen, mutigen und unterhaltsamen Dialogen und Streitgesprächen, vor allem mit dem Premierminister. Natürlich gehen die Probleme weiter, vor allem auf Grund der Commonwealth Realms.

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So ist der schwule König auch Oberhaupt von Ländern wie Jamaika, in denen Homosexualität unter Strafe steht. Hier muss Sascha trotz Provokationen des Botschafters also so diplomatisch wie möglich handeln, um die Etikette zu wahren. Vor allem zum Ende hin gewinnt der Roman noch deutlich an Spannung, als sich Mitarbeiter des Palastes dort verschanzen und das Feuer auf eine Demonstration vor dem Buckingham Palace eröffnen

Der Roman ist ein gelungenes Erstlingswerk von Roland Brodbeck. Die Handlung wirkt sehr durchdacht und sprüht vor neuen Einfällen. Vor allem die realen Hintergründe die Königsfamilie, andere Politiker und die Situation in den Commonwealth Realms machen das Szenario interessant und wert darüber nachzudenken.

Brodbeck erzählt nach Startschwierigkeiten spätestens ab dem sechsten Kapitel stets lebhaft und anschaulich, der Leser kann sich wirklich vorstellen, wie der noch jugendliche König in Röhrenjeans durch den Buckingham Palace spaziert, seinen Angestellten widerspricht und abends mit seinem Simon im Königsbett kuschelt. Schließlich überzeugt Brodbeck durch sein großes Wissen, was die Adelsfamilie, ihre Traditionen und Titel angeht: Hier wird auf jedes Detail geachtet, um den Roman so realitätsnah wie möglich zu gestalten.

Die knapp 340 Seiten lesen sich dank seines sehr angenehmen und nicht aufdringlichen Schreibstils flüssig, auch weil die Handlung wirklich konzentriert ist. Es gibt keine unnötigen Ausschweifungen, keine unwichtigen Nebenstränge, trotzdem bleibt Platz für wichtige Details und Beschreibungen der Orte, der Personen und der Stimmung. Die Charaktere mögen zwar zum Teil klischeehaft sein (der Emo-Freund des Königspaares Timm oder der Privatsekretär Earl Amble), beide durchbrechen ihren Stereotyp aber auch oft und handeln anders als erwartet.

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