Gebrochene Flügel

Redaktion Von Redaktion

Ein junger Obdachloser in der russischen Großstadt St. Petersburg kämpft um sein Überleben und geht wegen vieler Versprechungen nach Deutschland. Dort muss er sich anderen Männern hingeben, ob er will oder nicht. Seine Sehnsucht nach der Heimat wächst. Schafft er den Ausstieg?

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bricht für Alexej Natschenko Stück für Stück seine Welt zusammen: zuerst haut der Vater nach St. Petersburg ab, um dort ein Bordell zu betreiben, dann flüchtet sich die Mutter deswegen in Alkohol und bringt sich schließlich nach einem Streit mit ihrem Sohn auch noch um. Alexej ist verlassen, er flüchtet mit seinen 18 Jahren nach St. Petersburg und fristet ein Leben als Straßenkind. Ständig auf der Flucht vor der Staatspolizei begegnet er schließlich dem Deutschen Heiner, der ihm Hoffnungen macht, ihn nach Deutschland für Alexej die Versinnbildlichung des Westens mit Freiheit und Wohlstand zu bringen. Er löst dieses Versprechen auch schnell ein, aber anstatt des Himmels auf Erden beginnt für Alexej die Hölle. Er wird von Heiner zur Prostitution in einem Club gezwungen, Heiner zeigt sein wahres, brutales und geldgieriges Gesicht. Da Heiner Pass und Visum verschlossen hält, muss Alexej sich beugen, bis es ihm zu viel wird und er durch einige Zufälle die Möglichkeit zur Flucht hat.

Svenson Björglund hat ein Thema gewählt, das brandaktuell ist und stellt im Vorwort den Anspruch auf, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Aber dennoch lassen einige Fehler die Stirn hin und wieder Falten schlagen. Auf einer Seite heißt Alexej kurz Alexander. Dann flüchtet so geht es zumindest aus der Geschichte hervor Alexej von Düsseldorf nach Hannover über die A7, nur dass diese nicht über Düsseldorf nach Hannover führt. Auch sind die zeitlichen Übergänge nicht gut gelungen. Man hat zuerst den Eindruck als würde sich Tag an Tag, Szene an Szene reihen, aber tatsächlich liegen oft Wochen dazwischen. Am schwersten wiegt, dass dem Autor anscheinend nicht bewusst war, dass man ein Visum für Deutschland nur in der deutschen Botschaft bzw. im deutschen Konsulat bekommt und nicht von russischen Behörden. Daher wirkt die Bestechungsgeschichte mehr als unglaubwürdig.

Insgesamt lässt die Bearbeitung also leider zu wünschen übrig, man hätte mehr aus dieser Geschichte herausholen können: mehr Spannung, mehr Authentizität, mehr Dramatik. Der Autor blieb weit hinter dem Potential der Geschichte zurück. Die Charaktere bleiben eher oberflächlich, Alexej kommt nicht nur anfangs sehr naiv rüber. Es findet zwar ein Wandel statt, doch könnte dieser tiefer gehen. Das nimmt dem Buch leider vieles, dennoch ist der Blick in das Leben von russischen Straßenkindern und von Zwangsprostitution nicht der schlechteste. Als Start in diese Materie ist das Buch allemal geeignet.

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