Heiße Schokolade

Redaktion Von Redaktion
Heiße Schokolade
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Rachid O. erzählt aus dem Leben eines jungen Marokkaners, der wohlbehütet aufwächst – und dennoch nicht zur Ruhe kommt, obwohl er alles hat zum Glücklich Sein.

Noé, alles dreht sich um Noé. Lalla machte ihm, bevor er nach Frankreich ging heiße Schokolade. Die will er auch er, das ist der etwa 16jährige Ich-Erzähler der Geschichte, der stets namenlos bleibt.  Nur er kriegt sie nicht. Lalla muss nur ihr Gesicht verziehen, schon überlegt er es sich anders. Ja, heiße Schokolade, nein, Noé letztlich, das ist sein heiß begehrter Wunsch.

Rundum geliebt

Lalla war Noés Kindermädchen, bevor dieser mit seinen Eltern zurück nach Frankreich ging. Seitdem kümmert sie sich nur noch voller Liebe um den jungen Erzähler und seinen Vater, der den Jungen über alles liebt. Die Mutter starb bei der Geburt ein Trauma, das den Jungen im ersten Teil der Erzählung beschäftigt. Er spielt seine eigene Geburt nach immer wieder, möglichst original getreu. Die Geschichte dazu hat er sich oft genug erzählen lassen.  Diese Phase endet schließlich, während gleichzeitig die Zuneigung zu dem fernen Noé, dessen Bild er verehrt, ja vergöttert, wächst immer mehr.

Doch trotz dieser Spielereien, trotz dieser Sehnsucht nach Noé ist der Ich-Erzähler glücklich. Er führt ein gutes, wenn auch kein reiches, so doch ein erfülltes Leben mit stabilem Umfeld und ihn liebende Menschen.

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Tiefe Zuneigung zu Youssr

Über den blinden Nachbarn, ein Freund seines Vaters bei dem er immer mehr Zeit verbringt, lernt er schließlich dessen Mitbewohner Youssr kennen, einen Fremdenführer, einige wenige Jahre älter als er. Sie freunden sich an, tiefe Zuneigung, ja blindes Vertrauen entsteht. Doch Noé ist ständig präsent und schließlich gelingt es ihm, diesen und seine Mutter unter einem Vorwand herzulocken.

Rachid O., Jahrgang 1970, geboren in Rabbat, Marokko, und schließlich übergesiedelt nach Paris, schreibt einfühlsam, die Empfindungen des Ich-Erzählers dringen stark auf den Leser ein. Doch völlig gelingt es nie, die Handlungsweisen, das Denken und das Fühlen der Hauptperson zu fassen. Der Leser wandert durch die Geschichte, durch die Emotionen, wobei sich der Erzähler dabei selbst zu entdecken scheint. Vieles bleibt unausgesprochen, nur angedeutet oder zeichnet sich erst ganz am Ende deutlicher ab, um dann aber doch offen zu bleiben. Rachids Werk, das erste von vieren, das ins Deutsche übersetzt wurde, ist faszinierend und läßt den Leser tief berührt zurück. Und mit jedem weiteren Lesen eröffnen sich neue Facetten - eine tolle Erzählung der ganz eigenen Art.

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