In einer Freundschaft erwachsen werden

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
In einer Freundschaft erwachsen werden
Thienemann-Esslinger Verlag GmbH - Pressematerial

Aristoteles kann nicht schwimmen. Als Dante ihm anbietet, es ihm beizubringen, entwickelt sich daraus eine tiefe Freundschaft. So unterschiedlich die zwei Jungen auch sind, so ähnlich sind sie sich auch. Beide kämpfen mit den Hürden der Pubertät, ihren Eltern und den ersten Küssen.

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Aristoteles, den alle nur Ari nennen, lernt Dante kennen. Er bringt ihm das Schwimmen bei. Die zwei Jungs aus El Paso verstehen sich auf Anhieb super. Beide haben mexikanische Wurzeln, sind fast gleich alt und stehen vor denselben Fragen, die sich jeder 15-Jährige stellt: Wieso nerven meine Eltern? Wie fühlt es sich an, jemanden zu küssen? Doch sie sind alles andere als normale Jungs in ihrem Alter. Dante ist charismatisch, intellektuell und kennt Wörter, die Ari erst im Wörterbuch nachschlagen muss. Er liest ihm Gedichte vor. Ari bewundert Dante dafür, vor allem aber wächst er an ihm.

Ari und Dante werden beste Freunde. Sonst haben sie keine. Aris Eltern freuen sich, dass ihr Sohn endlich einen Freund gefunden hat. Sowohl die Mutter als auch der Vater haben Geheimnisse vor Ari, die sie nur ungern lüften. Aris älterer Bruder sitzt im Gefängnis, doch über ihn wird nie gesprochen. Nicht mal ein Foto von ihm hängt im Haus, er wird totgeschwiegen. Und da ist noch die Vietnam-Vergangenheit von Aris Vater. Er spricht nie über den Krieg, träumt aber davon.

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"Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums" ist ein wundervolles Buch, das nicht zuletzt dank einer wunderschönen Sprache funktioniert. Der Autor Benjamin Alire Sáenz ist ein Meister von treffenden Vergleichen und überraschenden Metaphern. Sein Stil ist besonders, ohne dem Inhalt den Rang abzulaufen. Die feinen, ganz anschaulichen Beschreibungen lassen den Leser nicht nur miterleben, was in El Paso passiert, sondern vor allem mitfühlen. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, schafft er eine authentische Geschichte, die uns mitreißt, traurig macht, aber auch zum Nachdenken anregt.

Die Stärke des Romans liegt in seinen Dialogen. Wie Ari mit seinen Eltern streitet, diskutiert, wie er mit Dante philosophiert das alles ist so ungekünstelt und lässt uns dadurch an ähnliche Gespräche erinnern, die wir selbst geführt haben. Das funktioniert nur dank einer ausgefeilten Figurenarbeit. Jede Hauptfigur im Buch hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Psychologie. Die Verhältnisse zueinander müssen nicht ausgesprochen werden, sondern werden durch die Art, wie sie miteinander sprechen, klar. Das ist die große Kunst des kreativen Schreibens, die hier so gut gelingt wie selten in einem Jugendbuch: Zwischenmenschliches nicht aufschreiben zu müssen, sondern es durch Handlungen und Gesagtes zu verdeutlichen.

Der Autor verleiht Ari eine Brillanz, sich zu artikulieren, die den Leser manchmal verwundern lässt. Auf der einen Seite so abgebrüht und nüchtern-zynisch, kann der Junge auf der anderen Seite durch Erkenntnisse und Bemerkungen verblüffen. "Und noch ein Geheimnis des Universums: Schmerz ist manchmal wie ein Sturm, der aus dem Nichts kommt. Der klarste Sommermorgen kann in einem Gewitter enden. Kann in Blitz und Donner enden."

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Benjamin Alire Sáenz schreibt Lyrik und Prosa für Erwachsene und Jugendliche. Er unterrichtet Kreatives Schreiben an der University of Texas in El Paso.

Benjamin Alire Sáenz schreibt Lyrik und Prosa für Erwachsene und Jugendliche. Er unterrichtet Kreatives Schreiben an der University of Texas in El Paso.

Ganz klar im Vordergrund steht die Freundschaft zwischen Aristoteles und Dante. Sie erlebt Höhepunkte und Rückschläge wie jede Beziehung. Diese Freundschaft ist so besonders, weil sie auf der einen Seite so normal ist und sich jeder Leser damit identifizieren kann. Doch es wird Momente geben, die so unvorhergesehen sind, dass niemand damit gerechnet hat. Selbst hier driftet der Autor aber nicht ins Unrealistische ab, sondern bleibt im Bereich des Möglichen.

Doch auch die Nebenstränge erhalten genug Raum, um ihre Wirkung zu entfalten. Die Vergangenheit von Aris Vater, sein inhaftierter Bruder, sein erster Kuss auf einer Party und der Hund, der Ari zugelaufen kommt und sein bester Freund wird, während Dante mit seinen Eltern ein Jahr in Chicago verbringen muss. Das alles ergänzt die Geschichte dieses Coming-Of-Age-Romans zu einem wundervollen Stück Literatur.

Schon der Titel kündigt es an: Die zwei Jungs entdecken die Geheimnisse des Universums. Zumindest suchen sie danach. Dabei merken sie, dass diese Suche nicht mit dem erwachsen sein aufhört, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist. Sie lernen, was eine Freundschaft ist, lernen, wie sich Loyalität zeigt und schließlich, dass wir manchmal Gefühle nicht zeigen können, sondern Taten dafür finden müssen. Das Buch ist ein hervorragendes Beispiel für eine Geschichte, die uns nicht nur unterhält, sondern von der wir lernen können, ohne es zu müssen. Ein Buch, das so außergewöhnlich wie die Namen seiner Hauptpersonen ist.

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