"Lass sie reden"

Redaktion Von Redaktion
"Lass sie reden"
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"Lass sie reden" ist die erste Romanveröffentlichung von Robin Jander. dbna sprach mit dem 24jährigen Jungautor über sein Werk, seine Tätigkeit als Autor und dem Coming-out.

Stetige Hänseleien, niedriges Selbstwertgefühl, Schicksal eines Einzelgängers das Leben des 16jährigen Maiks ist nicht leicht. Und so sehr er sich auch innerlich dagegen sträubt, an der Abschlussfahrt seiner Realschulklasse, aus der ihn keiner leiden kann, führt nichts vorbei.

Doch dann begegnet er Falk, der ihm völlig unvoreingenommen gegenüber tritt. Maik ist verwirrt und als er dann in aller Öffentlichkeit mit Falk tanzt, spielen seine Gefühle und Gedanken endgültig verrückt.

"Lass sie reden" ist ein klassischer Coming-out- und Entwicklungsroman. Autor Robin Jander sprach mit dbna über sein Erstlingswerk. Hauptberuflich ist der 24jährige Wahl-Kölner in der Versicherungsbranche tätigt. Seine Freizeit widmet Robin nicht nur der Schreibtätigkeit, sondern auch seinem Ehemann, seinen drei Katzen sowie vielen weiteren Interessen. Schon im Vorfeld bekannte Robin: "Meinen ersten Freund habe ich über dbna kennengelernt."

Robin, Du hast in diesem Frühjahr deinen ersten Roman "Lass sie reden" veröffentlicht. Wie fühlte es sich an das eigene Werk fertig in den eigenen Händen zu halten?

Bei der Frage muss ich schon ein wenig grinsen: Auf das gebundene Werk habe ich mich schon Monate im Voraus gefreut. Insbesondere die letzten Wochen vor der Veröffentlichung habe ich mich wieder an meine Kindertage erinnert gefühlt. Es war wieder so, als wäre ich klein und morgen wäre Weihnachten. Entsprechend war es natürlich ein wunderbares Gefühl, als ich das fertige Buch endlich in den Händen halten konnte.

privat
Im dbna-Interview: Robin Jander - Er schrieb das Buch "Lass sie reden"

Im dbna-Interview: Robin Jander - Er schrieb das Buch "Lass sie reden"

Bist Du schon auf Deine Tätigkeit als Autor angesprochen worden? Wie waren die Reaktionen in Deinem Umfeld?

Naja, in der KVB (Kölner U-Bahn) bin ich natürlich noch nicht angesprochen worden. Aber auf meiner Arbeit zum Beispiel haben es durchaus die meisten registriert oder gelesen. Im Mitarbeitermagazin gab es sogar einen kleinen Artikel über das Buch. Insofern kann man durchaus sagen, dass es sehr positiv aufgenommen bzw. angenommen wurde.

In meiner Familie haben es natürlich auch alle gelesen. Die Reaktionen dort waren, sagen wir einmal, überschwenglich. Aber so ist das in der eigenen Famlie wohl immer. Oder um Herrn Bohlen zu zitieren: "Die Tante sagt immer, es klingt gut, auch wenns scheiße ist".

Sicherlich hat auch schon der ein oder andere dbna-Nutzer mit dem Gedanken gespielt selbst ein Buch zu schreiben. Was würdest du diesen in Bezug auf einen erfolgreichen Abschluss eines Buches raten? Was ist nötig?

Tja, etwas zu raten ist etwas schwierig, da sicherlich jeder ganz unterschiedlich an ein solches Projekt heran geht. Ich zum Beispiel hatte am Anfang eigentlich überhaupt keinen Plan, was mit der Handlung passieren sollte (ursprünglich war die Story sogar als Kurzgeschichte angelegt worden).

Erst beim Schreiben bekam ich eine klarere Vorstellung davon, wie es weiter gehen soll. Andere hingegen arbeiten schon am Anfang eines Projektes einen roten Faden heraus. Dann erst beginnt für sie das eigentliche Schreiben. Aber eines gibt es ganz sicher, was ich den Autoren von morgen ans Herz legen möchte: Durchhalten. Es klingt zwar banal, aber so ist es eben. Wenn man als Hobby neben dem Beruf, dem Partner und den sonstigen Verpflichtungen noch schreibt, ist es beschwerlich ein solch "großes Projekt" noch zu realisieren. Da muss man sich einfach durchbeißen.

Es ist viel einfacher, irgendwann aufzuhören, als sich wirklich jeden Abend hinzusetzen und noch etwas zu tippen. Allerdings hilft hier ein verständnisvoller Partner ungemein. Ansonsten muss man (leider auch) Absagen wegstecken, wenn man erst einmal ein Skript hat. Man erhält von den Verlagen viele Absagen und mit viel Glück vielleicht auch einmal eine Zusage. Auch hier gilt es sich durchzubeißen und auch dann nicht den Mut zu verlieren, wenn ein Skrip mal von allen abgewiesen wird. Einfach weitermachen, bis man einmal eine Zusage bekommt.

In "Lass sie reden" dreht sich die Handlung um Maik, seinem inneren und seinem äußeren Coming-out. Welche Motivation hattest Du dieses Thema zu bearbeiten und was willst Du mit dem Buch erreichen?

Nun, das Coming-out stellt eine überaus wichtige Phase im Leben eines jungen Schwulen da. Da ich vorhatte eine "schwule Geschichte" zu erzählen, schien es nur logisch dieses Thema zu behandeln. Außerdem war die ganze Thematik für mich ja auch noch nicht so furchtbar weit weg.

Du beschreibst Maik und Falk als zwei Jungs, die nicht in allem dem üblichen Schönheitsideal entsprechen. Wolltest Du damit bewusst auch indirekt Kritik an diesem Ideal üben, wie es gerne in der Szene gehegt und gepflegt wird?

Es ging mir bei den Beschreibungen weniger um die Kritik an der Szene. Meines Erachtens ist es einfach so, dass die Szene, was diese Ideale betrifft, einfach nicht allzu nah an der Realität ist. Ich denke und das ist auch meine eigene Erfahrung , dass die meisten Schwulen "ganz normale Typen" sind, die eben nicht unbedingt in dieses Schema passen. Gerade darum habe ich die Charaktere andere beschrieben.

Es sollte darum gehen, dass die Geschichte real bleibt. Also weg mit den Stereotypen und her mit den "Normalos". Oder wie oft ist es irgendjemanden schon so ergangen, dass er den braungebrannten Sixpackträger, trifft, sich in ihn verknallt und die (erste) große Liebe erlebt?

Mit dem Aufeinandertreffen von Maik und Falk treffen letztlich auch zwei vollkommen unterschiedliche Lebenswelten aufeinander: Während der eine aus recht armen Verhältnissen kommt und selbst die Realschule besucht, stammt der andere aus einem sehr wohlhabenden Haus und geht auf das Gymnasium. Auch wenn das Buch offen endet, sind das Perspektiven für ein längeres Zusammenbleiben ohne große Missverständnisse?

Was das anbetrifft, bin ich eigentlich recht optimistisch. Ich glaube nicht, dass die Herkunft allzu entscheidend für eine Beziehung ist. Auch wenn ich selber diesbezüglich ehrlich gesagt keine Erfahrungen sammeln konnte. Ich habe selber meine Kindheit über von Sozialhilfe gelebt, und keinen "reichen Kerl" geheiratet. Aber ich hoffe einfach einmal, dass es kein Problem sein sollte, wenn einer aus ärmlichen Verhältnissen kommt und der andere aus dem gehobenen Mittelstand.

Was den unterschiedlichen Bildungsstand, den du angesprochen hast, angeht, sehe ich das schon etwas kritischer, aber ich glaube Realschule und Gymnasium liegen jetzt auch nicht riesige Welten voneinander entfernt.

Maiks inneres Coming-out, aber auch das äußere geschehen recht schnell. Baust du hier auf eigenen Erfahrungen auf?

Zu einem großen Teil ja. Ich selber habe mich bereits mit 14 geoutet. Für mich war es eine ganz klare Sache Nägel mit Köpfen zu machen. Ich hatte einfach keinen Bock bei Freunden und Verwandten darauf zu achten, nicht die vermeintlich richtigen Pronomen zu verwenden.

Außerdem habe ich schon damals das Gefühl gehabt, dass mein Schwulsein etwas wichtiges war, das zu mir selbst gehört. Und dieser Meinung bin ich noch immer. Allerdings hatte mein Coming-out leider nichts mit einem Freund zu tun.

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Die Reaktion von Maiks Vater auf seinen schwulen Sohn steht im völligen Gegensatz zu den meisten Vaterreaktionen, wie Du sie auch an Falks Vater deutlich schilderst. Generell ist die Empathiefähigkeit dieses Vaters gegenüber seinem Sohn Maik sehr erstaunlich. Soll das Hoffnung machen, dass es beim Coming-out des Lesers auch so kommen kann und war das ein Wunschgedanke Deinerseits oder ist Dir das selbst so passiert?

Im Nachhinein muss ich schon über diesen Charakter schmunzeln. Der Vater von Maik ist schon echt eine coole Schwarte. In der Tat ist es allerdings so, dass mein Vater ebenfalls sehr cool reagierte, als ich es ihm sagte. Man kann also durchaus sagen, dass es anderen Mut machen soll, denn im realen Leben gibt es durchaus Väter, die ziemlich gelassen mit einem schwulen Sohn umgehen können.

Natürlich ist dies leider nicht immer der Fall, aber man sollte ja nicht von vornherein vom Schlimmsten ausgehen sondern an das Beste in seinem Gegenüber glauben.

An mehreren Stellen bindest Du das Werk "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel in deinen Roman ein. Welche Rolle spielt dieses Buch für Dich?

Es ist mein absolutes Lieblingsbuch. Und eigentlich gar nicht mal, weil der Protagonist der Geschichte selbst schwul ist. Das ist quasi nur das Sahnehäubchen. Ich finde die Geschichte an sich einfach faszinierend und wunderschön. Insbesondere der Aspekt der "Ausgestoßenen", die sich durch den Kleinstadtdschungel kämpfen, hat es mir angetan.

Es ist wunderbar zu lesen, wie sie ihr Leben unter diesen Umständen meistern, sich durchs Leben kämpfen und meistens sogar Spaß dabei haben. Ich kann einfach verdammt viele Parallelen zu meinem eigenen Leben entdecken...

Hast Du schon ein nächstes Buchprojekt im Blickfeld?

Ja. Im Kopf schwirren mir eigentlich ständig Ideen für guten Stoff herum. Aber das geht wohl jedem Schreiberling so. Da wird es manchmal schwierig sich auf eine Sache zu konzentrieren. Zur Zeit arbeite ich an einem für mich sehr interessanten Projekt: einem Gay-Darkfantasy-Roman. Allzu viel möchte ich dazu noch nicht erzählen, aber so viel sei schon einmal verraten: Es geht um Werwölfe.

Viel Erfolg dabei!

Die Fragen stellte Alexander.

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