Leben um zu lieben

Redaktion Von Redaktion

Der Schock über den Tod seiner Familie hat Yannek stumm gemacht. Seitdem lebt er alleine und abgeschottet in seiner Wohnung, die er seit einem Vierteljahr nicht mehr verlassen hat. Dann lernt er Kevin kennen. Schafft er es, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen?

Der Schock über den Tod seiner Familie hat Yannek stumm gemacht. Seitdem lebt er alleine und abgeschottet in seiner Wohnung, die er seit einem Vierteljahr nicht mehr verlassen hat. Das Studium ruht, Freunde hat er keine mehr.

Aber dann wagt Yannek es. Endlich nach Wochen verlässt er zum ersten Mal seine Wohnung und dann auch noch, um sich mit einer ihm wildfremden Person zu treffen, deren Namen er noch nicht mal kennt. "Wenn ich noch etwas aus meinem Leben machen wollte, war an diesem Tag der richtige Zeitpunkt gekommen," denkt er sich. Ohne also zu wissen, wer sein Gegenüber eigentlich ist, geht er schlicht und einfach davon aus, dass es sich um eine Sie handelt. Im Café dem ausgemachten Treffpunkt bleibt er aber nicht lange. Paranoia, Minderwertigkeitskomplexe und Menschenscheu fallen dort über ihn her, er verlässt das Lokal fluchtartig. Am nächsten Tag erreicht ihn eine Nachricht seiner Internetbekanntschaft: sie entschuldigt sich für das Nichterscheinen und "outet" sich als Mann mit dem Namen Kevin. Die Ernüchterung auf Seiten Yanneks ist groß und wird noch größer, als er von Kevin im Chat erfährt, dass dieser schwul ist.

Dennoch hat dies den Auslöser gebracht: Yannek beginnt sein Leben langsam wieder auf die Beine zu stellen. Mit Kevin will er nicht wirklich was zu tun haben, aber seine Nachbarin eine ältere Dame, die für ihn die Einkäufe erledigte und somit sein einziger Kontakt zur Außenwelt in den letzten Monaten war mischt sich ein. Yannek und Kevin lernen sich kennen und Yannek verliebt sich. Eine Erkenntnis, die ihm in seiner Situation schwer fällt.

Aber ist das sicher Liebe oder nur Verzweiflung? Und hat er bei Kevin überhaupt eine Chance? Letztendlich hängt dieser noch an seinem Mitbewohner Kai, in den er schon lange verliebt ist. Doch der ist in einer Beziehung. Yanneks Sprachlosigkeit sorgt dabei auch immer wieder für Konflikte. Kann er seine Sprache wiederfinden und Kevin für sich gewinnen? Ein Anfang zumindest ist gemacht: Yanneks Leben gerät wieder zurück in seine Gleise.

M. Harts Ich-Erzählung ist emotional, mitreißend und mitfühlend, scheint sich aber gedanklich an einigen Stellen im Kreis zu drehen und zu wiederholen. Der innerliche Kampf Yanneks ist immer wieder derselbe. Dennoch nimmt das dem Buch nichts, sind doch Gedankengänge in solchen komplizierten Situationen wie Yanneks einem Teufelskreis ähnlich, der sich nur schwer durchbrechen lässt. Auch die zeitliche Spanne knapp drei Wochen ist glaubwürdig. Die Charaktere und der Ablauf der Geschichte sind lebensnah und realistisch. Sprachlich ist der Roman einfach gehalten, die Chatdarstellung und die E-Mails lockern den Text auf. Nur der Sex am Ende des Buches hätte auch kunstvoller dargestellt werden können. Insgesamt ein nettes Buch für ein, zwei Nachmittage zum Entspannen.

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