Paul, mein großer Bruder

Redaktion Von Redaktion

Paul war Jonas Bruder. War, denn Jonas wurde erst nach Pauls Todgeboren. Je älter Jonas wird desto präsenter wird sein Bruder, den ernie kannte. Die Neugier treibt ihn an und so forscht er nach, um Paulnäher kennenzulernen und macht dabei erstaunliche Entdeckungen.

Kann es sein, daß man eine Person meint zu kennen, daß eine Person im Traum zu einem spricht, daß eine Person zum Greifen nahe scheint, obwohl man diese Person nie kannte? Für Jonas ist sein großer Bruder Paul so jemand.

Paul war fünfzehn Jahre alt, als er auf tragische Weise ums Leben kam. Knapp siebzehn Monate später kam Jonas zur Welt. Seine Eltern machen aus Paul kein Geheimnis und so wächst Jonas im Bewußtsein auf, daß er einen Bruder gehabt hat. Als er älter wird, beginnt ihn Paul immer mehr zu interessieren. Durch Zufall findet er die alte Lederjacke seines großen Bruders auf dem Dachboden und darin einen Brief.

Langsames Puzzlespiel

Der Brief löst viele Fragen aus, Fragen, die Jonas nicht mehr loslassen. Wie Sherlock Holmes beginnt er ein Puzzle zusammenzusetzen, das bis in die Gegenwart reicht, denn Liebe stirbt nicht auch nicht unter Jungen.

"Paul, mein großer Bruder" ist ein einfühlsame und herzzerreißende Geschichte, in der ein grandioser Erzählstil seine Wirkung entfaltet. Jonas selbst erzählt seine Suche und damit Pauls Erlebnisse. Die eingebauten Träume, der Perspektivenwechsel und der überraschende Verlauf der Dinge tragen zum gleitenden Lesefluß in hohem Tempo bei. Dieses Werk berührt, macht unruhig und wühlt einen auf, vielleicht vor allem weil es wie aus dem Leben gegriffen erscheint, total real. William Blakes Zitat "Die Ewigkeit liebt alles, was die Zeit hervorbringt" bildet den Rahmen der Handlung und wirkt wie ein stiller Trost. In ihm wird auch die Geschichte auf den Punkt gebracht, die offen endet, aber durch diesen Satz den Leser nicht ratlos zurücklässt.

Gelungenes Erstwerk von Håkan Linquist

Håkan Linquist ist ein großer Erzählkünstler. Sein Buch "Paul, mein großer Bruder" erschien bereits 1993 in Schweden und war sein Erstwerk. Es wurde in mehrere Sprache übersetzt und in Frankreich mit dem Prix littéraire de la Bordelaise de Lunetterie ausgezeichnet. Zu recht! An dieser Stelle sei auch dem Übersetzer ein Lob ausgesprochen, denn auch eine gute Übersetzung ist Kunst. Seit 2008 liegt nun auch "Ein Traum vom Leben" von Håkan Linquist in deutscher Übersetzung vor (siehe dbna Rezension). Man darf auf die Übersetzungen seiner weiteren Werke gespannt sein.

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