Positiv

Redaktion Von Redaktion
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Balance Verlag

Wie lebt es sich mit dem Bewusstsein, einen todbringenden Virus in sich zu tragen? Wie gehen die Betroffenen damit um? Fünfzehn HIV-Infizierte erzählen von sich, ihrem Alltag und die Folgen der Diagnose "HIV-positiv".

Schon vorne weg: Niemand, der dieses Buch liest, lassen die Lebensgeschichten, die darin festgehalten sind, kalt. Fünfzehn HIV-Positive kommen ausführlich zu Wort und berichten über ihr Leben mit HIV und AIDS.

Erschütternde Erfahrungen

Es sind Erfahrungen, die den Leser erschüttern, sei es nun aufgrund der Infizierungsumstände, der Reaktion der Familie beziehungsweise des sozialen Umfelds oder gesamten Tragik. Doch gleichzeitig machen die Geschichten auch Mut.

Wer denkt, dass sich dieses Werk auf schwule Männer beschränkt, der täuscht sich. Es kommt auch ein wenig beachtete Minderheit zu Wort: vier Frauen, alle alleinstehend, die sich mit HIV infiziert haben. Darunter befinden sich zwei Mütter, die auch jeweils ein bei der Geburt infizierte Tochter großziehen. Die Betroffenen entstammen dabei den unterschiedlichsten sozialen Schichte, sind zwischen Ende Zwanzig und Siebzig und ihre Diagnose erhielten sie größtenteils erst einige wenige Jahre zuvor.

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Hintergrund und Perspektiven

Für die Gesamteinordnung sind sowohl das Hintergrundkapitel zu Beginn als auch der abschließende Teil "Perspektiven" wichtig. Der erste Abschnitt widmet sich den Themen: Verbreitung von HIV in Deutschland, Veränderung des öffentlichen Bildes der Krankheit, Wirkung der Medikamente und psychosozialen Belastungen der Krankheit.

Zum Schluss analysieren die drei Herausgeber und Psychologen, Dr. Phil C. Langer, Jochen Drewes und Dr. Angela Kühn, die Erfahrungsberichte. Dabei geht vor allem Drewes sehr neutral an die Bewältigungsstrategien ein. Langer beschreibt vier Wege, die Krankheit als "normal" in den Alltag zu integrieren und Kühner zeigt auf, welche Folgen durch die Diagnose "HIV-positiv" ausgelöst werden (können).

Vielschichtig und umfangreich

Ein kleines Glossar am Ende bereichert das Buch ebenso, trägt es doch zu mehr Klarheit über Infizierung und Behandlung bei. Als ebenso hilfreich ist der Anhang zu werten, der sich nicht nur auf Literaturhinweise beschränkt, sondern auch viele Beratungsdienste rundum HIV und AIDS aufführt.

Für jeden, der sich nicht nur ein aktuelles Bild über den derzeitigen Stand der Dinge machen möchte, sondern auch einen Einblick in das (Seelen-)Leben der HIV-Positiven haben möchte, dem sei dieses Werk durchaus empfohlen. Besser, vielschichtiger und umfangreicher geht es nicht.

Und wer sich für einen Kauf entscheidet, tut damit auch etwas Gutes: 1 Euro geht pro Buch an die Deutsche AIDS-Hilfe.

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