Ruf der Kraniche

Redaktion Von Redaktion

Europa steht in Flammen, Krieg überzieht die Lande und kommt am Endeauch über Ostpreußen, das sich bisher in Sicherheit wog. Nun muss derjunge Jan mit wenigen Getreuen fliehen, nachdem er schon seinen Freundund die erste Liebe Christian der Wehrmacht überlassen musste.

Geborgen in der elterlichen Obhut auf dem eigenen Gestüt wächst Jan in den Weiten Ostpreußens auf. Die Kinder der zum Hof gehörigen Familien sind seine Freunde: Christian und Jenny. Jan ist sensibel, romantisch und musisch veranlagt, sein Vater bezeichnet ihn als weich. Zudem hat er ein recht androgynes Äußeres: langes blondes Haar, feine Gesichtszüge, schmaler Körperbau. Er merkt aber auch bald, dass er noch weitaus anders ist als der Rest: Er hat sich in seinen besten Freund Christian verliebt, der ein Jahr älter ist und mit dem er aufgewachsen ist.

Und da sind noch die vier polnischen Zwangsarbeiter, zwei Mädchen und zwei Jungen, die auf den Hof kommen, um die aufgrund des Krieges gegen Frankreich fehlenden Arbeitskräfte auszugleichen.

Als Christian wegen des gerade begonnen Ostfeldzuges der Wehrmacht gegen die Sowjetunion ebenfalls eingezogen wird, bricht für Jan eine Welt zusammen. Jahre vergehen, ohne dass er Nachricht von Christian erhält. Adam, einer der polnischen Zwangsarbeiter, wird in dieser Zeit ein guter Freund Jans.

Doch dann steht der Russe auf einmal in Ostpreußen. Mitten im Winter muss Jan mit Jenny, ihrer Mutter Hanna, dem Hausknecht Kossmann und den beiden Polinnen Hals über Kopf fliehen. Ihre Flucht, während der sie nicht nur zahlreiche Entbehrungen auf sich nehmen müssen, sondern auf der sie auch unzählige Verbrechen oft am eigenen Leibe erleben, führt sie immer weiter nach Westen. Jan sieht sich auch gezwungen, sich als Mädchen namens "Jana" zu verkleiden, um nicht von der Wehrmacht wegen Fahnenflucht erschossen zu werden. Auf dieser Odyssee trifft Jan dann Christian wieder, der ihm seine Liebe gesteht, aber die Wiedersehensfreude ist nur von kurzer Dauer.

Auch Adam taucht wieder auf, mit wenig guten Nachrichten vom Hof der Familie. Er und Jan, der nun dauernd als "Jana" unterwegs ist, kommen sich nahe. Am Ende erreichen sie zu viert - "Jana", Adam, Jenny und Hanna ein Dorf in Brandenburg, in dem die Amis sitzen, und lassen sich in einem verlassenen Bauernhof nieder. Ein Neubeginn steht an und alles scheint gut, bis die Amis das Dorf räumen und den Sowjets übergeben, die einen neuen linientreuen Kommunisten als Bürgermeister einsetzen, der einen Blick auf die schöne "Jana" geworfen hat.

Svenson Björglund hat einen Roman über eine schwierige Zeit geschrieben, eine dunkle Zeit voller Umbrüche, Verbrechen und Not, die durch die Liebe zweier Jungen aufgehellt wird. Sieht man von einigen Schwächen des Buches ab unter anderem zeitliche Ungenauigkeiten und Umgereimtheiten, historische Unsicherheiten beim Autor sowie Verwendung falscher Begriffe ("Sieg des Kommunismus über den Bolschewismus" nach dem Sieg der Sowjetunion über das Dritte Reich) wurde hier ein Buch geschrieben, das kein Blatt vor den Mund nimmt und dem Leser die Probleme der Zeit, aber auch die Liebe zwischen den beiden Protagonisten näher bringt.

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