Schatten im Advent 2

Redaktion Von Redaktion

Leise öffnete sich die Tür. Dass dies keine Absicht war, merkte man an Hannahs resolutem Schritt hindurch.  Selbst ein Zuschmettern – hätte sie es in diesem Moment gewollt – erlaubte die Tür nicht. Die Technik verhinderte einen donnernden Auftritt.

Leise öffnete sich die Tür. Dass dies keine Absicht war, merkte man an Hannahs resolutem Schritt hindurch.  Selbst ein Zuschmettern hätte sie es in diesem Moment gewollt erlaubte die Tür nicht. Die Technik verhinderte einen donnernden Auftritt.

Hannah blickte sich um. Einmal mehr war sie erstaunt, wie wenig sich in den Monaten nach dem Tode ihres Mannes hier getan hatte. Nach den Vorfällen zwischen Vater und Sohn hätte sie gedacht, dass Sven mit dem Einzug in den ehemaligen Herrschaftsbereich seines Erzeugers groß ausmistet aber nichts dergleichen war geschehen. Sie hatte den Stolz und Unmut ihres Sohnes wohl überschätzt.

Ihre Augen wanderten durch den Raum, ihr Blick glitt über die wenigen metallenen Regale voll mit Akten, soweit diese nicht in den unzähligen Wandschränken verstaut waren. Fast schon verloren stand die kleine Glasvitrine mit den Trophäen des Vaters. Und wo theoretisch eine Stelle an der Wand noch frei gewesen wäre, hingen die sonstigen Auszeichnungen, neben- und übereinander.

Schließlich konzentrierte sich sie auf die Mitte des Büros, wo ein steril und monströs wirkender postmoderner Schreibtisch das Herrschaftszentrum bildete. Zwischen Bergen von Akten, Ordnern und losem Papier stand ein leise summender Laptop. Der Lichtschein des Monitors fiel auf ein friedlich schlafendes Gesicht.

dbna/chris

"Das ist ja wohl die Höhe!" schallte Hannahs Stimme durch den Raum. Sie bebte vor Empörung.
Sven fuhr erschrocken auf und versucht vergeblich sich den Schlaf aus den Augen zu reiben.
Mit einigen energischen Schritten überwand Hannah die letzten Meter zum Schreibtisch. Eine unglaubliche Wut kochte in ihr.

"Es ist noch nicht mal ganz 21 Uhr und der feine Herr ist sich zu schade zum Arbeiten?!? Für wen hältst du dich eigentlich?!? So etwas Faules ! Das habe ich ja noch nie gesehen! Was denkst du dir eigentlich?!? Denkst du eigentlich, du hättest überhaupt nichts zu tun?!? Und wo bleibt überhaupt dein Verantwortungsbewusstsein?!?"

Die Worte prasselten nur so auf Sven ein. Der sah seine Mutter während ihres Zornesausbruchs einfach nur irritiert an. So aufgebracht hat er sie quasi noch nie erlebt.

"Jetzt Mama" versucht er eine schwache Erwiderung anzubringen, als ihr Redeschwall für eine Sekunde abbrach.

"Nichts Jetzt Mama, junger Mann!" scholl es ihm erneut entgegen. "Was soll denn aus dir werden, wenn du über dem bisschen Arbeit nach ein paar Stündchen schon einschläfst?" Sie dramatisierte und untertrieb ganz bewusst. " Und vor allem: Was soll aus uns werden?!?"  Hannah wollte sich nicht beruhigen. Sven war kurz davor zu resignieren, als sie dann noch meinte: " Was wäre aus der Firma, ja aus uns allen geworden, wenn Dein Vater nicht sechzehn Stunden täglich auch sonntags geschafft hätte? An ihm solltest du dir ein Beispiel"

Weiter kam sie nicht.
Wie von der Tarantel gestochen sprang Sven von seinem Bürostuhl auf. Müdigkeit und Resignationsanzeichen waren wie weggeblasen. Seine Augen funkelten wutentbrannt, ja fast schon ein Feuer des Hasses loderte darin. Hannah erkannte, dass sie einen Fehler begangen hatte.

"Lass dieses Arschloch aus dem Spiel! Weißt du überhaupt noch, was er dir und mir angetan hat aus purer Eigensucht?!? Und jetzt komm mir nicht mit Es war doch nur der Familie wegen", äffte er ihre Stimme nach. "Pustekuchen! Es ging immer nur um sich selbst!"
Zornesröte war ihm ins Gesicht gestiegen, Hannah hielt den Atem an.
"Und überhaupt: Wenn dir meine Arbeitsweise nicht passt, dann lass ich es eben. Die Firma kann eben so gut verkauft werden. Und dann gehe ich!"

Hannah wurde blass. Sie meinte, der Boden unter ihren Füßen würde ihr entgleiten. Er sie verlassen, die Firma verkaufen? Nein, das durfte nicht geschehen. Genau das war ihre größte Angst, ihn erneut zu verlieren. Genau deswegen hatte sie ihn in den letzten Monaten immer mehr mit Arbeit eingedeckt. Nur so glaubte sie, ihn halten zu können, nur so blieb er doch bei ihr und nicht bei diesem komischen Typ, den er bei seiner Rückkehr mit angeschleppt hatte.

Nicht, dass sie persönlich etwas gegen Svens Freund Kevin hatte, aber er stand zwischen ihr und ihrem Sohn und das alleine zählte. Kevin, der sie ansonsten gar nicht interessierte, nahm ihr das Beste und Einzige, was sie je wirklich besessen hatte kein Vergleich zu dem Verhalten ihres Mannes, aber viel grundsätzlicher! Und wenn Sven sie verlasse, dann ginge er mit IHM. Nein, nein, nein!!! Das würde sie nicht zulassen. Sven gehörte zu ihr, sonst zu niemandem.

All das schoss ihr in Sekundenbruchteilen durch den Kopf. Hannahs Hass auf Kevin wuchs ins Unendliche und Tränen der Wut stiegen ihr in die Augen.
Sven, der die Tränen seiner Mutter fließen sah und sie für Trauer hielt, war geschockt. Er hatte sie doch nicht so sehr verletzen wollen. Seine Wut fiel wie ein Kartenhaus zusammen. Er eilte um den Tisch und schloss Hannah in seine Arme.

"So war das doch nicht gemeint, Mama. Es tut mir leid." Seine Stimme war belegt und Tränen stieg in ihm hoch. Doch er drückte sie zurück. Soviel Schwäche wollte er dann doch nicht zeigen.
Seine Mutter war dies egal. Er hatte nicht nur nachgegeben, sondern sie auch gewarnt, dass sie vorsichtig sein musste, und dafür war sie ihm in gewisser Weise sogar dankbar.  Ein falscher Schritt und sie würde Sven verlieren. Doch das, das schwor sie sich in diesem Moment innerlich, würde nie passieren. Jetzt musste sie nur noch diesen Kevin los werden. Sie hatte auch schon eine Idee.
Sie löste sich von Sven und schaute ihm in die Augen.

"Es tut mir leid. Du hast recht", log Hannah. Du hast geschuftet wie ein Tier ohne jede Erholung. Lass uns morgen und den Anfang der Wiche frei nehmen und zu zweit in unser Ferienhaus fahren, nur du und ich."

Sven blickte sie irritiert an, schaute dann auf dem unter der Papierlast ächzenden Schreibtisch und sah seine Mutter schließlich wieder an.
"Aber die Arbeit?" versuchte er zu entgegnen.

"Papperlapapp", unterbrach Hannah ihn einmal mehr. "Die kann jetzt auch mal warten. Außerdem hast du gute Angestellte, die das schon mal zwei Werktage auffangen." Sie sagte ihm nicht, dass ein sehr großer Teil des Papierkrams auf ihrem Mist gewachsen war, um ihn unter ihren Fittichen zu behalten. In der kurzen Zeit hatte er Gottseidank sich noch nicht den Durchblick verschaffen können, als dass er ihre Methode bemerkt hätte.

"Bist du dir sicher, Mama?" Er zweifelte an ihrem Vorschlag und blieb skeptisch, vor allem wegen ihres abrupten Sinneswandels.

"Natürlich bin ich mir sicher. Du hinterlässt einfach die entsprechenden Anweisungen, zudem kannst du morgens ja immer per Festnetz anrufen und dich erkundigen, ob alles beim rechten ist. Am Mittwoch wirst du sehen, dass alles einwandfrei funktioniert haben wird."

 "Aber was ist mit Kevin? Ich lasse ihn ungern alleine."
"Die drei Tage hält er auch mal ohne dich aus. Schreib ihm eine kurze Nachricht, dass du mit mir bis Dienstag Abend weg bist. Ich lege sie ihm hin, packe deine Sache und du schreibst in der Zeit die Arbeitsanweisungen für die kommenden Tage, in Ordnung?"
"Meinst du, das ist richtig so?"
"Aber natürlich, wieso nicht? Was ist so verwerflich dran, wenn Mutter und Sohn einmal zusammen drei Tage wegfahren?"

Sie hatte ihn mit ihrem Vorschlag vollkommen überrumpelt und sein schlechtes Gewissen, sie so angefahren zu haben, drückte ihn so sehr, dass er nachgab.
"In Ordnung", seufzte er, "wir machen es so."
Mit flinker Hand schrieb er Kevin ein paar Zeilen, entschuldigte sich für seine Abwesenheit und versuchte sich zu erklären. Zudem setzte er die Nummer des Ferienhauses hinzu, damit Kevin ihn anrufen konnte, war doch mit Handyempfang  dort bis heute nicht zu rechnen. Als er die Unterschrift setzte, merkte er gerade noch, dass er die drei magischen Worte vergessen hatte. Schnell trug er sie nach, faltete das Blatt einmal und übergab es Hannah. Sven war sich sicher, dass Kevin es nach seiner Rückkehr vom Bahnhof finden würde.

dbna/chris

"Leg es ihm bitte auf sein Kopfkissen."
"Ja, mache ich. Ich hole dich dann in einer dreiviertel Stunde mit dem Auto vor dem Gebäude ab. Genügt dir die Zeit?"
"Natürlich." Er küsste sie auf die Wange und sie verschwand durch die Tür.

Sven ließ sich mit einem Seufzer in seinen Stuhl fallen. Damit hatte er nicht gerechnet. Nun musste er noch schnell Anweisungen schreiben. Seine Gedanken rotierten. Als er gerade Zettel und Stift ergreifen wollte, fiel ihm etwas wichtiges ein. Er zog seinen Schlüsselbund aus der Hosentasche hervor und kontrollierte die Schlösser seines Schreibtisches, dass auch ja alle Fächer verschlossen waren. Besonders die unterste Schublade rechts von ihm kontrollierte er sehr sorgfältig. Er öffnete sie auch gesondert, um zu überprüfen, ob auch der doppelte Boden gesichert und der Inhalt noch vollständig war. Ein kurzer Blick hinein auf die Waffe seines Vaters genügte ihm. Das Ding war ihm unheimlich, aber los werden konnte er es so einfach auch nicht. Daher sollte es an Ort und Stelle bleiben.  Er verschloss den doppelten Boden wieder sorgfältig und schloss alles ab.
Etwas erleichtert wagte er sich nun mit klarerem Kopf an die Anweisungen.

Nachdem Hannah das Treppenhaus durchquert und den Gebäudekomplex verlassen hatte, wandte sie sich Richtung Haus. Es waren nur wenige Gehminuten zurückzulegen.

Als Hannah wusste, dass sie vom Büro aus nicht mehr gesehen werden konnte, hielt sie an. Sie zog ein Feuerzeug aus ihrer Handtasche und entzündete es. Svens Nachricht an Kevin hielt sie an die kleine Flamme, die sich trotz der  eisigen Temperaturen emsig nach oben fraß. Als das Feuer einen Großteil des Papiers erfasst hatte, ließ sie es fallen. Am Boden angekommen, dauerte es nur noch Sekunden, bis das Feuer die Nachricht komplett zur Asche verarbeitet hatte. Als schließlich auch der letzte Funke erloschen und nur noch Asche übrig war, verteilte Hannah letztere mit den Schuhen möglichst  gleichmäßig, so dass nichts mehr zu erkennen war. Raschen Schrittes ging sie dann weiter. Sie hoffte, dass Kevin nicht in der Wohnung war. Sie wusste nicht, woher sie diese Hoffnung nahm, denn wohin sollte er ohne Sven?

Doch sie hatte tatsächlich Glück. Das Haus, das sich vor ihr wie ein schwarzer Koloss aufzubauen begann, war komplett dunkel. Kein Licht leuchtete, auch nicht in Svens und Kevins Teil des Hauses.

Der Zweitschlüssel ebnete ihr den Rest des Weges. Im Schlafzimmer angekommen, nahm sie die Reisetasche ihres Sohnes und packte sie randvoll. Das war mehr als Sven für die drei Tage überhaupt gebrauchen konnte. Das war ihr klar, aber das wollte Hannah auch so. Am Ende war fast der halbe Schrank leer.

Als ihr Werk vollendet war, trug sie die Tasche mühselig bis zur Garage und verlud sie dort ins Auto. Jetzt waren nur noch ihre eigenen Sachen zu packen, eine Kleinigkeit, die mit ein paar Handgriffen, die eine gewisse Routine verrieten, erledigt war. Als ihre Tasche schließlich verstaut war, blickte sie auf die Uhr. Gerade mal eine halbe Stunde war vergangen. Zufrieden mit sich selbst, griff sie in ihre Handtasche. Ein Päckchen Zigaretten wanderte in ihre Hand und daraus eine Kippe zwischen ihre Finger. Geruhsam zündete sie sich die Zigarette an und zog genussvoll an ihr.

Schließlich hatte sie fertig geraucht, trat den noch glimmenden Rest, den sie zu Boden geworfen hatte, mit der Hacke aus und stieg in ihr Auto.
Vierzig Minuten nachdem sie Sven verlassen hatte, stand sie mit dem Auto vor dem Bürokomplex. Im selben Moment trat Sven aus dem Gebäude und verschloss die Tür von außen. Er hatte nichts außer einem Wintermantel bei sich. Selbst gefällig über diese Beobachtung lächelte Hannah in sich hinein.

Ein paar Sekunden später saß er schon neben ihr auf dem Beifahrersitz.
"Entspann dich, mein Schatz, es ist für alles gesorgt", sprach sie beruhigend auf ihn ein.
"Danke", erwiderte er bloß. Schon fuhren sie los und es dauerte nur wenige Minuten bis das monotone Summe des Motors ihn in den Schlaf gewiegt hatte.

Zeitgleich zu diesen Ereignissen stand Kevin mit seiner besten Freundin Julie am Bahnhof. Der letzte Zug gen Heimat würde bald fahren.

"Danke, dass du da warst. Es war eine sehr schöne Zeit mit dir, die mir wirklich sehr gut getan hat. Vor allem war es erleichternd, dass ich mir endlich mal alles von der Seele reden konnte."

Julie grinste.
"Weißt Du, Kleiner, ich hatte im Gespür, dass du mich brauchen könntest. Und würde es alleine nach mir gehen, bliebe ich noch länger. Aber du weißt ja: diese verdammten Pflichten." Sie schnitt eine Grimasse, als müsste sie sich übergeben.

"Das wäre zwar schön, aber ich denke, es ist jetzt nicht mehr nötig, denke ich. Ich schaffe das jetzt schon. Morgen spreche ich mich mit Sven aus und werde ihm alles sagen, was ich dir schon gesagt habe. Es ist mir selbst wichtig, ich muss mit ihm reden. Ich halte das so nicht mehr länger aus." Er drückte sie an sich. "Nochmals danke", flüsterte er ins Ohr.

"Nicht dafür. Nimm wirklich kein Blatt vor den Mund. Und morgen habt ihr ja endlich die Zeit."
"Ja, sonntags arbeitete er gottseidank nicht."
"Ich hoffe es, dass er es auch dieses Mal sein lässt."
"Musst du immer so pessimistisch sein, Julie?"
"Realistisch, mein Freund, realistisch", zwinkerte sie ihm zu. "Aber im Ernst: Erwarte das Schlimmste und hoffe das Beste. Damit bin ich selbst immer sehr gut gefahren."

Kevin seufzte. Da kündigte auch schon eine Durchsage das Einfahren des Zuges an.
"Also mein Kleiner, lass dich nochmal drücken."
Während sich Julie und Kevin umarmten, rollte der Zug ein und hielt neben ihnen.

"Komm gut heim und grüß mir meine Eltern", verabschiedet sich Kevin, als Julie einstieg.
In der Tür drehte sie sich nochmal um.
"Werde ich mache. Und du komm sicher heim. Schaffst du das auch?" fragte sie mit einem gespielt bekümmerten Blick.
"Ja, natürlich, Mama", antwortete Kevin lachend und streckte ihr die Zunge raus.

dbna/chris

In dem Moment ertönte der Pfiff des Schaffners. Die Türen schlossen sich und der Zug rollte langsam los. Kevin wich zurück, blieb aber am Gleis und winkte bis nur noch die roten Rückleuchten von weitem zu erkennen waren. Dann machte er sich auf den Rückweg.

Auf den paar Kilometern grübelte er, wie er das Gespräch mit Sven am nächsten Tag einleiten sollte. Es war doch noch schwierig, die richtigen Worte am Anfang zu finden, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen.
Als er schließlich daheim angekommen war, war er zwar total durchgefroren, aber gedanklich der Lösung keinen Schritt näher gekommen.

Die wollige Wärme schlug ihm beim Eintreten entgegen und löste unmittelbar ein starkes Müdigkeitsgefühl aus. Er musste gähnen. Der Weg hin und zurück zum Bahnhof, die Kälte und das ständige Nachdenken hatten ihn erschöpft. Er beschloss frühzeitig ins Bett zu gehen. Der nächste Tag würde mehr bringen. Auf direktem Wege ging er ins Schlafzimmer, zog sich aus und ließ sich ins Bett fallen. Kaum hatte er die Decke über sich geschlagen, zog der Schlaf ihn auch schon in sein dunkles Gefilde herunter.

Nach einem langen, tiefen und erholsamen Schlaf erwachte Kevin am nächsten Morgen. So wie er es sonntags doch irgendwie gewohnt war wollte er mit seinem Freund kuscheln. Doch das blinde Tasten nach Svens warmen Körper blieb erfolglos: Kevin griff nur ins Leere. Kevin schlug die Augen auf und blickte auf eine komplett unberührte Seite. Sven hatte nicht neben ihm geschlafen. Ruckartig richtete er sich auf und blickte um sich. Das Schlafzimmer war komplett unverändert zum Vorabend.

Er schwang sich aus dem Bett und ging die komplette Wohnung ab. Nirgends eine Spur von Sven. Kevin war erst nur irritiert und beschloss eine heiße Dusche zu nehmen.

Erfrischt und mit etwas klarerem Kopf kehrte er aus dem Bad zurück. Er griff zu seinem Handy, um Sven anzurufen. Doch ein Freizeichen wollte nicht ertönen.  Stattdessen wurde ihm mitgeteilt, dass Sven vorübergehend nicht erreichbar sei. Kevin runzelte die Stirn und schüttelte verwirrt den Kopf. Was war das? Er konnte sich das nicht erklären.

Im Schlafzimmer wollte er sich erst einmal ankleiden. Als er die Schranktür öffnete, erschrak er fürchterlich. Svens Hälfte war fast komplett ausgeräumt.
Eine Schockstarre erfasste ihn. Sven war spurlos verschwunden, seine Sachen weg, er war alleine. Keine Nachricht für ihn, Sven nicht erreichbar. Sven hatte ihn alleine gelassen in dieser feindlichem Umgebung, in der nicht mehr sein wollte. Sein Denken setzte aus.

Als er sich seiner selbst wieder bewusst wurde, saß er am Küchentisch. Es war dunkel. Nur zwei Kerzen des Adventskranzes vor ihm brannten. Er hatte sie wohl selbst vor kurzem erst angezündet. Er überlegte, was geschehen war.

Ach ja, es war ja Sonntag, der zweite Advent, kam es ihm in den Sinn. Er wollte mit Sven reden. Sven Sven Wo war Sven?!? Die erneute Erkenntnis traf ihn noch härter. Er fuhr auf, schrie, griff nach der zweiten Kerze, riss sie so ruckartig aus dem Kranz, dass sie erlosch und schmetterte sie mit einem lauten Schrei auf den Boden. Tausende Wachsbrocken flogen, flüssiges Wachs spritzte.

Als wäre mit diesem Schrei und dem Wurf jede Kraft aus ihm gewichen, brach Kevin zusammen.

Fortsetzung Teil 3»

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