Slalom

Redaktion Von Redaktion
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Wie nah liegen Glück und Unglück beieinander? Sabine Huttel stellt in sieben Geschichten dar, dass die Distanz zwischen den Extremen zeitlich gar nicht so groß sein muss.

Nikos hält vor seiner kompletten Familie sein Schwulsein geheim, aber seit er von daheim ausgezogen ist, ist er frei. Ein Anruf langt, um sein neues Leben in absurde Gefahr zu bringen. Jonas hat sich in den Klavierspieler Desiderio verliebt.

Doch um sein Ansehen und seinen Ruf zu schützen, ist er mit der hübschen Gesa zusammen. Seine Zuneigung zu Desiderio, über den er ständig träumt drängt sie in den Hintergrund, ihm liegt nicht viel an ihr. Sie beginnt Verdacht zu schöpfen, hat er sich verraten?

Alltägliche Situationen

Der schwule Winni ist in die Jahre gekommen. Ein Besuch Axels bei ihm und seinem Freund Richard weckt alte Erinnerung, bei denen für mehr als einen kein Platz ist. Und Stefan ist das erste Mal verliebt, outet sich bei seiner Mutter um nach einem ersten Treffen mit seinem geliebten Zdenek zusammengeschlagen zu werden.

Das sind jetzt nur vier von insgesamt sieben Geschichten, welche die Lehrerin Sabine Huttel in "Slalom" zu erzählen hat. Jede Geschichte ist für sich genommen in diesem (leider) schmalen Bändchen einzigartig. Inhaltlich stellen sie ganz unterschiedliche Schicksale von Schwulen dar: alt, jung, ungeoutet, frisch geoutet, dargestellt durch Dritte oder auch in Ich-Form.

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Tragik und Dramatik

Wer sich den Inhalt der Texte vor Augen führt, merkt schnell, dass "die Szene" mit ihrem Glimmer und ständigem Aufgedrehtsein nur ein Vorhang ist, hinter deren Fassade sich Handlungen abspielen, die alles andere als berauschend sind.

(Ungewollter) Terror durch Eltern, Intoleranz der Umgebung, die eigene Oberflächlichkeit und Egozentrik, die dann zu Einsamkeit führen . Und jede Geschichte ist für sich mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger tragisch, ja auch dramatisch, aber alle sind sie viel zu alltäglich auch wenn man das ungerne wahr haben will.

Unschätzbares Glück

Sabine Huttel, Jahrgang 1951, schafft es auch gerade durch unterschiedliche Erzählperspektiven, den Leser für sich zu gewinnen. Ihre Lebenserfahrung, ihre Erfahrung im Umgang mit Texten spiegelt sich in den Geschichten wider. Die Texte sind nicht zu lang, vielleicht eher mal ein Stück zu kurz, aber sie bewegen alle durch die Bank.

Es wird deutlich: Glück ist ein unschätzbarer Wert und ist verdammt zerbrechlich. Zerbricht es, ist der Sturz tief, schmerzhaft. Kein Schicksal lässt den Leser unberührt, eine tolle Leistung!

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