Sommer der Verführung

Redaktion Von Redaktion

Benjamin studiert Musik an der Musikhochschule Rostock. Seine letzten Semesterferien will er nutzen, um noch richtig was zu erleben und Spaß zu haben. Das Vergnügen kommt in dieser Zeit definitiv nicht zu kurz.

Benjamin studiert Musik an der Musikhochschule Rostock. Seine letzten Semesterferien will er nutzen, um noch richtig was zu erleben und Spaß zu haben. Das Vergnügen kommt in dieser Zeit definitiv nicht zu kurz. So trifft er auf den jungen Zeitungsausträger Sven, auf Bernd, der schon einige Lebenserfahrung vorweisen kann, seinen Ex-Freund Claus und den Musikerkollegen Olli, mit dem er auf einer Konzerttournee eine kurze Beziehung anfängt.

Aber so verrät uns auch der Klappentext "sie alle sind nur das Vorspiel für die große Liebe zu Adonis. Auf Lanzarote lernt er schließlich diesen netten Kunststudenten Alex kennen und hofft, dass der sein Wort hält und ihn in München bei den Eltern besuchen kommt."

Der Untertitel "ein homoerotischer Roman" weist schon darauf, daß die Betterlebnisse nicht zu kurz kommen, der Buchrücken erweckt aber doch Hoffnung, mehr Tiefgründigkeit auf 142 Seiten zu finden. So ist ja von der "großen Liebe" die Rede und davon, dass Benjamin mit Olli "Höhen und Tiefen einer Beziehung" ausleben soll.

Wir schlagen die erste Textseite auf und beginnen zu lesen. Im zweiten Satz steht dann da: "Für Philipp waren es die letzten [Sommerferien]..." Moment. Halt mal! Philipp? Stand da nicht gerade noch Benjamin auf der Rückseite des Buches? Ein kurzes Umdrehen des Buches bestätigt es. Das lässt einen nur unweigerlich den Kopf schütteln. Können wir nur hoffen, dass wenigstens der Rest des Buches mit dem Klappentext übereinstimmt.

Diese Hoffnung wird aber radikal enttäuscht. So bleibt die Geschichte selbst da, wo sie ergreifender werden könnte, oberflächlich, die Charakteren erhalten keine wirkliche Form, vor allem die Hauptperson bleibt unscharf und handelt anscheinend nur aus reinem Hedonismus heraus, der im scharfen Kontrast zu der angekündigten "großen Liebe" steht. Allein die Person Ollis bringt ein wenig mehr Emotion und etwas mehr Realitätsnähe in das Geschehen.

Zudem strotzt der Roman von inhaltlichen Fehlern, die einem das bisschen Lesefreude, das einem geblieben ist, auch noch verdirbt. So ist sich der Autor Benjamin B. Morgner im Übrigen ein Pseudonym nicht schlüssig, ob seine Hauptfigur Philipp nun Student in den letzten Semesterferien ist, der noch ein Semester zu studieren hat, oder ob er schon kurz vor der Arbeitsaufnahme bzw. -suche steht. Auch der familiäre Hintergrund und die Jugend Philipp, die immer wieder kurz angerissen werden, bleiben unscharf und ungenau. Von dem Ende, dass Alex ihn in München bei den Eltern besuchen soll, ist in dem Roman nicht die Rede. Vielmehr wird geschildert, wie Philipp sich eine Zukunft mit Alex in Rostock ausmalt, wobei er ja nach dem vorher Erzähltem doch nicht mal weiß, wo er arbeiten oder nach dem vielleicht doch nicht abgeschlossenen Studium hingehen wird. Aber ein größeres Bett will er sich dennoch für Alex anschaffen, soviel steht fest.

Legt man am Ende das Buch zur Seite, ärgert man sich schon ein wenig, dass man für so etwas Geld ausgegeben hat, denn ausführliche Bettszenen können doch nicht alles sein, die kriegt man an anderer Stelle kostenlos. Vor allem ist es einem unbegreiflich, wie man auf so wenig Papier so viele Widersprüche einbauen kann, die anscheinend weder dem Autor noch dem Lektor aufgefallen sind. Der nächste Kauf eines Romans aus der Feder von Benjamin B. Morgners will mehr als gut überlegt sein.

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Weitere Quellen: Himmelstürmer Verlag