Troja – Kampf und Liebe

Redaktion Von Redaktion

Schlachten wurden in der Menschheitsgeschichte viele geschlagen, aberkein Krieg hat sich über Jahrtausende so tief in das Bewusstseingegraben wie der um Troja. Alexandros Chakiris schmückt dieseGeschichte mit schwulen Anekdoten aus.

Der große Krieg um Troja soll vor mehr als 3000 Jahren stattgefunden haben. Spätestens seit der Verfilmung von Wolfgang Petersen mit den Frauen- und Männerschwärmen Brad Pitt und Orlando Bloom ist das älteste Literaturwerk des Abendlandes - die Ilias von Homer - einem Millionenpublikum bekannt. Auch den Autor Alexandros Chakiris beschäftigte dieses Epos und er erschuf einige ergänzende homoerotische Erzählungen.

Die Erzählung beginnt mit der Begegnung des trojanischen Thronfolgers Hektors mit einem Jüngling namens Alexandros. Der ältere Prinz verführt den fünfzehnjährigen Hirtenjungen, nur um am nächsten Morgen erfahren zu müssen, dass es sich bei dem Jugendlichen um seinen einst ausgesetzten Bruder Paris handelt. Dieser wurde als Säugling kurz nach seiner Geburt von seiner Familie in der Wildnis ausgesetzt. Seine Schwester Kassandra verfiel nämlich dem Wahnsinn und prophezeite, dass Paris den Untergang Trojas bewirken würde.

Weil es nach dem "göttlichen Gebot" der Trojaner als Gottesfrevel gilt, wenn "Bruder mit Bruder blutschänderisch das Lager teilt", gibt Alexandros Chakiris der Geschichte des trojanischen Krieges eine neue Wendung: In der ursprünglichen Erzählung beschwört Paris den Untergang Trojas herauf, weil er dem mykenischen König Agamemnon seine Frau Helena raubt. Bei Chakiris ist es Hektor, der die Rache der Götter herausfordert, weil er seinen eigenen Bruder verführt.

Achilles und Patroklos intim

Das zweite Kapitel handelt von der Liebe des Kämpfers Achilles und seines Jugendfreund Patroklos. Auch hier kommt der Autor nicht ohne sexuelle Handlung aus. Beide Männer sehen sich nach langer Zeit wieder und feiern die "heilige Hochzeit" am Strand und gestehen sich gegenseitig ihre Liebe, auch wenn Achilles mit einer Frau verheiratet ist. Dennoch tut dies anscheinend seiner schon ewig dauernden Liebe zu seinem Jugendgefährten keinen Abbruch.

"Die erste Schlacht" lautet der nächste Abschnitt und dreht sich um das Verhältnis von Odysseus, dem König von Ithaka, und Diomedes, dem König von Argos. Letzterer wird in der Schlacht verletzt und so ist sein Freund Odysseus tief besorgt wie sich herausstellt allerdings zu unrecht, hat Diomedes doch nur eine Beule davon getragen. Das Überleben feiern die beiden mit Wein und kommen sich dabei sexuell näher. Sie trinken so viel Wein, daß Odysseus sich hinterher an die Zärtlichkeiten zwischen ihm und Diomedes nicht mehr erinnern kann.

Auf die weiteren Abschnitte soll jetzt hier nicht eingegangen werden, haben sie doch eigentlich alle den gleichen Hintergrund: in der Not finden sich zwei (neue) Freunde eventuell sogar zwei eigentliche Feinde und werden sexuell miteinander aktiv. Dabei kann auch der Tod gegebenenfalls nicht halt vor einem der beiden Liebenden machen.

Insgesamt ist dieser geschichtlich andere Erotikroman höchst gewöhnungsbedürftig. Die Sprache ist schwulstig bis schleimig, wohl um historische Authentizität vorgeben oder an die ursprüngliche Geschichte um Troja, die Ilias, anknüpfen zu können. Begriffe wie "Phallos" und die "heilige Hochzeit" machen das Lesen teilweise unerträglich und die Erzählung unglaubwürdig. Hätte Alexandros Chakiris einen sprachlich modernen Geschichtsroman geschrieben, wäre vielleicht einiges zu retten gewesen. So bleiben aber nur die überladenen sexuellen Abenteuer der Krieger, die sich nach Zärtlichkeiten sehnen und statt auf Frauen auf den Kampfgefährten oder auch Gegner zurückgreifen.

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Weitere Quellen: Himmelstürmer