Überall auf der Welt

Redaktion Von Redaktion

Lutz van Dijk, promoviert und mit Literaturpreisen ausgezeichnet, hat in "Überall auf der Welt" die Coming-Out-Geschichten von Männern und Frauen unterschiedlichster Herkunft zusammengestellt.

Lutz van Dijk, promoviert und mit Literaturpreisen ausgezeichnet, hat in "Überall auf der Welt" die Coming-Out-Geschichten von Männern und Frauen unterschiedlichster Herkunft zusammengestellt.
Eingeleitet wird die Sammlung von Berichten durch ein Vorwort von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, welche in der Vergangenheit immer wieder Folter und Verfolgung Homosexueller überall auf der Welt aufgedeckt und angeprangert hat.
Es wechseln sich Erzählungen von jungen Frauen und Männern ab, die in einer homophoben Umgebung um ihre Anerkennung und gar ums nackte Überleben kämpfen müssen.

Da ist zum Beispiel Cecil aus Soweto, Südafrika, der ein Verhältnis zu seinem Lehrer hat. Später auf dem Internat wird er auf Grund seiner Sportlichkeit von den anderen Jungs anfangs zwar respektiert, aber später durch seine Unerfahrenheit mit Mädchen niedergemacht. Um sich den Respekt wiederzugewinnen geht er eine Beziehung mit eine wunderhübschen Mädchen ein. Übers Küssen und Schmusen kommen die beiden jedoch nicht hinaus. Um den Schein zu erhalten spielen sie den anderen vor, dass sie den schärfsten Sex hätten. So verschwinden sie zum Beispiel im Gebüsch und amen die entsprechenden Geräusche - für jeden hörbar - nach. Doch dann hat Cecil den ersten Sex mit einem Jungen. Als er sich bei seiner Freundin outen will, kommt ihm diese zuvor: Sie eröffnet ihm, dass sie lesbisch sei.

Cecil ist stolz auf seine Ex-Freundin, die wenig später zur Miss Soweto gewählt wird.

Er selbst nimmt allen Mut auf und geht als Farbiger an eine Universität, die ausschließlich weiß und für ihren Rassismus bekannt ist. Dort gründet er die erste Schwulengruppe der Uni.

Immer mehr engagiert er sich für die Rechte der Lesben und Schwulen. Sein Engagement ermöglich ihm Nelson Mandela persönlich kennen und schätzen zu lernen. Sein Coming-Out hat er schließlich im Fernsehen, welches über seine Wahl zum Präsidenten der schwul-lesbischen Organisation GLOW berichtet. Die Reaktion der Menschen auf den Straßen ist überwältigend: Viele Leute grüßen und gratulieren ihm. Er erhält sogar die Gelegenheit in seiner baptistischen Kirche eine Rede zu halten. Auch hier erfährt er große Anerkennung und Zustimmung. Nur seine Familie ist anfangs enttäuscht von seiner Neigung nicht persönlich, sondern via Fernseher, erfahren zu haben. Letztendlich sagen sie ihm aber auch ihre volle Unterstützung zu.

Jedoch nicht alle der Geschichten aus Russland, Surinam, Kroatien, Marokko, China, Indonesien, Iran, Israel, Panama und Uruguay, verlaufen so positiv. So werden andere Erzähler auf Grund ihrer Sexualität bis zur Bewusstlosigkeit misshandelt oder müssen damit rechnen von den eigenen Familienmitgliedern umgebracht zu werden. Am Ende berichtet van Dijk von der Situation in Deutschland, wobei er Briefe, unter anderem auch einen sehr erschütternden Brief eines 22-Jährigen, zitiert.

Da es sich bei den Erzählungen eher um Berichte handelt, ist die Sprache teils sehr sachlich gehalten. Nichtsdestotrotz ist es spannend das Buch zu lesen, da sich alles wirklich so zugetragen hat.
Teilweise ist es für einen "normalen Schwulen" schwer sich mit den Charakteren zu identifizieren, da fast alle Erzähler sehr begabt sind und Außergewöhnliches vollbringen.

Aber gerade durch ihre Willensstärke und ihren Mut werden sie zu Vorbildern und geben jedem Leser Mut und Hoffnung.
Während der Berichte erfährt man viel über die Kultur und Geschichte des jeweiligen Landes. Persönlich fand ich die lesbischen Coming-Out-Berichte auch sehr interessant. Es wird schnell deutlich, dass homosexuelle Frauen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, wie ihre männlichen Kollegen.

Die Brisanz der Berichte wird dadurch deutlich, dass die Autoren teilweise ihren Nachnamen oder Namen anderer nicht nennen können, um sich selbst und Freunde zu schützen. Tatsachen, wie dass es im Iran bis heute offiziell die Todesstrafe für Homosexualität gibt, erschüttern und regen zur Reflexion an.

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