Warum Schwule mehr Stil haben

Redaktion Von Redaktion

Können Heterosexuelle etwas von uns Schwulen lernen? "Klar!" sagtAdrian Wilde und führt 33 Geheimnisse auf, wo und weshalb das möglichist. Und auch als Schwuler kann man über sich, seine "Artgenossen" unddie Szene noch eine ganze Menge lernen – Lachen ist dabei garantiert!

Bei so manchem Buchtitel muß man schon ohne den Inhalt zu kennen mit den Augen rollen. "Warum Schwule mehr Stil haben" gehört auch für den ein oder anderen Schwulen sicherlich zu dieser Literaturgattung. Doch wie sagt eine englische Phrase so schön: "Don't judge a book by its cover!" Und tatsachlich: das Buch überrascht positiv.

Natürlich: das Buch tritt Klischees breit, wie es nicht stärker gehen könnte: vom Fitnesswahn ("Weil sie mehr Wert auf Fitness und Waschbrettbauch legen", Geheimnis 5)  über die schwulen Fans, die "Madonna groß gemacht haben" (Geheimnis 9), die homosexuellen Modemacher ("Weil die meisten Modemacher schwul sind" (Geheimnis 16) und die besten Freundinnen ("Weil sie für ihre besten Freundinnen die besseren Frauenversteher sind", Geheimnis 19) bis hin zu "Weil sie mehr und manchmal sogar besseren Sex haben" (Geheimnis 12) sowie "Weil sie sich über Pornos unterhalten können, ohne rot zu werden" (Geheimnis 33).

Alle über einen Kamm...

Und doch, auch wenn Adrian Wilde uns erstmal alle über einen Kamm (oder besser gesagt: 33 Kämme) schert, so sind Lacher in jedem Kapitel möglich, entweder weil der Autor mal wieder sich selbst karrikiert, weil er den Nagel auf den Kopf trifft, oder weil man doch gemerkt hat, wie sehr das ein oder andere Klischee auf einen selbst paßt und das dann mit Eigenhumor quittiert wird. Und letztendlich räumt Wilde am Ende dann doch ein: Alles halb so wild, es wurde übertrieben. Denn: "Schwule kommen in allen Farben, Formen und Größen daher."

Dennoch kann er sich hier ein "Aber" nicht verkneifen: So scheinen die Schwulen ihm "ein bisschen kultivierter, ein bisschen feinsinniger, ein bisschen sensibler [...] im Großen und Ganzen und im Schnitt vielfach doch zu sein." Aus dem Dasein als Minderheit, als die wir uns erlebten, oftmals noch als ausgegrenzte, entstünde ein Gespür für Zwischentöne, begründet der Autor. Und wenn die Gleichberechtigung käme, vielleicht sei es dann "vorbei mit der ganzen schwulen Herrlichkeit".

Mehr Toleranz!

Allerdings soll man neben der Humoristik Wildes nicht auch ein ernstes Anliegen übersehen, das immer wieder zwischen den Zeilen hervortritt: mehr Toleranz! Dies fordert er nicht allein von den Heterosexuellen, die als (angebliche?) Zielgruppe am Ende jedes Geheimnisses angesprochen werden, sondern auch von uns selbst z.B. beim Thema Tunten und Drag Queens (Geheimnis 13). Man sollte sich das ruhig mal durch den Kopf gehen lassen.

Wer (als Schwuler) am Ende des Buches doch nicht gelacht hat, dem sei gesagt: Lies Geheimnis 29 nochmal, denk darüber nach. Und: Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Alle anderen haben hoffentlich viel Spaß beim Lesen gehabt und vielleicht sogar noch etwas gelernt. Noch ein Tipp: Als Geschenk für einen heterosexuellen Freund oder Bekannten eignet sich das Buch auf jeden Fall nicht nur als Berater, sondern auch um gegebenenfalls ein wenig damit zu provozieren.

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