Wintermond & Sommermond

Redaktion Von Redaktion
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Illegales Glücksspiel, Schulden bei der Poker-Mafia, ein Kumpel, der vor Einbruch und Totschlag nicht zurückschreckt – Alex steckt bis zum Hals in der Scheiße. Und dann wohnt auch noch Ben, der schwule Praktikant seines Dads, bei ihm, der mit Schwulen so gar nichts anfangen kann.

In einer total verschneiten Nacht erreicht Ben seinen Praktikumsplatz. Dass damit eine höchst turbulente Zeit für ihn beginnt, die sich bis in den Hochsommer zieht, hätte er sich nicht träumen lassen.

Ständige Streitereien mit Alex

Die Begrüßung ist auch alles andere als herzlich. Kaum aus dem Auto gestiegen, wird er überfallen von Alex, dem Sohn seines zukünftigen Chefs, des Architekten Johannes Tannenberger. Bei diesem wird Ben nicht nur für die Zeit des Praktikums arbeiten, sondern auch wohnen. Der grobe Zusammenstoß mit Alex soll dann auch nur der Auftakt sein zu einem Verhältnis, das vor allem durch Streit geprägt ist.

Als Ben sich outet, ist er bei Alex endgültig unten durch. Der Blonde kann Schwule nicht ab, sein Vater eigentlich eben so wenig, doch stellt dieser die berufliche Professionalität über seine persönlichen Befindlichkeiten.

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Ziemliche Schwierigkeiten

Obwohl Ben von Alex wie ein ziemliches Stück Dreck behandelt wird, verliebt sich dieser in ihn, stellt das aber erst fest, als sein Ex-Freund Nick auf der Bildfläche erscheint. Dass Alex in ziemlichen Schwierigkeiten steckt, merkt er auch sehr bald. Als der Hund des Blonden umgebracht wird, lernt Ben ihn von einer ganz anderen Seite kennen.

Und langsam kommt er Alex Problemen auf die Spur: Illegales Glücksspiel haben den Sohn seines Chefs in hohe Schulden getrieben, die er nicht zurückzahlen kann. Um an Geld heranzukommen, brechen er und sein Kumpel Diego, ein Kleinkrimineller, in eine Wohnung ein. Dabei werden sie von einem Nachbarn erwischt, den Diego mehr oder minder totprügelt.

Alex muss sich dabei nicht nur mit dieser Situation auseinandersetzen, sondern auch mit seinen eigenen Gefühlen. Letztendlich ist er von der gesamten Situation komplett überfordert. Auch das Verhältnis zu seinem Vater, dem er den Selbstmord seiner Mutter anlastet, ist vollkommen zerrüttet.

Im Laufe der beiden Bände wird der Leser mit Schwerverletzten, Entführungen, Folter, weiteren Drohungen sowie einer sich dazwischen entwickelnden Liebesgeschichte konfrontiert, für die es aufgrund der Ausgangslage kein glückliches Ende zu geben scheint.

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Überraschende Wendungen

M. Harts zweibändiger Roman steckt voller Überraschungen, Wendungen sowie Empathie und reißt den Leser förmlich mit. Von Kapitel zu Kapitel wechselt die Perspektive der beiden Protagonisten Alex und Ben. Die unterschiedlichen Innensichten unterstreichen die jeweiligen Entscheidungsmomente und lassen den Leser die Gründe für das Handeln der Hauptpersonen erblicken.

Jedoch kommt es dabei zu gewissen Redundanzen, die den Leser dazu verleiten, gewisse Passagen nur zu überfliegen oder gar zu überspringen. Auch die Verknüpfung der beiden Bände ist nicht ganz gelungen, verschiebt Hart doch die Zeit um einen halben Tag. Ebenso verursacht manche Wortwahl ein gewisses Stirnrunzel.

Gelungene Dialoge und Charaktere

Die Dialoge dagegen sind ebenso gelungen wie die Charaktere, wobei aber die Intimität zwischen Alex Vater und Ben anfangs irritiert. Doch je weiter man beim Lesen voranschreitet, desto mehr Substanz erhält die Geschichte. In den Streitigkeiten von Alex und Ben wird die Überforderung der beiden sehr deutlich. Beiden gelingt es kaum noch, die Situation zu kontrollieren, alleine wegen der vielen Abhängigkeiten. Zudem entwickelt der Leser auch eine gewisse Sympathie für den charakterlich teilweise fragwürdigen Alex, als dessen große Schicksalsschläge offenbar werden.

Harts Werk, das sich zwischen Krimi, Thriller und Liebesdrama bewegt, stellt auch eine ordentliche Schreibleistung dar, die trotz der genannten Schwächen in sich stimmig und logisch ist. Zum Lesen sollte man sich schon ein wenig Zeit nehmen. Diese lohnt sich aber sicherlich.

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