Zwei Lieben

Redaktion Von Redaktion
Zwei Lieben
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Als 1969 die Große Koalition beschließt, den Paragraphen 175, der den Geschlechtsverkehr zwischen Männern unter Strafe stellte, zu reformieren, beginnt für den 59-jährigen Fritz ein neues Leben. Doch die Vergangenheit ist damit längst nicht abgeschlossen.

Die sog. Machtergreifung Hitlers ist ein tiefer Einschnitt in das Lebenvon Fritz und seinen Freunden. Fritz ist gerade einmal 23 Jahre alt, als dieblühende Szenelandschaft Berlins von den Nazis zerschlagen wird gerade alsFritz sie begonnen hat zu entdecken. Auch er wird verhaftet, hat aber Glück;obwohl er eisern schweigt und niemandenverrät, wird er nur der Gestapo verprügelt. Seine Freunde Paul und Ottohaben weniger Glück. Paul wird kastriert und Ottos Leben endet im KZ Dachau.

KZ Sachsenhausen und Flossenbürg

Doch auch Fritz "Glücksträhne" soll enden. 1938 wird er verhaftet, als er demLockvogel der Gestapo im Tierpark auf den Leim geht. Er kommt erst ins KZ Sachsenhausen,schließlich nach Flossenbürg. Wie er dort überlebte, was er dort mitmachte undam eigenen Leibe erfuhr, erfährt der Leser alles aus der Nachperspektive.

Denn: Fritz überstand die NS-Zeit mit Überlebenswillen und einigen glücklichenFügungen. Die Möglichkeit, seine Vergangenheit zu verarbeiten und ein neuesLeben zu starten, gibt ihm die Novellierung des Paragraphen 175 desStrafgesetzbuches. Nach dieser ist Sex unter volljährigen Männern ab 1969 nichtmehr mit Haftstrafe bedroht.

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Aufblühen einer neue Szene

Eine neue Szene blüht auf und auch Fritz, der zuvor ein Leben als scheinbarglücklicher Junggeselle verbrachte, schließt sich den Graubären an. Die Graubärensind eine Gruppe schwuler Männer in seinem Alter, die zusammen die Samstageverbringen. Dort lernt er schließlich Will kennen, der sein Leben deutlichbereichern wird, das zuvor nur aus Tanzen am Sonntag und der Arbeit unter der Wochebestand.

Rainer Vollath erzählt in zeitlich wechselnden Kapiteln dieLebensgeschichte von Fritz Weiss. Das Buch ist gut recherchiert und noch vielbesser erzählt. Weder schont der 1966 geborene Vollath den Leser bei derGrausamkeit der NS-Schergen noch bleibt er emotional an der Oberfläche. Aufgrundder Erzählweise wechseln sich positivere mit deutlich negativeren Ereignissenab, wodurch sich der Leser nicht beständig beklemmt fühlt.

Das Buch bewegt und reißt den Leser förmlich mit. Die gut 200 Seiten sindschnell gelesen und laden zu Kurzweil ein. Die Erfahrung Vollaths alsJournalist und sein Studium der Germanistik trugen definitiv positiv zu demWerk bei. Zu seinem Romandebüt mit "Zwei Lieben" kann man nur sagen: Gelungen!

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