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Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Boris Becker, Ralph Siegel und Jessica Simpson haben es schon erlebt. Ihnen wurde per SMS die Beziehung aufgekündigt. Was wie ein Skandal daherkommt, gibt es aber nicht nur in der Promi-Welt. Denn Schlussmachen per SMS ist einfach und schmerzfrei ... und ziemlich feige.

Lieber Mike, i weiß net, wie
ichs dir anders sagen soll,
aba i liebe dich net mehr.
Deswegen ists besser, wenn
wir getrennte Wege gehen.
I wünsch dir trotzdem alles
Gute, Chris


Wie würdest du dich fühlen, wenn du eine solche SMS von jemand bekommst, den du liebst? Schockiert, verzweifelt, enttäuscht? Vielleicht auch ein bisschen wütend? Immerhin jeder Achte hat sich laut einer Umfrage auf dbna* schon einmal auf diese Art von seinem Freund getrennt.


Angst eigene Gefühle auszudrücken

Die Gründe für das Aus per SMS können verschieden sein. Oft spielt Angst eine Rolle. Und die ist vielschichtig. Da ist etwa die Angst vor dem Noch-Freund. Wie wird er reagieren? Er könnte heulen, mich anschreien oder schlimmstenfalls drohen, sich etwas anzutun. Verständlich, wenn ich mir so etwas ersparen will. Eine SMS scheint da ein cleveres Mittel zu sein. Außerdem erspart sie mir die Angst davor, zu meinen eigenen Gefühlen zu stehen, sie auszudrücken und zu verteidigen.

Diese Angst begegnet uns eigentlich schon zum Zeitpunkt des Verliebens. Gefühle verpackt in geschriebenen Worten gibt es, seit die Menschen schreiben können. Im Mittelalter etwa hüllten die Verliebten ihre Worte in Minnegesang, in anderen Zeiten wurde gedichtet und der Liebesbrief ist bis heute der Klassiker schlechthin. Gefühlen durch einen Text Ausdruck zu verleihen hat also Tradition. Aber warum ist das so attraktiv?


Unsere Angst schützt uns

Im Gegensatz zur gesprochenen Sprache sind geschriebene Worte unumstößlich. Einmal aufgeschrieben werden sie wahrhaftig. Sie können nicht unterbrochen oder überhört werden, sondern stehen schwarz auf weiß. Damit haben sie eine ganz besondere Aussagekraft. Zum anderen ersparen mir geschriebene Worte Peinlichkeit und Verletzung. Die Zurückweisung des Angebeteten ist halb so schlimm, wenn es die Reaktion auf einen Liebesbrief oder eine E-Mail ist. Denn der Umschwärmte hat Zeit, sich seine Antwort zu überlegen. Im Gespräch geht das nicht. Die abweisenden Reaktionen des Angebeteten sind ungefiltert und treffen durch seine Blicke und Mimik direkt ins Herz. Und wer hat schon Lust auf eine solche Enttäuschung, Verletzung oder gar Spott des Umschwärmten? Keiner. Unsere Angst schützt uns deshalb davor.

Angst ist deshalb unser ständiger Begleiter nicht nur im Liebesleben. Sie flößt uns Respekt vor anderen Menschen, ihren Bedürfnissen und Gefühlen ein. Angst bestimmt außerdem unser Handeln, macht uns wachsam und lässt uns nachdenken. Es ist deshalb gut und vollkommen normal, Angst zu haben. Dennoch rechtfertigt Angst keine Feigheit. Schlussmachen per SMS ist aber feige.

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Weitere Quellen: * An der Umfrage beteiligten 786 User. Sie ist nicht repräsentativ., Istockphoto.com