Der erste HIV-Test als Mutprobe

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Der erste HIV-Test als Mutprobe
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In konservativen Umgebungen geht es oft ziemlich prüde zu. Kein Wunder, dass viele junge Schwule nicht über Sex reden wollen – und deshalb auch nicht zum HIV-Test gehen. Vlad hat die Scham überwunden.

Als ich zwölf oder 13 Jahre alt war, habe ich meiner Schwester zum ersten Mal die Bravo geklaut. Diese Zeitschrift erschien damals auch auf Rumänisch, sodass ich sie in Moldawien lesen konnte. Zitternd vor Aufregung habe mir alles reingezogen, was über Sex drinstand. Danach habe ich das Heft genauso wieder hingelegt, wie ich es vorgefunden hatte.

Warum die Geheimniskrämerei? Weil Sex in meiner Familie tabu war. Ich habe meine Eltern niemals über dieses Thema reden hören und hätte mich auch nicht getraut, sie irgendetwas zu fragen.

Moldawien ist ein erzkonservatives Land, in dem Männer und Frauen traditionellen Rollenbildern anhängen. Dazu gehört auch, mit dem Sex zu warten, bis man in einer festen Beziehung lebt selbstverständlich mit einem Partner des anderen Geschlechts.

Enthaltsamkeit als HIV-Schutz

Ich erinnere mich gut an eine Schulstunde, in der uns ein Lehrer über HIV aufklärte. Als Schutz empfahl er Enthaltsamkeit und warnte uns vor der Seuche, die schlimmer sei als Krebs. Die Folgen dieser absurden Sexualmoral sind für unser kleines Moldawien wahrscheinlich nicht untersucht.

Aber man kennt die Studien aus den USA: Wo Sex für Heranwachsende ein Tabu ist und Lehrer Keuschheit predigen, bekommen Jugendliche häufiger Geschlechtskrankheiten. Ganz einfach weil sie ihrem Sexualtrieb folgen, sich dafür aber schämen und sich nicht trauen, einen Arzt über Schutzmöglichkeiten und Therapien zu befragen.

Wenn der Partner ohne Gummi fremdgeht

Die Scham hat mich lange begleitet. Mit meiner Schwester habe ich ab und zu über Sex reden können, mit meinen Brüdern nie. Schon gar nicht über Homosexualität. Damit musste ich warten, bis ich schwule Freunde hatte. Ich war damals 17 und führte heimlich eine Beziehung mit einem Mann, der doppelt so alt war wie ich.

Sex hatten wir ohne Gummi. Schließlich war ich es gewohnt, Beziehungen für geschlossene Veranstaltungen zu halten. Mir wäre nie eingefallen, dass mein Freund fremdgeht, schon gar nicht ohne Kondom. Tat er aber. Beides.

Panik vorm Test, Furcht vor den Ärzten

Als ich das herausfand, ging für mich eine Welt unter. Nicht nur, weil das Ende der ersten Liebe für einen Menschen immer ein Trauma ist. Ich hatte auch Angst. Drei Monate lang dachte ich an nichts anderes als an HIV.

Zum Test gegangen bin ich trotzdem nicht. Ich war panisch und fürchtete mich vor den Blicken der Ärzte, die mich sicher verurteilen würden.

Mit dem besten Freund in der Teststelle

Endlich vertraute ich mich meinem besten Freund an. Er reagierte sehr einfühlsam und bot mir an, mich zum Test zu begleiten und sich selber auch testen zu lassen. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein. Nach dem ersten Test, der negativ ausfiel, bin ich alle sechs Monate zum Test gegangen.

Leider habe ich mich vor ein paar Jahren dann doch mit HIV angesteckt. Ich bin aber in Therapie und mir geht es gut (mehr über Vlads Leben mit HIV). Ganz frei von Scham und Schuldgefühlen werde ich wohl nie sein. Aber ich habe sie im Griff, auch weil ich einen tollen Mann an meiner Seite habe.

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