Der Widerspruch

Redaktion Von Redaktion

Chris ist fremdgegangen, hat seinen Freund Martin mit dessen Kumpelbetrogen. Bis jetzt allerdings nur in Gedanken, aber ist das nichtschon schlimm genug? Eine etwas andere Erfahrung.

Langsam öffnest du deine Augen, dein Kopf schmerzt, deine Zunge ist trocken. Du starrst an die Decke, die Erinnerungen kehren nur langsam zurück. Am liebsten möchtest du die letzte Nacht vergessen, auch wenn es eine der schönsten Nächte der vergangenen Jahre war. Langsam richtest du dich auf, deine Gelenke schmerzen. Warum musste unbedingt dir so etwas passieren? Die letzten Jahre waren einfach himmlisch, du hast einen lieben Freund, der dir bis ans Ende der Welt folgen würde. Und jetzt könnte dieses Vertrauen innerhalb weniger Tage dahin sein, dieses himmlisch süße Gefühl einfach verschwinden, auf Nimmerwiedersehen.
 
Du greifst nach einer Wasserflasche und trinkst einen großen Schluck. Du sitzt auf deinem Bett, starrst auf den Boden, die Uhr zeigt fast 12, obwohl es draußen recht dunkel ist. Du schließt deine Augen, siehst Martin vor dir, deinen festen Freund. Er steht direkt vor dir, lächelt sein süßes Lächeln, die Person, die dir schon so oft den nötigen Halt gegeben hat. Du verzehrst dich nach ihm, nach seiner Nähe, möchtest ihn umarmen und ihm mitteilen, dass dir alles schrecklich leid tut. Langsam kullern Tränen deine Wangen herab. Warum bloß musstest du die letzte Nacht mit einem guten Freund von ihm unterwegs sein?
 
Wieder schießen dir die unschönen Erinnerungen durch den Kopf, wieder hast du Fabian vor Augen, ein Bekannter deines Freundes. Wenn du an ihn denkst, hast du dieses Gefühl, das du seit einigen Jahren nicht mehr hattest, dieses Kribbeln des Verliebtseins. Ist es wirklich Verliebtsein? Seine langen blonden Haare, sein Körper und seine grünen Augen, einfach zum Verlieben! Und sein süßer Blick, der alles durchdringt. Ist das alles nur Interesse, ein kurzer Reiz oder etwa doch ein unterschwelliges Verlangen nach etwas Neuem? Zu viele Gedanken sind auf einmal in deinem Kopf. Du wolltest Fabian unbedingt näherkommen, in Gedanken hast du ihn schon ausgezogen. Du hast es nicht getan, es waren lediglich Träume.
 
Erst in den vergangenen zwei Wochen kam der Kontakt richtig zustande, seitdem gibt es von ihm diese unterschwelligen Andeutungen, die eine kleine Hoffnung auf mehr provozieren. Du weißt natürlich, was auf dem Spiel steht, aber deine Neugierde ist zu groß. Als du Fabian kennenlerntest, war es wie der Beginn eines neuen Lebens, deine Laune war auf einem Höhepunkt angelangt. Und dann sahst du plötzlich Fabians Freund, mit dem er eine ähnlich lange Beziehung führt wie du mit deinem. Die Hoffnung stirbt zuletzt, wie wahr!
 
Deine Laune bessert sich ein wenig. Trotzdem fühlst du dich verlassen, hilflos, dein Kopf schmerzt noch immer, die Erinnerung auch. Gestern Abend ergab sich eine Gelegenheit. Die Gelegenheit. Mit einer Gruppe gingst du auf eine Party, dein Freund konnte nicht dabei sein, aber Fabian war dabei. Bevor es los ging, hast du bei Fabian zuhause geklingelt. Als er die Tür öffnete, wurde dir ganz anders. Er stand vor dir, nur bekleidet mit einer Shorts, das Handtuch noch in der Hand. Sein Körper ist perfekt, sein Lächeln lässt dich ebenfalls lächeln. Auch sein Freund war schon da. Es war schön, wie sie miteinander umgingen, ganz anders als klischeebehaftete Beziehungen zwischen zwei Kerlen. Wie gerne wärst du sein Freund, in Gedanken zumindest warst du es an diesem Abend.
 
Die Party war der Wahnsinn. Du hast mit ihm getanzt, dich amüsiert, ihn berührt. Auf dem Rückweg nach Hause, früher Morgen, kamen dir wieder die Tränen. Unbedingt wolltest du mehr, wusstest tief in dir, dass es nicht mehr werden würde oder vielleicht doch? Deine Gedanken zerrissen dich, innerlich tobte ein Krieg. Wie weit bist du bereit zu gehen, um deinen Bedürfnissen nachzukommen? Immer wieder kreisten deine Gedanken um das Thema Gruppensex, die einzige Möglichkeit, ihm irgendwie nahe zu kommen. Eine Lösung? Nein, eher nicht. Es wäre eine Zwischenlösung, vielleicht der nächste Schritt. Das Problem aber würde sich nicht einfach lösen lassen. Bist du bereit, deine langjährige Beziehung aufs Spiel zu setzen, um am Ende doch eine Abfuhr von Fabian zu erhalten? Immerhin führt auch er eine glückliche Beziehung, zumindest macht es den Anschein.
 
Langsam legst du dich wieder auf dein Kopfkissen, du weinst, was sollst du bloß machen? Immer wieder Kreisen deine Gedanken um dich, deinen Freund, um Fabian und seinen Freund. Im Grunde genommen ist noch gar nichts passiert - bis jetzt. Aber alleine deine Gedanken plagen dich, sind in deinen Augen Verrat genug. Solltest du deinem Freund davon erzählen? Nein, besser nicht, das wäre ein Schritt rückwärts. Oder wäre es ehrlich? Wie es weiter geht, das weißt du nicht. Das wird die Zeit entscheiden.

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Weitere Quellen: photocase, © Christian Redolfi