Freunde bleiben für 19,95

Redaktion Von Redaktion

Wer sich nicht traut, seine Beziehung persönlich zu beenden, der kann dies nun professionell gegen Geld tun lassen: Trennungsagenturen machen es möglich. Man mag es feige finden, doch es gibt auch Gründe, die für solch einen Schritt sprechen.

Es gibt so einen Vorsatz, der schwingt bei fast jeder Trennung irgendwie mit. Man will den Anderen nicht mehr jede Nacht spüren, man will Abstand haben, wieder auf der anderen Seite des Bettes schlafen, weil sie weicher ist. Aber man will den anderen nicht verlieren, man will Freunde bleiben. Das geht meistens schief, leider.

Mit Geld kann man dagegen jetzt etwas tun. Es kostet 19,95 Euro, es ist ein Telefonanruf mit einfühlsamen Worten, man lässt sich von einem professionellen Schlussmacher trennen. Oder man lässt einen Brief schreiben. Oder man lässt den Schlussmacher persönlich vorbeikommen, der dann im Treppenhaus steht, sagt, dass man sich trennen mag, und die Kopie des Vertrages als Beleg überreicht. Wieder geht und den Geschiedenen alleine lässt. Das kostet allerdings 49,95 Euro.

Die professionellen Schlussmacher nennen sich "Trennungsagenturen", sie sind einer der Auswüchse dieser Welt, in der die Menschen Hilfe beanspruchen können für Dinge, die selbstverständlich sein sollten. Und es ist ein wahrer Boom. Es gibt inzwischen in jeder größeren Stadt solch eine Agentur, manche bieten sogar an, dass man hinterher auch die persönlichen Dinge aus dem Zimmer holt.

Früher hätte man zitternd und kreidebleich selbst vor der Tür gestanden. Und insofern mag man solch eine Trennungsagentur feige finden. Man mag sich an den Kopf fassen. Aber im tiefsten Inneren suchen wir uns doch immer den leichtesten Weg.

Der ehrlichste Weg?

Und es ist ein sehr ehrlicher Weg. Und das ist meistens ja das Problem: Die Ehrlichkeit bleibt auf der Strecke. Vor Kurzem hat sich ein guter Freund von seinem Schatz getrennt. Das war ein lautes Auseinandergehen, sie haben sich angeschrieen und sie haben den jeweils anderen Freundeskreis für eine Schlammschlacht benutzt. Sie reden nun nicht mehr miteinander, sie haben sich auseinandergestritten, sie haben beide hinter vorgehaltener Hand geheult und sie haben sich in diesem schwachen Augenblick eingestanden, dass es falsch war. Sie haben sich gefragt, wie es anders ginge. Sie haben sich gefragt, warum man immer mit einer Schlammschlacht auseinandergeht, warum man hinterher meist keinen Kontakt mehr zum anderen hat, warum die Jahre der trauten Zweisamkeit mit einem Knall beendet sind. Sie sagen, dass sich so etwas aufbaut, mit jedem Tag der Beziehung und irgendwann fliegen die Stücke in den unendlichen Raum der Gemeinheiten.

Aber auf diese Fragen gibt es wohl keine Antwort. Und dennoch bindet man sich wieder, es dauert vielleicht ein halbes Jahr, vielleicht auch ein Jahr oder noch länger, man bindet sich wieder und hat am Ende den Mann fürs Leben doch nicht gefunden. So ist das Leben, eine ständige Suche nach dem Richtigen, eine ständige Suche nach Gerechtigkeit und Selbstdarstellung.

Der ehrlichste Weg!

Vielleicht ist gerade deswegen der Weg der Trennung so schmerzhaft. Vielleicht ist das ja der Grund, warum es meistens eine Schlammschlacht gibt. Jeder möchte gut dastehen und jeder will nicht daran schuld gewesen sein, dass zwei Seelen nun wieder getrennte Wege gehen.

Und vielleicht ist deswegen der Weg über eine Trennungsagentur nicht feige. Vielleicht ist es einer der ehrlichsten Wege, sich zu scheiden. Es ist ein Satz, aber es ist der ehrlichste Satz, den man in dieser Phase sagen kann, und es ist der Satz, der am schwersten fällt. Ehrlichkeit ist Brot, das schwer im Magen liegt, das Durchfall verursacht. Aber Ehrlichkeit lässt Wunden auch schneller heilen und öffnet für neue Perspektiven.

Und vielleicht ist da ja auch Platz für eine Freundschaft.

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.com