HIV und Aids global

Redaktion Von Redaktion

Weltweit leben momentan 42 Millionen HIV-positive Menschen. Alleine 30 Millionen davon kommen aus Afrika. Besonders südlich der Sahara ist die Lage besonder schlimm, und Hilfe scheint kaum in Aussicht zu sein. Hiv und Aids global...  

Jedes Jahr am ersten Dezember wird die westliche Welt ganz ernsthaft. Alle tragen rote Schleifchen, im Fernsehen sieht man Berichte darüber, was Aids dieses Jahr angestellt hat und Rückblicke auf die 80ger Jahre. Man kann sich getrost zurücklehnen, denn es gibt ja mittlerweile gute Medikamente, der Tod nach einer HIV-Infektion kann hinausgezögert werden, und überhaupt: Heute benutzen sogar schon Teenager Condome. Ja, bei uns. Aber wie bei den meisten anderen Problemen auch verschließt der Großteil der westlichen Bevölkerung die Augen vor dem, was im Rest der Welt abgeht.

Wo es Aids gibt die nüchternen Fakten

Weltweit leben momentan 42 Millionen HIV-positive Menschen. Ein drittel davon sind zwischen 15 und 24 Jahren alt, 3,2 Millionen sogar jünger als 15 Jahre. Letztes Jahr kamen 5 Millionen neu infizierte hinzu, inklusive 800.000 Kindern. 3,1 Millionen starben an den Folgen von Aids, 610.000 davon waren Kinder. 70 Prozent dieser Menschen leben in Afrika, in Ländern südlich der Sahara. Aids ist dort die Haupttodesursache. Während bei uns jedeR HIV-kranke Behandlung und Medikamente bekommt, ist es in den Entwicklungsländern gerade mal jedeR zwanzigste. Und: es wird schlimmer. Aktuelle Hochrechnungen gehen davon aus, dass sich weitere 45 Millionen Menschen in 126 Entwicklungsländern bis 2010 mit dem Virus infizieren und damit ihren sicheren Tod finden werden. Auch Asien eine der im Moment noch am wenigsten betroffenen Regionen der Erde wird in Zukunft mit großen Problemen zu kämpfen haben etwa 11 Millionen Menschen werden sich innerhalb der nächsten fünf Jahre dort infizieren.

Besonders betroffen: Afrika südlich der Sahara

Während in den westlichen Ländern schwuler Sex und das Mitbenützen von Spritzen bei Drogenabhängigen die Hauptübertragungswege von Aids sind, ist es in Afrika heterosexueller Sex. Schon allein deshalb sind dort also mehr Menschen betroffen als bei uns. Von den dort momentan positiven 30 Millionen Menschen bekommt nur jede(r) hundertste medizinische Versorgung. Mehr als 13 Millionen Kinder haben keine Eltern mehr, weil Vater und Mutter an Aids gestorben sind. Etwa doppelt so viele junge Frauen wie Männer leben mit dem Virus.

Die aber wohl wichtigsten Gründe für die starke Verbreitung von Aids und HIV in Afrika sind Armut, schlechte oder gar keine Ausbildung, die Unwissenheit über Aids, Krieg, Perspektivenlosigkeit, sowie die nicht vorhandende  Gesundheitsversorgung. Die massig vorhandenen sonstigen Probleme der so genannten Entwicklungsländer Afrikas hängen also stark mit der Seuche zusammen. Und leider ist das ganze ein Teufelskreis. Denn Aids verbreitet sich nicht nur besonders gut in armen Ländern, es schafft und verschlimmert auch Armut.

Was Aids dort anstellt

Aids tötet die meisten Menschen, wenn sie junge Erwachsene, meist auch junge Eltern sind. Der Staat hat also unter Umständen schon Geld in ihre Ausbildung gesteckt, von dem er nichts zurückbekommt, da die Betroffenen nur kurz Steuern und Sozialabgaben zahlen können. Die sozialen Systeme werden also überfordert, da kaum mehr Geld hineinkommt. Die Aids-Opfer können ihr Wissen und ihre Erfahrung auch nicht an die nächste Generation weitergeben. Während sie krank sind, bleiben die Felder unbestellt und Hungerkatastrophen sind vorprogrammiert. Die Kinder bleiben zu Hause, um ihre aidskranken Eltern zu pflegen, und versäumen so die einzige Chance, eine Ausbildung zu bekommen. Besonders betroffen sind hier Mädchen die Stellung der Frau verschlechtert sich also rapide. Wenn die Eltern sterben, bleiben die Kinder zurück bis 2010 wird sich die Zahl der Waisen wegen Aids verdoppeln. Der Staat muss sich um sie kümmern eine weitere finanzielle Herausforderung. In den am schlimmsten betroffenen Ländern hat die Epidemie bereits die Entwicklungserfolge der letzten Generationen zunichte gemacht. Laut der Weltbank leben in einigen Ländern 5% mehr Menschen in Armut als dies ohne Aids der Fall wäre.

Wieso das alles überhaupt passieren kann, und was die sogenannte "erste Welt" dazutut

"Wie ist es möglich im Jahr 2003, dass wir über 200 Milliarden Dollar finden können, um Krieg gegen den Terror zu führen, aber für die antiretrovirale Behandlung derjenigen, die es in Afrika brauchen, das Geld nicht finden?", schimpfte der UN-Sonderbeauftragte zur Aidsbekämpfung, Stephen Lewis auf einer internationalen Konferenz. "Diese unterschiedliche Behandlung ist die groteske Obszönität der modernen Welt." Letztes Jahr sind in Afrika 950 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen Aids ausgegeben worden. Das entspricht den Kosten von einer Woche US-Militäreinsatz im Irak. Die UNO schätzt den Mindestbedarf für den Kampf gegen Aids auf 2 Milliarden Dollar jährlich.

Allerdings hat die sogenannte dritte Welt auch nicht nur viel zu wenig Geld für den Kampf gegen Aids, die sogenannte erste Welt behindert sie in diesem sogar noch. So hat beispielsweise die Chemiefirma BAYER zusammen mit anderen 38 internationale tätigen Pharmakonzernen gegen Südafrika geklagt, weil die dortige Regierung beschlossen hatte, billigere, von einem indischen Hersteller nachgebaute AIDS-Medikamente zu importieren. Damit verstieß Südafrika gegen den internationalen Patentschutz. Der Prozess zog sich über viele Monate, in denen mehrere hunderttausend Menschen an Aids starben. Zwar mehrten sich internationale Proteste und zwangen im Frühjahr 2001 die Konzerne, die Klage zurückzuziehen, aber dieses Beispiel zeigt, wie sehr die westliche Welt im eigenen finanzielle Interesse handelt, und jegliche Menschenrechte mit Füßen tritt.
Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung von Aids-Medikamenten: Alle Produkte sind auf die im Norden verbreiteten Typen des HI-Virus zugeschnitten.

Aids vergrößert die Dringlichkeit, soziale Ungerechtigkeit zu verringern, Hygiene, Nahrung, Bildung und Medikamenten allen Teilen der Erdbevölkerung zugänglich zu machen und Beschäftigungschancen zu verbessern. Es ist wichtiger als jemals zu vor, die globale Armut mit allen Mitteln zu bekämpfen. Diese Verantwortung haben wir, als Bewohner dieses winzigen Teils der Welt, der in Luxus lebt, besonders.

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Weitere Quellen: unaids.de; aidshilfe.de; who.int; spiegel.de