JuPo-Interview

Redaktion Von Redaktion

JuPo heißt die Gruppe von Jugendlichen, die in EigenregieAids-Präventionsspots dreht. In kurzen Spots wollen sie das Thema HIVund Safer Sex ansprechen. dbna sprach mit den Projektleitern BjörnKempa und Klaus Kwaschnik.

Die deutschlandweit unter anderem in Schulen, Jugendzentren und Discosgezeigten und fast komplett von Jugendlichen gemachtenAids-Präventionsspots der Projektgruppe JuPo (JungPositiv) gehenderzeit in die dritte Runde. In kurzen, knackigen Spots versuchen dieJungs und Mädels, das Thema HIV und Safer Sex  wieder stärker indie Köpfe der Leute zu rücken. Wir haben uns mit dem JuPo-ProjektleiterBjörn Kempa von Carasana Videoproduktion sowie dem JuPo-Teamer KlausKwaschnik von der Aidshilfe Köln über den neuen Spot unterhalten.Herausgekommen ist ein interessantes Interview über schwule Mafiosi,einen heterosexuellen Projektleiter, der mehr homosexuelle Klischeesals manch ein Schwuler erfüllt, sowie konservativeDrehlocationbesitzer, die mit Schwulen und Lesben offenbar nichts amHut haben wollen.

Hallo ihr beiden! Könnt ihr uns bitte erklären, was eure Aufgaben bei den JuPos sind?
Klaus: Ich bin dafürzuständig, dass das Thema Aids richtig rüberkommt, dass die Aussage derSpots korrekt ist. "Fachliche Betreuung und Beratung" nennt sich das imKonzept.

Björn: Mein Part ist die kontinuierliche Betreuung, die medienpädagogische Beratung und Anleitung sowie die Produktion der Spots.

Björn, du selbst bist ja hetero. Wiekommt man denn als Hetero dazu, in einem schwullesbischen Jugendzentrummit größtenteils schwulen und lesbischen Jugendlichen einHIV-Präventions-Projekt zu starten?
Björn: Ich habe einen Freund,der als Arzt eine Praxis mit dem Schwerpunkt "HIV" betreibt. Der hatmir irgendwann davon erzählt, dass unglaublich viele junge Jungs seinePraxis besuchen, denen er sehr oft positive Testergebnisse übergebenmuss. Da Carasana so viel im Jugendbereich macht, hat er mich danngefragt, ob man nicht auch irgendetwas in dem Bereich anstellen könnte.Das ließ ich mir dann durch den Kopf gehen und irgendwann kam unsschließlich die Idee, einen Präventionsspots zu produzieren - mitJugendlichen, für Jugendliche. Es sollte ein professioneller Spot sein,der nicht nur für die Teilnehmer interessant und spannend ist, sonderntatsächlich auch die Öffentlichkeit erreicht. Und es wurde schnellklar, dass das Projekt mit nur unerheblichen Kosten nicht machbar seinwürde, sondern dass wir Partner und Sponsoren brauchen würden. Diehaben wir dann auch gefunden: In der Aidshilfe Köln, im KölnerJugendzentrum anyway, im SchulZ [Anmerkung: ehemaliges Schwulen- undLesbenzentrum Köln] und in der Pharmaindustrie mit Gilead und Roche,die das Projekt von Anfang an cool fanden und uns sofort unterstützenwollten. Und Condomi war recht schnell mit an Board. So in etwa ist dasGanze vor drei Jahren entstanden. Mit den Jahren kamen dann nochweitere Partner wie der AK Aids Köln, die Aktion Mensch und vieleandere Freunde und Förderer hinzu.

Carasana hat viel mit Randgruppen und sozial benachteiligtenJugendlichen zu tun. Und ich halte die schwule Jugendbewegung auchnachwievor noch für eine Randgruppe. Auch wenn sie zum Beispiel in Kölnvielleicht recht groß und zentral ist, müssen die Jugendlichen dochimmer noch um ihre Rechte kämpfen. Und das ist dann genau der Bereich,in dem wir uns wohl fühlen. Wir sind selten im Mainstream zu finden unddeswegen hatten wir auch von Anfang an keinerlei Berührungsängste -auch wenn im ersten Jahr kein Einziger im Team schwul war.

Bei unserem letzten Treffen meintest du, dass du "meist als Schwuler durchgehst". Wie kommts, Björn?
Klaus: Das kann ich dir sagen!Im ersten Jahr waren wir ja auch noch alle fest davon überzeugt, dassBjörn schwul ist. Manche Bewegungen sind doch recht auffällig. Undgewisse Sitzhaltungen hat er von Anderen auch schon übernommen. Da warman sich wirklich nicht so ganz sicher. Und nach langer Zeit desBeobachtens konnte er gewisse Klischees dann auch ganz gut bedienen...

Björn: Ich bin auch imAK-Marketing der Gay Games Cologne mit drin und bin dort auch langeZeit der einzige Hetero gewesen. Da haben auch immer alle gedacht, dassich schwul wäre. Man geht einfach davon aus, dass jemand der dortmitmacht schwul sein muss.

Klaus, hast du irgendetwas mit Condomidirekt zu tun oder hast du nur vor der Kamera den Condomi-Verkäufer imvorletzten Spot gespielt?
Klaus: Das hast du gesehen?Nein, ich habe nichts mit Condomi direkt zu tun. Aber wir von derAidshilfe haben natürlich Kontakte zu Condomi und darüber ist es dannauch zustande gekommen, dass wir die Jungs und Mädels mit ins Bootholen konnten.

Björn: Das ist ja auch dasGute an solch einem Netzwerk. Da hat jeder seine Beziehungen. Undletzten Endes haben alle etwas von dem Projekt. Je mehr Kontakte manhat, desto mehr Möglichkeiten gibt es auch. Condomi hat damals Geldzugeschossen, hat den Druck der Flyer übernommen und hat uns auch imLaden drehen lassen, was dann für Condomi wiederum natürlich Werbungwar

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