"Keine Angst vor HIV-Positiven!"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Keine Angst vor HIV-Positiven!"
Gilberto

Seit einem halben Jahr ist Gilberto HIV-positiv. Er hat sich bei seinem Freund angesteckt, obwohl beide immer Safer Sex hatten.

Hohes Fieber, starke Gliederschmerzen, Gilberto fühlte sich schlapp, unwohl und krank. In einem kalten Februar ist das nicht ungewöhnlich. Was wie eine normale Grippe klingt, sind auch die typischen Symptome einer akuten HIV-Infektion. Doch daran hat der 22-Jährige zuerst nicht gedacht. Drei Monate später machte er einen HIV-Test: Er war positiv. "Ich war geschockt. Weil ich weiß, dass mein Freund HIV-positiv ist, haben wir immer auf Safer Sex geachtet", erzählt er. "Doch auch Safer Sex ist nicht zu hundert Prozent sicher." Kondome können etwa reißen oder abrutschen.

Sein Partner war schon länger infiziert

Dass sein Freund Niels infiziert ist, wusste Gilberto schon lange. Als sie etwa sechs Wochen zusammen waren, hat er ihm davon erzählt. "Ich kenne zwar viele HIV-Positive, aber trotzdem war es am Anfang sehr schwer, damit klarzukommen", erinnert sich Gilberto. "Mehr Probleme hatten meine Eltern damit. Sie wollten mich von ihm trennen, denn sie hatten Angst um mich.

Gilberto

Doch meine Gefühle waren stärker." Die beiden sind heute fast eineinhalb Jahre zusammen und glücklich. Die Schuld an der Ansteckung gibt Gilberto seinem Freund nicht. "Durch ihn bin ich zwar positiv geworden, aber wir waren nicht leichtsinnig und haben uns immer geschützt. Außerdem war er immer ehrlich zu mir", sagt er.

Mittlerweile haben beide eine wirkungsvolle Therapie und ihre Viruslast ist unter der Nachweisgrenze. Damit können sie mit großer Sicherheit niemanden mehr anstecken, wenn sie ihre Medikamente regelmäßig einnehmen.

Eine Tablette täglich

Der 22-Jährige Hamburger muss jeden Tag eine Tablette nehmen. "Ich hasse das, aber es muss sein", sagt er. Die Pillen erinnern ihn schließlich auch jeden Tag an seine Infektion. Ansonsten hat sich sein Alltag aber kaum geändert. Er kann weiterhin seinen Beruf als privater Seniorenbetreuer ganz normal ausüben. "Ich bin nicht verpflichtet, es zu erzählen. Außerdem sieht man niemandem eine Infektion an."

Gilberto

Auch im Freundeskreis gibt es keine Probleme. "Hier ist unsere Infektion eigentlich gar kein Thema", erzählen beide. Anders sieht es bei den Familien der beiden aus: Niels hat sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Als er seiner Familie von seiner HIV-Infektion erzählt hat, wollte sie nichts mehr mit ihm zu tun haben, "sie haben mich einfach im Stich gelassen," erzählt er. Auch deshalb wissen Gilbertos Verwandte noch nichts davon. Er möchte sie noch nicht damit belasten. "Immerhin hatten sie schon Bedenken bei der Beziehung."

Safer Sex: Mehr als Kondome!

Gilberto hat sich mit HIV angesteckt, obwohl er immer auf Safer Sex geachtet hat. "Umso wichtiger finde ich deswegen, dass man ganz offen und ehrlich über das Thema HIV und Aids reden kann. Egal, ob es eine Beziehung oder nur ein One Night Stand ist." Beim ehrlichen Umgang miteinander beginnt oft schon der Safer Sex. Außerdem appelliert er, regelmäßig einen Gesundheitscheck zu machen. "Das sollte einfach dazugehören, auch wenn man immer Kondome benutzt." Daneben ist dem 22-Jährigen die Botschaft wichtig, dass nicht jeder HIV-Positive automatisch gefährlich ist. "Niemand braucht Angst zu haben", betont er.

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