Liebe kennt keine Distanz

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Liebe kennt keine Distanz
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Manche Pärchen trennen hunderte Kilometer. Sie opfern viel Zeit und Mühe, um den Partner zu sehen. Das kann lange Zeit gut gehen, doch nicht alle Paare halten die Entfernung aus.

Fernbeziehung. Was für ein Horror-Wort. Viele zucken nervös zusammen, wenn sie hören, dass sich jemand mehrere Stunden in den Zug setzt, um seinen Partner zu sehen. Dazu große Augen und die verwunderte Frage: "Wie schafft ihr das denn?!" Auf die Antwort folgt dann ein immer noch zweifelndes Nicken. Nein, eine Fernbeziehung entspricht einfach nicht unserem lange eingeprägten Ideal von Zweisamkeit.

Zweifel hatte Tim* auch. "Anfangs hatte ich mir schon Sorgen gemacht, wie das alles klappen soll", sagt er. Doch diese Gedanken sind mittlerweile verflogen. Seit zweieinhalb Jahren ist der 23-Jährige schon mit seinem Freund zusammen. Die beiden trennen 200 Kilometer. Eine Distanz, die dafür sorgt, dass die beiden sich nur etwa zweimal im Monat sehen.

Die Beziehung ist keine Pflichtveranstaltung

"Wir arbeiten beide im Schichtdienst. Da ist es schwierig, gemeinsame freie Tage zu finden", sagt Tim. Er arbeitet als Stadtbahnfahrer, auch abends und am Wochenende. Die wenige Zeit, die der 23-Jährige dann mit seinem ein Jahr jüngeren Freund Felix* verbringt, nutzt er dafür so gut es geht. Das heißt aber auch, dass andere Aktivitäten darunter leiden.

Denn die gemeinsame Zeit wollen sie nicht auch noch mit anderen Freunden teilen. "Der Wille muss da sein, Zeit für den anderen zu opfern", findet Tim. Das rechnet er seinem Partner hoch an. "Aber ich habe auch Verständnis, wenn er mal nicht kommen kann, auch wenn wir beide frei haben", betont er. Freiräume sind wichtig. Die Beziehung soll nicht zur Pflichtveranstaltung werden.

Manche freuen sich auch auf die Distanz

Dass es Fernbusse gibt, etwa solange wie Tim und Felix zusammen sind, ist für das Paar ein großes Glück. Das macht es für beide leichter und günstiger, sich zu sehen. "Aber auch nach zweieinhalb Jahren ist der schlimmste Moment der Abschied", findet Tim. "Wenn mein Freund in den Bus steigt, könnte ich jedes Mal heulen."

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Die Zeit, die man miteinander verbringt, soll so gut wie möglich genutzt werden. Zu zweit, versteht sich - andere Freunde haben da oft keinen Platz.

Die Zeit, die man miteinander verbringt, soll so gut wie möglich genutzt werden. Zu zweit, versteht sich - andere Freunde haben da oft keinen Platz.

Dieses Gefühl hat Andreas* auch lange gekannt. Doch anders als bei Tim und Felix ist seine Fernbeziehung nach über zwei Jahren in die Brüche gegangen. Dabei hat er sich am Anfang sogar auf die Distanz gefreut, die ihn von seinem damaligen Freund Maximilian* getrennt hat.

"Endlich wieder Zeit für uns selbst"

Denn die zwei Berliner haben zuerst zusammen in Andreas neun Quadratmeter großem Kinderzimmer gewohnt. Andreas war damals 19 Jahre alt, sein Freund zwei Jahre jünger. Wegen seiner Ausbildung musste Andreas dann jedoch umziehen. Denn für seinen Beruf im Einzelhandel musste er deutschlandweit flexibel sein. Erste Station: Hamburg. Entfernung: 300 Kilometer.

"Wir freuten uns darauf, auch mal wieder Zeit für uns zu haben. Der Optimismus war größer als die Angst", erzählt Andreas. Die Fernbeziehung ist immerhin auch lange gut gegangen. Andreas ist fast alle zwei Wochen nach Berlin gefahren, denn sein Arbeitgeber hat zwei Fahrten im Monat bezahlt. So gab es immerhin kein finanzielles Problem.

Keine Zeit, einen Freundeskreis aufzubauen

"Die Wochenenden waren toll, wir haben uns aufeinander gefreut", erinnert er sich. "Wir haben uns zum Beispiel kleine Überraschungen für den Partner überlegt." Doch immer öfter hat Andreas an der Distanz gezweifelt.

"Gerade ich, in einer neuen Stadt, mit vielen neuen Menschen, musste regelmäßig Einladungen ablehnen, da ich ja nach Hause fuhr", erzählt er. Denn nach seiner Zeit in Hamburg folgte die zweite Station der Ausbildung: Dresden. Distanz: 200 Kilometer.

Unter der Woche hat Andreas gearbeitet, am Wochenende ging es zurück nach Berlin zu Maximilian. Sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen, empfand Andreas deshalb als sehr schwierig. "Wenn dann einer von beiden doch mal den neuen Freundeskreis in den Vordergrund schob, war wenig Verständnis beim Gegenüber da", erinnert er sich. Das galt für ihn genauso wie für seinen Exfreund.

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Wenn der Abschied näher kommt, will man seinen Partner am liebsten gar nicht mehr loslassen.

Wenn der Abschied näher kommt, will man seinen Partner am liebsten gar nicht mehr loslassen.

Das Ende: Er verliebt sich neu

Na klar: Es ist ein Spagat. Einerseits möchte man so viel Zeit wie möglich mit seinem Partner verbringen, andererseits führt jeder auch noch ein eignes Leben. In so einer Situation die richtige Balance zu finden, ist wie ein Drahtseilakt.

"So haben wir uns tatsächlich ein wenig auseinander entwickelt", resümiert Andreas. Endgültig gescheitert ist die langjährige Beziehung aber, weil Maximilian sich in Berlin neu verliebt hat. "Zunächst ein gemeinsamer Freund, dann eben nur noch Freund von Max, da er in Berlin war, und irgendwann entstanden dort Gefühle."

Fernbeziehung: Bitte nicht als Dauerlösung

Andreas hat keinen Sinn darin gesehen, um die Beziehung zu kämpfen. Der Neue ist immerhin ständig um Maximilian herum, während er ihn nur alle zwei bis drei Wochen sehen kann. "Da sah ich meine Chancen als zu gering an."

Deshalb findet der heute 27-Jährige, dass eine Fernbeziehung zwar machbar ist, sie aber auf keinen Fall zur Dauerlösung werden sollte. "Wäre ich nach etwa zwei Jahren nach Berlin zurückgekehrt, bin ich der festen Überzeugung, dass die Beziehung funktioniert hätte", ist er sich sicher. "Wir hätten uns eine gemeinsame Wohnung gesucht und wären zusammen."

"Irgendwann fehlt die Kraft"

Doch der Abstand zwischen beiden wurde größer. So groß, dass es Maximilian nicht mehr ausgehalten hat, und Gefühle für jemand anderen entwickelt hat. Ob das nicht passiert wäre, wenn die beiden in derselben Stadt gewohnt hätten, kann keiner wissen.

Für Andreas ist trotzdem klar: "Ich denke, eine Fernbeziehung kann funktionieren, wenn ein Ziel existiert. Wenn man weiß, wie lange man das aushalten muss. Wenn aber kein klares Ende in Sicht ist, man nur immer hofft, dass sich die Situation irgendwann so ergibt, dann fehlt irgendwann die Kraft."


*Alle Namen auf Wunsch von der Redaktion geändert.

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