Liebe kennt keine Distanz

Redaktion Von Redaktion

Abends den Freund in den Arm nehmen? Das geht nicht immer. Viele schwule Paare leben weit auseinander. Der Liebe tut das keinen Abbruch. Eine Fernbeziehung funktioniert, auch wenn sie nicht immer leicht ist.

Sonntagabend: Es ist eine beruhigte Stimmung am Bahnhof. Es wirdweniger gesagt als normal, die Menschen strömen vorbei und wirkendesinteressiert aber zielsicher. Am Gleis steht ein Junge, der aus derMenge hervorsticht. Langsam und traurig winkt er dem abfahrenden Zughinterher. Er winkt seinem Freund, den er nun 4 Wochen nicht mehr sehenwird. Der Junge führt eine Fernbeziehung.

Eine Fernbeziehung? Das ist doch nur was für Leute, die regelmäßigenSex suchen. Für Beziehungsunfähige oder die, die gar nicht genugBeziehungen gleichzeitig führen können. Oder eventuell doch der letzteAusweg für isolierte Schwule? Viele Schwule gehen heute nicht nur wegenihrer Abgeschiedenheit von der schwulen Welt eine Fernbeziehung ein. Esstellt sich auch öfter das Problem, nicht "keinen" zu finden, sonderneinfach nur keinen zu finden, den man so richtig liebt. Man suchtschließlich einen Partner, bei dem es klick macht, bei dem es stimmtund nicht jemanden, mit dem man nur zusammen ist, um nicht alleine zusein.

Die Community

Oft kommt es vor, dass schwule Jugendliche isoliert in ihrerOrtschaft leben. Im Alltag einer Ortschaft ist es sehr schwierigGleichgesinnte zu finden. Schwule Jugendgruppen gibt es meist nicht undschnell kann der Ruf in der Ortschaft weg sein, sobald manHomosexualität vermutet. So dient eine Schwulen-Community im Internetfür Jugendliche als Ausweg. Ein Mitglied einer Schwulen-Community zusein, verschafft einem wesentlich größere Chancen Gleichgesinnte zutreffen. Damit lässt sich nicht nur der Freundeskreis ausbauen, sondernsie bietet auch genug Potenzial einen Freund zu finden. Eine Communityist eine perfekte Plattform, um anonym oder ganz offen der Materienäher zu kommen. Es lassen sich Erfahrungen austauschen, man kann sichHilfe holen, Freunde oder einen Partner und in manchen Fällen auch Sexfinden. Man meldet sich an und findet Kontakt zu anderen. Das Problemnur: Diese Freunde wohnen dann meist in einer anderen Ortschaft odersogar in einem anderem Bundesland.

Man könnte meinen, das Thema "Fernbeziehung" seihauptsächlich ein Problem für schwule Jugendliche, die auf dem Landleben, abgeschieden von der schwulen Szene einer Stadt. Dies ist abernicht immer ganz richtig, denn wie isoliert man ist hängt alleine davonab, was man sucht und wo man es sucht. Oft herrscht bei den Schwulenauf dem Land die Meinung, sobald sie in eine Stadt kämen, wäre allesganz anders. Man findet schwule Freunde so viel man möchte und denpassenden Traummann dazu. Das ist ein falsches Bild einer Stadt. Wennman sich Hals über Kopf in die schwule Szene schmeißen möchte, mag diesstimmen, denn diese ist in einer Stadt immer größer als auf dem Land.Aber auch in einer Stadt gibt es Schwule, die sich nicht in diese Szenehineinwagen. Und wieder steht man vor der Frage: Wie finde ich einenFreund?

Im Mittelpunkt dieserFragestellung steht wieder die Community. Der gleiche Weg, den einJunge auf dem Land gehen kann, nämlich einen anderen Jungen über eineCommunity kennenzulernen, kann ein Stadtjunge gehen. Das mag groteskklingen als Schwuler beispielsweise aus Köln eine Fernbeziehung zuführen, aber das ist es nicht. Denn die Idee hinter einer Fernbeziehungist nicht, irgendeinen zu finden, sondern den Richtigen. So seien dieJugendlichen auf dem Land getrötest: Eine Fernbeziehung ist keineabgespeckte Form der realen Beziehung. Sie ist eben nur eine besondereForm.

Getrennt?

In einer Fernbeziehung mussdas Vertrauen zueinander größer sein als in einer Beziehung, in der mansich jeden Tag sieht. Man muss auch annehmen können, dass alles inOrdnung ist, wenn man sich mal mehrere Tage oder sogar Wochen am Stücknicht sieht. Keine Selbstverständlichkeit. Doch das zeigt eigentlicherst die wirkliche Zuneigung zweier Menschen, die sich, auch wenn sieso weit voneinander weg wohnen, trotzdem lieben und trotzdem eineBeziehung miteinander führen. Wie in jeder Beziehung sollte man auchTreue zunächst definieren. Ist flirten an sich schon fremdgehen? Oderfängt fremdgehen erst da an, wo Gefühle im Spiel sind? Finde ich esokay, dass sich mein Partner Befriedigung bei anderen Jungs sucht?

DieFrage ist gar nicht so leicht zu beantworten und muss von jedem fürsich selbst ausgemacht werden. Ein mehrwöchiger Zwang zur sexuellenEnthaltsamkeit kann einen großen Stressfaktor bedeuten. Dennoch sollteman auf sich selbst hören. Es wäre schlecht seinem Partnervorzuspielen, man hätte kein Problem damit, und macht es insgeheim nurder Beziehung wegen. Auf Dauer besteht die Gefahr, von seinen Gefühlenaufgefressen zu werden. Wenn man intensive Probleme damit hat, kanneinem sogar dann selbst der Sex mit dem Freund schwer fallen.

Die meiste Zeit in einerFernbeziehung ist man von seinem Freund getrennt. An dieser Stelle seigedankt, dass wir in einer Zeit leben, in der auch über weite StreckenNachrichten in Echtzeit ankommen. Jetzt sei nur noch gehofft, dass ineiner Fernbeziehung beide Partner davon nicht ausgeschlossen sind.Internet, Telefone und Handys versüßen die Zeit, in der man nicht realbei seinem Freund sein kann. Per Internet ist es problemlos möglich,mittels eines Messengers miteinander zu chatten oder - sofern beideeine Webcam haben - sich auch zu sehen und bei vorhandenem Headset auchzu sprechen. Ist dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich, gibt esja noch die oben erwähnten Telefone und Handys. Hat man bei der Arbeitoder in der Schule mal Pause, kann man seinen Freund anrufen oder ihmeine SMS schicken.

Die Zeit alleine

Was in einer Fernbeziehunggemessen an einer Standardbeziehung besonders schwierig ist, ist diesehr lange Zeit ohne den Freund. Man ist alleine. Mit dem Wissen, dasser sehr weit von einem weg ist. Besonders schlimm ist das Gefühl, wennman eben noch bei ihm war und sich nun wieder für eine Weileverabschieden muss. Da fühlt man sich plötzlich mutterseelenallein. DerKopf sagt, er ist noch da, dabei ist er schon sehr weit weg. Am bestenlenkt man sich in dieser Zeit mit anderen Dingen ab oder entspanntsich. Auf jeden Fall sollte man sich nicht von einer Melancholie fangenlassen, denn die macht auf Dauer kaputt. Zur Ablenkung eignen sich allemöglichen Sachen. Am besten geht man in diesem Moment einfach derTätigkeit nach, die einem am leichtesten fällt: Schlafen,Computerspielen, Fernsehschauen, ein Buch lesen, Joggen, Schwimmen...man sollte sich nur nicht zu sehr dazu zwingen müssen, das führt dannnämlich wieder relativ schnell zu Frust.

Wennman aber nun ganz gefangen von Trauer und Sehnsucht ist, hilft eines ambesten: Reden. Dafür sind Freunde oder aber auch genau dein Freund da,dem geht es nämlich vermutlich nicht anders. Aber Vorsicht, hierbesteht die Gefahr, dass ihr euch gegenseitig in die Depression redet.Wenn man seinen Gefühlen mal bei einer außenstehenden Person Luftmachen kann, wirkt das oft Wunder. Auch wenn sich die Situation an sichnicht ändert, man wird gelassener. Freunde helfen in dieser Zeit, aufandere Gedanken zu kommen, und sie zeigen einem, dass die Sonneirgendwann auch wieder scheint. Nämlich dann, wenn man sichwiedersieht.

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Weitere Quellen: photocase.com