Mein Freund hat HIV

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Mein Freund hat HIV

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Für Männer mit HIV ist es schwer, einen Partner zu finden - wegen zahlreicher Vorurteile und der Angst, sich anzustecken. dbna zeigt, dass es aber auch anders geht.

Liebe ist: Du triffst einen Mann. Du hast Schmetterlinge im Bauch. Du willst mehr von ihm. Doch dann erfährst du: Er hat HIV. Was denkst du?

Alex aus Stuttgart kann etliche Antworten darauf geben. Vor zweieinhalb Jahren wurde er auf HIV getestet. Das Ergebnis: positiv. Seitdem hat er Männer erlebt, die ihn mit anderen Augen anschauten, als sie von seiner HIV-Infektion erfuhren. Männer, die sich von jetzt auf gleich aus seinem Leben verabschiedeten. Männer, die zuvor mehr als einen Flirt wollten.

Deutsche AIDS-Hilfe

Dirk Sander:

Dirk Sander:

Offenheit ist der Goldweg

"Das ist ein Scheißgefühl", sagt Alex. "Natürlich kriegt man da Wut auf Welt." Alex ist Single. Er ist auf der Suche nach einer Beziehung. Von Enttäuschungen hat er genug. Wenn er Männer kennen lernt, dann sagt er direkt, was Sache ist: "Es lohnt sich eh nicht, das zu verheimlichen. Am Ende muss man es ohnehin sagen." Aber wenn er es sagt, dann ist es das oft das Ende. "Das beweist die Vorurteile, die vielen Leute haben."

Alex ist kein Einzelfall. In Deutschland leben 70.000 Menschen mit HIV, Heterosexuelle wie Homosexuelle. Wie schwer es für sie ist, einen Partner zu finden, darüber gibt es keine Studien. Aber das es schwer ist, lässt sich nicht leugnen. Der Grund sind Unwissenheit und Vorurteile. Hinzu kommen Ängste, die auf eine Partnerschaft mit einem HIV-Positiven projiziert werden. Eine davon ist: "Ich kann mir nicht vorstellen, jemanden zu pflegen", sagt Dirk Sander, Schwulenreferent der Deutschen AIDS-Hilfe. Dass HIV-positiv nicht gleich pflegebedürftig bedeutet, steht auf einem anderen Blatt. Denn HIV ist mittlerweile gut behandelbar und führt heute nicht mehr zu einem frühen Tod.

Christoph* (24) aus dem Rheinland ist frei von den Vorurteilen und falschem Halbwissen über HIV. Vor vier Jahren traf er Max*. Die beiden lernten sich näher kennen, schrieben viel miteinander, gingen gemeinsam aus. Alles lief auf eine Beziehung hinaus doch Max hatte noch ein Geheimnis. Vor einem gemeinsamen Abend im Kino vertraute er sich Christoph: "Jetzt wo mehr wird aus uns ". Max ist HIV-positiv und Christoph hatte kein Problem damit.

"Wenn Leute davor Angst haben, krieg ich richtig Wut"

"Ich habe mir schon oft überlegt, wie ich darauf reagiere, wenn mir jemand mal sowas sagt", erzählt Christoph rückblickend. "Mir war klar, dass es egal ist. Ich hatte ihn einfach menschlich gern." Die beiden gingen miteinander. Sie liebten sich und hatten Sex wie jedes andere Paar auch. Von panischer Angst vor Ansteckung keine Spur. Christoph kennt sich gut mit Safer Sex aus. In seiner schwulen Jugendgruppe hat er in einem Aufklärungsprojekt mitgemacht.

Er weiß, dass ein Kondom für ihn zum Sex dazu gehört . Er weiß auch, dass die Medizin bereits sehr weit ist (siehe Kasten). Und er weiß, dass man sich nicht anstecken kann, wenn man aus demselben Glas trinkt. "Wenn Leute davor Angst haben, krieg ich richtig Wut", sagt Christoph. Er könnte dann Geschichten davon erzählen, dass er das schon unzählige Male mit Max gemacht hat. Angesteckt hat er sich nie in der Beziehung die mittlerweile zu Ende ist. Für Christoph ist deshalb klar: "Ich würde immer wieder mit einem HIV-Positiven zusammen sein, wenn der Rest passt."

Liebe ist: Du triffst einen Mann. Du hast Schmetterlinge im Bauch. Du willst mehr von ihm. Er hat HIV. Aber dich schreckt das nicht ab.

*Die Namen wurden geändert.

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Weitere Quellen: Deutsche AIDS-Hilfe