PrEP: Die Pille gegen HIV

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
PrEP: Die Pille gegen HIV
Deutsche Aidshilfe

Wer HIV-negativ ist, kann HIV-Medikamente vorsorglich nehmen. So vermeidet er ziemlich sicher eine Infektion. Die Methode boomt in den USA, ist in Europa aber noch kaum angekommen. Denn auch diese Art von Safer Sex hat Vor- und Nachteile.

"Das ist eine der komischen Dinge, wenn man als schwuler Mann aufwächst: HIV ist mit deiner Sexualität und deinem Sexleben verbunden. So sehr, dass es schwer ist, das wieder zu trennen", schreibt ein junger Mann, der an einer PrEP-Studie in Großbritannien teilgenommen hat.

"Da ist dieses konstante Gefühl von Zweifel und Angst: Wie war das, als dieser Typ seinen Schwanz an deinem Hintern gerieben hatwar da schon ein Lusttropfen dabei? Hatte ich diesen Schnitt in der Lippe schon, als ich ihm einen geblasen habe? Wieso dauert es so lange, bis sie mir mein HIV-Test-Ergebnis mitteilen? Ich fühle mich als hätte ich eine Grippe. Wirklich nur eine Gruppe?", geht sein Erfahrungsbericht weiter.

In den USA boomt die Methode, in Europa noch nicht

Der junge Brite war Teilnehmer an einer PrEP-Studie, die herausgefunden hat, dass die Schutzwirkung der vorsorglichen HIV-Therapie bei 86 Prozent liegt. Annähernd so hoch wie die von Kondomen. Denn auch die schützen nicht zu 100 Prozent.

Weil das Wort Präexpositionsprophylaxe ziemlich lang ist, kürzt man es meist als PrEP ab. Eine PrEP zu nehmen, bedeutet, dass man als HIV-Negativer Medikamente nimmt, die eigentlich für HIV-Positive gedacht sind. In der Regel handelt es sich dabei um das Medikament Truvada.

Während die Methode in den USA ziemlich boomt, findet sie in Europa wenig Anwendung. "Das liegt daran, dass Truvada in Europa noch nicht zur Vorbeugung zugelassen ist", erklärt Holger Wicht von der Deutschen Aids-Hilfe (DAH).

Eine PrEP schützt nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten

Doch weil Truvada für HIV-Positive ein gängiges Medikament ist, kann sich jeder die Tabletten von seinem Arzt verschreiben lassen. Das nennt man Off-Label-Use. Der Nachteil: Eine Monatsration Truvada kostet über 800 Euro im Monat. Und der verschreibende Arzt geht ein höheres Risiko ein, wenn doch etwas bei der PrEP schiefgeht.

Denn damit die PrEP wirkt, muss sie regelmäßig eingenommen werden. Dass das gar nicht so leicht ist, weiß jeder, der schon einmal Antibiotikum genommen hat, Außerdem ist wichtig, die vorsorgliche Therapie von einem Arzt begleiten zu lassen. Wenn man zum Beispiel bereits HIV-positiv ist und dennoch die PrEP nimmt, kann das sehr schädlich sein. Außerdem schützen die blauen Pillen nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, etwa Syphilis oder Tripper.

Jeder weiß: Kondome schützen dennoch gibt es 3000 Neuinfektionen

"Am Ende ist es eine Abwägungsfrage: Was bin ich bereit zu tun?", fasst Holger Wicht zusammen. Denn obwohl Truvada ein recht gut verträgliches Medikament ist, kann es auf Dauer Nieren und Knochen schädigen. Manchmal treten auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Müdigkeit auf.

Deutsche Aidshilfe
Wichtig ist jedoch, dass die Tabletten regelmäßig und unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Wichtig ist jedoch, dass die Tabletten regelmäßig und unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Natürlich stellt sich die Frage, wieso man als gesunder Mensch Tabletten schlucken soll, wenn es doch Kondome gibt, die wirksam und günstig gegen HIV schützen. Wem es leicht fällt, immer Kondome zu benutzen, für den ist die PrEP aktuell sicher keine Alternative.

Aber es gibt eben auch Menschen, die es nicht gut hinbekommen, sich zu schützen. Jeder weiß, dass Kondome HIV-Infektionen vermeiden, und dennoch stecken sich jährlich allein in Deutschland über 3000 Menschen neu mit dem Virus an. Kein Mensch ist perfekt. Jeder macht Fehler. Alle kennen das Phänomen: Man nimmt sich vor, dieses Wochenende wirklich nicht zu viel zu trinken. Am Sonntag liegt man dann doch wieder mit einem Kater im Bett.

PrEP vor einem Partywochenende: Vier Pillen gegen HIV

Manche Männer empfinden Kondome als störend oder kriegen gar nicht erst einen hoch, wenn sie eines überziehen. Andere haben sich weniger unter Kontrolle, wenn sie Alkohol getrunken oder Drogen genommen haben oder es fällt ihnen aus anderen Gründen schwer, sich mit Kondomen zu schützen. "Für diese Menschen könnte die PrEP eine gute Lösung sein", sagt Holger Wicht.

Denn die vorbeugende Therapie kann auch anlassbezogen eingenommen werden, zum Beispiel vor einem Party-Wochenende. Eine blaue Tablette einen Tag vorher, eine am Tag selbst, und dann noch je eine 24 und 48 Stunden danach: Vier Pillen, die vor HIV schützen, selbst wenn man das Kondom weglässt.

"Die PrEP wird Kondome nicht ersetzen"

Dennoch geht die Deutsche Aids-Hilfe nicht davon aus, dass die PrEP eine Massenbewegung auslösen wird. "Es wird viel darüber gesprochen, aber das Interesse, die PrEP anzuwenden, ist zurzeit noch überschaubar", erklärt Holger Wicht.

"Sie ist eine weitere Möglichkeit, sich vor HIV zu schützen. Für manche Menschen mit hohem Risiko die wirkungsvollste." Deshalb setzt sich die DAH dafür ein, die PrEP denjenigen zugänglich zu machen, die sie brauchen. Eines steht jedoch fest: "Die PrEP wird Kondome nicht ersetzen."

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Weitere Quellen: Deutsche Aidshilfe