Reiten ohne Sattel

Christian Brandl Von Christian Brandl

Anläßlich des Welt-Aids-Tages 2004 haben wir uns mit dem Phänomen"Barebacking" beschäftigt, denn trotz großangelegter Aufklärung wirddas Risiko sich bei ungeschütztem Verkehr zu infizieren wiederverstärkt in Kauf genommen.

Unter dem Motto "Mach's Mit" versucht die Bundeszentrale fürgesundheitliche Aufkärung bereits seit Jahren offensiv für geschütztenGeschlechtsverkehr zu werden und aufzuklären. Auch in Schulen,Jugendorganisationen und Beratungszentren werden Jugendliche aktiv überGefahren und Risiken des Geschlechtsverkehrs ohne Kondom aufgeklärt unddennoch lässt sich gerade in den letzten Jahren ein immer sorglosererUmgang mit der eigenen Gesundheit beachten.

Safer Sex: nach Absprache .. so liest man es inzwischen in vielenProfilen, gerade in schwulen Dating-Portalen und auch die Zahl derer,die grundsätzlich auf den Schutz verzichten, steigt permanent weiter.Barebacking nennt man diesen "Sport" der gerade in der schwulen Szeneimmer mehr Anhänger findet. Und nicht nur das Risiko einer HIVInfektion steigt durch die unsafe Praktik, auch anderen sexuellübertragbaren Krankheiten wie Hepatitis, Syphilis oder Tripper sinddamit Tür und Tor geöffnet.

HIV-Infektionen steigen wieder

Erschreckend ist diese Tendenz insbesondere im Hinblick auf die wiedersteigende Zahl der HIV-Neuinfektionen. In Deutschland leben derzeitetwa 43.000 Menschen, die mit HIV infiziert sind und nur ein Fünfteldavon ist weiblich. Schwule Männer sind mit 45% der festgestelltenHIV-Neuinfektionen (1. Halbjahr 2004) nach wie vor die größteRisikogruppe. Umso verwunderlicher ist also dieser zu beobachtendeTrend zum leichtsinnigen Umgang mit dem eigenen Leben.

Dabei kann die Einstellung, ungeschützten Sex praktizieren zu wollen,viel bedeuten: Der Suchende ist selbst HIV-positiv und geht davon aus,dass sein Partner auch positiv ist, oder er ist negativ und vertrautdarauf, dass der Partner ebenfalls negativ ist. Oder er lässt eseinfach "drauf ankommen". Doch wie sicher kann man sich sein, dass dieAuskunft des anderen auch der Wahrheit entspricht? Gerade bei spontanenSex-Dates und One-Night_Stands wird nicht immer die Wahrheit gesagt.Und da ein HIV-Test nur besagt, dass zwölf Wochen vor der Blutabnahmekeine Infektion vorgelegen hat, kann auch ein negatives Ergebnis keineendgültige Sicherheit bringen.

Play Safe - dir selbst zu Liebe

 Darum kann und muss der einzig verantwortungsvolle Rat sein: "Mach'sMit". Denn die Kampagne der BZgA ist keine Phrasendrescherei, sondernein ernstzunehmender Rat für jeden, der sein Leben nicht für eineneinzigen Kick aufs Spiel setzen will.

Mythen zu HIV und Barebacking

1. Safer Sex ist nicht mehr nötig, da es ja Medikamente gegen AIDS gibt
Falsch! Die heute verfügbaren Medikamente können HIV nicht aus demKörper beseitigen. Sie können nur den Verlauf der Krankheitverlangsamen. Eine Heilung der Krankheit ist nicht möglich.

2. HIV und AIDS geht doch nur ältere Schwule etwas an
Falsch! Gerade bei jungen schwulen Männern nehmen dieHIV-Neuinfektionen deutlich zu. Auch ein attraktiver, sportlicher Jungekann HIV-positiv sein oder sich mit HIV infizieren

3. Wenn zwei HIV-Positive unsafe sind, ist das doch egal
Falsch! Selbst wenn man bereits mit HIV infiziert ist, geht man beimungeschützten Verkehr mit einem anderen positiven das Risiko ein, sichmit neuen Virenstämmen zu infizieren, die auf die eigene Therapieformnicht ansprechen.

4. Es gibt keine Kondome in meiner Größe
Falsch! Zwar findet man in den großen Drogeriemärkten meist nur einegewisse Palette an "Standardgrößen" und Formen, aber die großenKondomhersteller bieten sowohl kleinere, wie auch größere Kondome an.Diese sind auch sehr leicht anonym über Online-Vertriebe oder inApotheken zu bekommen.

5. Mit einem Kondom spüre ich nichts - es stört einfach
Falsch! Die Wand eines Kondoms ist gerade mal 0,06 Millimeter dick, wasdas Gefühl beim Analverkehr in keiner Weise beeinflusst und selbstextra-reißfeste Kondome (die für Analverkehr zu bevorzugen sind) werdendich nicht einschränken.

6. Ein Kondom ist ein Lusttöter beim Vorspiel
Falsch! Baut das Kondom doch einfach in das Vorspiel mit ein, denn wennman sich gemeinsam um diese Verantwortung kümmert, kann das demVorspiel noch eine weitere spannende Facette hinzufügen.

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Weitere Quellen: SWR, BZgA, Aidshilfe.de