Südafrika ist mutig

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Südafrika ist mutig
YouTube/We The Brave

Die erste HIV-Kampagne aus Südafrika, die sich an schwule Männer richtet, hat es in sich: Die Videos waren für einige Werbenetzwerke zu heikel. Doch die Botschaft ist eindeutig.

Drei Männer essen zu Abend. Dann fährt die Kamera langsam zurück, "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss setzt ein. Einer steht auf und zieht seinen Freund an der Krawatte zu sich. Ein langer Kuss, der Vater traut seinen Augen kaum. 

Die Botschaft: Wir sind mutig genug, uns zu outen. Also sollten wir auf jeden Fall mutig genug zu sein, uns zu schützen. Das Besondere an dem Clip ist, dass er Teil der südafrikanischen Kampagne "We The Brave" ist. Das ist die erste HIV-Kampagne des Landes, die sich speziell an schwule und bisexuelle Männer richtet.

Kampagne war zu heikel für einige Werbenetzwerke

In einem anderen Video von "We The Brave" sieht man einen Po, der gewaxt wird. Wer diese Schmerzen aushält, der sollte es auch aushalten, zum HIV-Test zu gehen. Der dritte Teil wird noch expliziter: Ein Mann läuft auf der Suche nach schnellem und anonymen Sex durch einen Darkroom. Wer dadurch angstfrei gehen kann, der kann auch zum HIV-Test gehen.

So richtet sich "We The Brave" an alle möglichen Männer, die Männer lieben. Denn mit einer der Situationen kann sich wohl jeder identifizieren. Doch in Südafrika teilen nicht alle die Begeisterung. "Ein paar Werbenetzwerke finden das Video zu riskant, um es zu platzieren, und haben es deshalb geblockt", erzählt Nyiko Beguin vom Kampagnenteam.

YouTube/We The Brave

HIV-Rate in Südafrika: Fast 20 Prozent

Denn solche Videos sind neu in Südafrika. Während es in Deutschland zuhauf Aufklärungskampagnen zu HIV und Aids gibt, etwa das Gemüse mit Kondom der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, "Ich weiß was ich tu" oder die "Testhelden", ist das die erste ihrer Art in Südafrika.

Zur Kampagne gehört auch eine umfangreiche Internetseite, die alle möglichen Fragen rund um HIV, Safer Sex und PrEP beantwortet. Denn HIV und Aids sind in Südafrika nach wie vor ein großes Problem. Die HIV-Rate unter Erwachsenen liegt bei 19,1 Prozent. Gleichzeitig investiert Südafrika rund eine Milliarde Dollar jährlich in seine HIV/AIDS-Programme, die zu den größten weltweit gehören.

Paradox: Rechtlich fortschrittlich, gesellschaftlich rückständig

Etwa zehn Prozent der schwulen Männer sind HIV-positiv. Dabei gehört das Land zu den fortschrittlichsten, was LGBTIQ*-Rechte angeht. 2006 hat Südafrika als erstes Land Afrikas und fünftes der Welt die Ehe für Homosexuelle geöffnet. Gleichzeitig sind 63 Prozent der Bevölkerung gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

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