Tote Hose

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Tote Hose

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Wenn im Bett nichts mehr geht, dann ist die Frustration groß. Allerdings sind Erektionsstörungen oft nur temporär und gerade bei jungen Männern meist lösbar. Denn sie haben oft psychische statt organische Ursachen.

Ben strengte sich an. Seit 10 Minuten. Er reibt seinen Penis, wechselt die Hand. Die Technik. Die Stellung. Aber er will einfach keine Latte bekommen. Halb steif ist das Maximum, das geht. Aber warum nur? Der Typ neben ihm ist total geil. Sein Körper durchtrainiert aber nicht zu muskulös, sein Schwanz und Arsch ein echtes Highlight.

Aber trotzdem: Ben kann nicht und schämt sich.

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Einer von 10 Betroffenen ist unter 27 Jahre alt

Was Ben in diesem Moment erlebt, ist keine Seltenheit. Etwa 6 Millionen Männer in Deutschland leider an einer Erektionsstörung. Die meisten sind älter als 50 Jahre. Aber auch bei jungen Männern kommt sie immer wieder vor. "Das ist häufiger als gedacht", sagt Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen. Er schätzt, dass einer von zehn Betroffenen jünger als 27 Jahre ist. "Meistens spielen bei den Jüngeren psychische Probleme eine Rolle", sagt er.

Vertrauen und Selbstzufriedenheit sind wichtig, um loslassen zu können. Stress, Depressionen und Unsicherheit, etwa wenn beide Partner unterschiedlich viel sexuelle Erfahrung haben, sind  hingegen Erektionskiller.

Das hilft gegen Erektionsstörung

"Ich kann nur noch einen hochbekommen, wenn ich mich 100% wohl und sicher fühle", schreibt ein anonymer User im Forum von www.dbna.de. Beim Wichsen etwa hat er gar kein Problem. Er kann mehrmals am Tag eine Erektion bekommen. Aber sobald eine andere Person ins Spiel kommt, herrscht bei ihm tote Hose. "Mein Schwanz wird höchstens mal kurz halb steif, aber ist dann nicht mehr hochzubekommen. Da kann ich oder mein Partner sich bemühen so viel wie man will." Trotzdem traut sich der User nicht zum Arzt. Er macht ein Geheimnis daraus und kann es sich selbst nicht eingestehen. "Bin 26... das ist doch viel zu jung für so ein Problem? Der Arzt lacht mich doch aus."

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Von solchen Ängsten und der Scham schwuler Männer erfährt auch Manuel Izdebski von der AIDS-Hilfe im Kreis Unna immer wieder. "Gerade in der sexualisierten schwulen Welt geht eine Erektionsstörung ganz tief an die männliche Substanz", sagt er. Die betroffenen Männer verdrängen deshalb oft ihr eigenes Problem und schieben die Schuld auf den Sexpartner. "Der hat so komisch gerochen oder so komisch gestöhnt sind dann die Ausreden", sagt Izdebski vor allem in Bezug auf One-Night-Stands.

Pozentmittel schaffen sexuelle Erfolgserlebnisse

In Beziehungen sind die Probleme ähnlich. "Die Männer quälen sich Wochen und Monate damit herum", sagt Wolfgang Bühmann. "Sie haben Angst, sich dem Partner zu offenbaren." Dabei wäre genau dies der richtige Schritt ebenso wie der Gang zum Urologen. Denn die haben oft eine Zusatzausbildung für die Behandlung psychosomatischer Störungen.  "Durch ein Gespräch kann man da viel erreichen", sagt Bühmann. Außerdem kann der Urologe auch Potenzmittel verschreiben. Gerade bei jungen Männern, die sich in einer frischen Beziehung befinden, lässt sich damit dem sogenannten Premierenhänger entgegenwirken.  Insgesamt helfen Potenzmittel somit, sexuelle "Erfolgserlebnisse zu schaffen". Und die können eine Erektionsstörung beenden.

Die gute Nachricht ist deshalb: Auch wenn die Potenzschwäche öfter auftaucht als gedacht, sie ist gerade bei psychischen Ursachen nur eine Frage der Zeit. Es gibt deshalb keinen Grund, ein Geheimnis daraus zu machen. Denn je schneller man darüber redet, desto eher kann man wieder Spaß am Sex haben.

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat untersucht, wie schwule Männer mit Erektionsstörung ihr Verhalten ändern. Das sind die Ergebnisse:

  • Die Männer wechseln von der aktiven in die passive Position, weil sie dort nicht zwingend eine Erektion brauchen.
  • Sie erhöhen den sexuellen Reiz durch Fetische (vor allem SM).
  • Betroffene verzichten häufig auf Kondome, weil diese die Erektion beim Überziehen abschlaffen lassen. Dadurch setzen sie sich und ihren Partner aber der Gefahr aus, sich mit HIV, Syphilis und anderen Geschlechtskrankheiten anzustecken.

Dieser Text erscheint in Zusammenarbeit mit Magazin "out!" des schwul-lesbischen Jugendnetzwerks Lambda e.V.

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